CONTROLLER Magazin 1/2016 - page 77

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fen zu einer Einigung zwischen zwei Parteien,
eine bestimmte Rohstoffmenge zu einem defi-
nierten, zukünftigen Zeitpunkt zu kaufen oder
zu verkaufen. Die Geschäfte werden zum Ter-
minpreis abgerechnet. Der Verkäufer erhält am
Abrechnungstag den vereinbarten Terminpreis,
unabhängig von den zwischenzeitlichen
Schwankungen des Marktpreises. Bei Futures-
Geschäften erhält der Käufer einen finanziellen
Ausgleich zwischen festgelegtem Terminpreis
und dem bei Fälligkeit des Kontraktes gelten-
den Kassapreis. Bei außerbörslich, individuell
vereinbarten Forward-Kontrakten erfolgt typi-
scherweise die physische Erfüllung, d. h. die
Lieferung, des Rohstoffs.
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Es besteht somit für
beide Vertragspartner eine Verpflichtung.
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Die-
se beidseitige Bindung hat zur Folge, dass
Chancen und Risiken des unbedingten Termin-
geschäftes symmetrisch auf beide Parteien
verteilt sind und deshalb keine Prämienleistun-
gen erfolgen.
Bedingte Termingeschäfte, auch Optionen ge-
nannt, sind hingegen dadurch gekennzeichnet,
dass nur ein Vertragspartner eine Verpflich-
tung eingeht, während die andere Partei ein
Recht, aber keine Pflicht, besitzt. Dadurch er-
gibt sich bei bedingten Termingeschäften ein
einseitiges Wahlrecht auf Erfüllung des Ge-
schäftes, welches sich der Käufer der Option
durch die Begleichung einer Optionsprämie er-
kauft.
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Optionen ermöglichen dem Käufer
durch Zahlung einer Prämie eine Absicherung
des Rohstoffpreises, ohne dabei auf ein mög-
liches Gewinnpotenzial aufgrund einer günsti-
gen Preisentwicklung zu verzichten. Es wird
zwischen Kaufoptionen und Verkaufsoptionen
unterschieden (vgl. Abbildung 3).
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Besonderheiten bei Rohstoffderivaten
Im Energie- und Rohstoffbereich besteht aus-
reichende Liquidität lediglich für Forwards und
Futures, sodass diese Instrumente den über-
wiegenden Teil der gehandelten Produkte dar-
stellen. Darüber hinaus sind die Prämien für
Optionen aufgrund der an Rohstoffmärkten ty-
pischerweise sehr hohen Volatilitäten von 30%
p. a. und mehr prohibitiv teuer und scheiden
daher für Sicherungszwecke aus. Die Ergeb-
nisse der Unternehmensbefragung von KPMG
ergab, dass konkrete Rohstoffpreis-Absiche-
rungen hauptsächlich durch OTC-Kontrakte
erfolgen (73%), seltener durch standardisierte
Produkte. Forwards werden am häufigsten ge-
nutzt.
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Die vergleichsweise geringe Nutzung
von börsengehandelten Rohstoffderivaten er-
gibt sich auch aus der Vielzahl an unterschied-
lichen Spezifikationen, die im Energie- und
Rohstoffbereich benötigt werden. Mit den an
Börsen gehandelten Produkten kann folglich
nur eine teilweise oder näherungsweise Absi-
cherung umgesetzt werden.
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Eine weitere Be-
sonderheit ergibt sich bei Termingeschäften
mit Rohstoffen zum Zeitpunkt der Fälligkeit.
Es
wird unterschieden, ob eine physische Lie-
ferung erfolgt oder durch Ausgleichszah-
Abb. 3: Rechte und Pflichten von Optionskäufern und -verkäufern
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Abb. 4: Darstellung reguläre Marktsituation Future-Kurs (Contango)
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CM Januar / Februar 2016
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