personalmagazin_2015_09 - page 44

44
ORGANISATION
_ARBEITSZUFRIEDENHEIT
personalmagazin 09/15
A
ttraktive Arbeitsbedingun-
gen sind heute mehr denn
je ein Schlüssel für Innova-
tionskraft und Wettbewerbs-
fähigkeit. Sie bilden die Grundlage für
eine erfolgreiche Fachkräftesicherung in
Unternehmen wie Verwaltungen. Doch
worauf legen Beschäftigte besonderen
Wert? Und wie weit liegen Wunsch und
Wirklichkeit bei der individuell erlebten
Arbeitsqualität auseinander?
Die Studie „Gewünschte und erlebte
Arbeitsqualität“ des Bundesministeri-
ums für Arbeit und Soziales (BMAS) gibt
ein umfassendes Bild über die Arbeitsbe-
dingungen sozialversicherungspflichtig
Beschäftigter in Deutschland. Sie zeigt
auf, auf welchen Handlungsfeldern die
Qualität der Arbeit verbessert werden
kann und gibt Unternehmen wichtige
Hinweise, wie sie qualifiziertes Personal
durch gute Arbeitsbedingungen langfri-
stig an sich binden können.
Im Rahmen der Initiative Neue Qua-
lität der Arbeit haben die Freiburger
Forschungsstelle Arbeits- und Sozial-
medizin (FFAS), das Forschungszent-
rum Familienbewusste Personalpolitik
(FFP) und das Institut für angewandte
Sozialforschung (Infas) die Daten für die
Studie erhoben und ausgewertet. Dazu
wurden 5.004 Männer und Frauen mit
einer Wochenarbeitszeit von mindes-
tens zehn Stunden in Telefoninterviews
befragt – zu Wünschen an die Arbeits-
stelle, Zufriedenheit mit verschiedenen
Aspekten der Arbeitsqualität, Arbeits-
bedingungen und Verbesserungsbedarf.
Von
Benjamin Mikfeld
und
Peer-Oliver Villwock
Aufgrund der repräsentativen Aus-
wahl der Studienteilnehmer können die
Ergebnisse auf alle sozialversicherungs-
pflichtigen Beschäftigten in Deutschland
übertragen werden. Die Studie bietet
somit eine solide Datenbasis für die
Verständigung über die zukunftsfähige
Gestaltung der Arbeit. Demnach sind die
Beschäftigten durchschnittlich 42 Jahre
alt, zu einem kleineren Teil Arbeiter oder
Arbeiterinnen (23,1 Prozent) und zu ei-
nem größeren Teil Angestellte. Mehr als
zwei Drittel von ihnen arbeiten 35 bis
40 Wochenstunden, drei von vier Be-
schäftigten leisten Überstunden und 13
Prozent üben neben ihrer Haupttätigkeit
eine oder mehrere Nebentätigkeiten aus.
Die Mehrzahl verfügt über einen mittle-
ren Schulabschluss (40,3 Prozent) oder
die Fachhochschulreife (38,9 Prozent).
Rund zwei Drittel der Befragten verdie-
nen weniger als 36.000 Euro pro Jahr.
Fragt man die Beschäftigten, wie
wichtig ihnen verschiedene Aspekte
ihres Arbeitsumfelds sind, steht ein si-
cheres Arbeitsverhältnis ganz oben auf
der Agenda. Auch ein unbefristetes Ar-
beitsverhältnis, die Zusammenarbeit mit
netten Leuten, ein guter Lohn sowie eine
gute Führung durch Vorgesetzte sind mit
mindestens 90 von 100 möglichen Punk-
ten besonders wichtig.
Interessant ist hier der Vergleich zur
Vorgängerstudie der Initiative Neue
Qualität der Arbeit aus dem Jahr 2006
mit dem Titel „Was ist gute Arbeit? Das
erwarten Erwerbstätige von ihrem Ar-
beitgeber“. Zwar haben damals ähnliche
Aspekte die vordersten Plätze einge-
nommen. Gemessen an den absoluten
Punktwerten sind seitdem allerdings
wichtige Faktoren nach oben gerückt,
wie Führungsqualität, Vereinbarkeit
und Ausstattung des Arbeitsplatzes
(siehe Grafik „Rückblick“). Angesichts
veränderter Bedürfnisse und Ansprü-
che der Beschäftigten sowie einer durch
die hohe Konkurrenz um qualifizierte
Fachkräfte bedingte Entwicklung hin
zu einem Arbeitnehmermarkt scheinen
somit über das Sicherheitsbedürfnis
hinausgehende Faktoren wie gute und
attraktive Arbeitsbedingungen an Be-
deutung zu gewinnen.
Vier Wichtigkeitsdimensionen
Fasst man dieses Ergebnis im Sinne ei-
ner besseren Vergleichbarkeit in die vier
Wichtigkeitsdimensionen
Sicherheit,
Arbeitsplatz, Flexibilität und Wertschät-
zung zusammen, ergibt sich folgende
Gewichtung: Allen voran steht der Fak-
tor Sicherheit, der aus den Aspekten
der materiellen Sicherheit der Beschäf-
Noch bleiben Wünsche offen
STUDIE.
Sicher, unbefristet, gut bezahlt: So wünschen sich die Deutschen ihren
Arbeitsplatz. Doch wie erleben sie ihre Arbeit tatsächlich? Eine Analyse zeigt dies auf.
Gute und attraktive
Arbeitsbedingungen
scheinen gegenüber
den Faktoren, die das
Sicherheitsbedürfnis
betreffen, an Bedeutung
zu gewinnen.
1...,34,35,36,37,38,39,40,41,42,43 45,46,47,48,49,50,51,52,53,54,...94
Powered by FlippingBook