wirtschaft und weiterbildung 3/2016 - page 41

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wirtschaft + weiterbildung
03_2016
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Personalentwicklungsmaßnahmen –
unter Beachtung der Unternehmensziele
– in Zukunft zur Vertiefung angeboten
werden würden. Für das Zirkeltraining
wurde im Vorfeld intensiv geworben. Es
wurde sogar eine Werbeagentur einge-
schaltet, um Plakate, Flyer und Handouts
zu produzieren. Der Tag fand in einer at-
traktiven Eventlocation statt. Lernformate
haben auch immer etwas mit „Erleben“
und „Spaß“ zu tun, aber natürlich muss
das Lernziel erreicht werden.
Dr. Hanspeter Durlesser:
Coverdale hat
zum Beispiel die „Learning Company“
entwickelt. Dies ist ein Seminar, das vier
bis sechs Tage dauert und sich sehr gut
für erfahrenere Führungskräfte eignet.
Nach einer kurzen Phase, in der ein ge-
meinsames Verständnis zu Grundwerk-
zeugen in der Zusammenarbeit herge-
stellt wird, beginnen die Teilnehmer
eine Firma zu betreiben, deren Ziel es
ist, größtmögliches Lernen für alle Teil-
nehmer sicherzustellen. Die Teilnehmer
können dabei unterschiedliche Rollen
vom Geschäftsführer über den Projekt-
leiter bis zum Fachexperten einnehmen,
im Sinne einer kollegialen Beratung Lö-
sungen für ihre Praxisthemen entwickeln
und den Coach als Sparringspartner nut-
zen. Die Herausforderung für unsere Trai-
ner besteht darin, dass sie nicht wissen,
welche Themen auf sie zukommen, aber
ihre lange Berufserfahrung hilft ihnen.
Die Verantwortung für das Lernen liegt
vor allem bei den Teilnehmern und das
macht dieses Format so erfolgreich: Die
Teilnehmer lernen besser, wenn sie an
ihren eigenen Themen arbeiten und nur
bei Bedarf von einem Trainer mit Input
und Handlungsalternativen versorgt wer-
den. Ich kann mir übrigens sehr gut vor-
stellen, dass es künftig noch viel öfter als
heute dazu kommt, dass unternehmens-
übergreifend neue Austauschforen und
insbesondere kollegiale Beratungen orga-
nisiert werden.
Dr. Simon Beck:
Auch Mentoring kann
ein starkes Format sein, um Menschen
ins Berufsleben einzuführen und sie
auch langfristig z.B. als Führungskraft
zu begleiten. Wir bilden firmeninterne
Mentoren aus, weil es seit einiger Zeit
eine gestiegene Nachfrage gibt und die
Unternehmen Wert darauf legen, dass
die Leistungsträger der Zukunft einen
passenden Mentor finden, welcher eine
gute, nachhaltige Beziehung zum Men-
tee gestalten kann. Ich möchte außerdem
noch auf die alte Erkenntnis hinweisen,
dass jeder Trend einen Gegentrend er-
zeugt. Der Gegentrend zur Digitalisie-
rung ist für mich die Entschleunigung.
Wir setzen ganz bewusst auch auf „Slow
Learning“. Diese besondere Form des
Lernens entdeckt man als berufstätiger
Mensch dadurch, dass man sich auf die
richtige Art und Weise der Selbstreflexion
widmet. Die richtige Art und Weise be-
steht nicht nur aus rationalem Denken,
sondern auch aus einem emotionalen
Nachspüren. Dazu braucht man Trainer,
die Menschen durch ganzheitliche Refle-
xionsprozesse führen können. Der posi-
tive Effekt des „Slow Learning“ auf das
eigene Führungsverhalten sei sehr groß,
da besonders nachhaltig, sagen unsere
Kunden – insbesondere solche aus dem
höheren Management.
Felix Müller:
Reflexion ist heute wichtig,
da viele Unternehmen uns berichten,
dass ihre Mitarbeiter und Führungskräfte
auf die erhöhte Dynamik und Komplexi-
tät mit Entscheidungsmüdigkeit, Hoch-
delegieren und Stillstand reagieren. Wir
haben uns wissenschaftlich mit dem
Thema beschäftigt und dabei festgestellt,
dass Reflexion, die Zeit und Raum zum
Dr. Hanspeter Durlesser
(Coverdale). „
Künftig wer-
den unternehmensübergrei-
fend organisierte ‚kollegiale
Beratungen‘ an Bedeutung
gewinnen.“
Roundtable.
Gemeinsames Nachdenken über die Zukunft der Weiterbildung auf
Einladung von „Wirtschaft + Weiterbildung“.
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