CONTROLLER Magazin 03/2015 - page 35

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trachtungszeitraum ein Nettobarwert in Höhe
von 23 Eurocent erwirtschaftet wird. Risikoas-
pekte können beim Effizienzgrad der Investition
mittels des verwendeten Diskontierungssatzes
eingepreist werden. Ebenso kann der gesamte
Betrachtungszeitraum in der Kennzahl abgebil-
det werden.
Der Effizienzgrad kann wie folgt auch in einen
Jahreswert umgerechnet werden, um dann
eine jährliche Überrendite über die Kapital-
kosten p.a. und die Amortisation der Investi-
tionsausgaben hinaus zu erhalten, wodurch
unterschiedliche Projektlaufzeiten vergleich-
bar werden:
Jährliche Überrendite p.a. =
Sollten neben der Investition noch andere ne-
gativ abfließende Cash-Flow-Komponenten
(z. B. Betriebsausgaben oder Steuerzahlungen
wie z. B. Steuern auf die Förderung von Kohlen-
wasserstoffen) einen signifikanten Einfluss auf
den Nettobarwert haben, könnte man diese
Komponenten über den Barwert der Cash-Aus-
zahlungen in die Berechnungsformel einbrin-
gen. Der Effizienzgrad der Investition hätte
dann beispielsweise im Nenner der obigen For-
mel den Barwert der Investition, den Barwert
des Betriebsaufwands und den Barwert der
Steuerbelastungen zu zeigen. Der Effizienzgrad
des Projektes kann dann in den Effizienzgrad
der Investitionsausgaben, des Betriebsauf-
wands und der Besteuerung zerlegt werden.
Ein Vergleich dieser unterschiedlich ermittelten
Effizienzgrade kann Aufschlüsse auf Werttrei-
ber innerhalb eines Gesamtportfolios liefern.
Ein Projekt, das aufgrund seines Effizienzgra-
des der Investition an vorderster Stelle eines
Portfolios zu reihen gewesen wäre, könnte auf
Basis des Effizienzgrades aller abfließenden
Cash-Flow-Komponenten (d. h. Investition, Be-
triebsaufwand und Steueraufwand) letztendlich
nur im Mittelfeld des Portfolios gerankt werden.
Die Anwendung des Effizienzgrads der Investition
führt dazu, dass bei Reihung der Aktivitäten und
Projekte und Zuteilung des beschränkten Kapitals
anhand des Effizienzgrads der Investition die
größtmögliche Wertgenerierung ermöglicht wird.
Diese Wertgenerierung kann in Absolutwerten in
Form des größtmöglich erzielbaren Gesamtnetto-
barwerts ausgedrückt werden. Die Entschei-
dungsregel, Projekte nach Effizienzgrad zu ran-
ken, nimmt jedoch an, dass Aktivitäten oder Pro-
jekte in ihrer Umsetzung teilbar sein können. Bei-
spielsweise könnte der Gesamtinvestitionsbedarf
eines Projektes in eine Initialgrundstufe und eine
spätere Erweiterungsinvestition zerlegt werden.
Derartige Teilungen sind jedoch in der Praxis
nicht immer möglich.
Abbildung 8 gibt einen
zusammenfassenden
Überblick
über Vor- und Nachteile der vier
wertorientierten Projektkennzahlen bzgl. prakti-
scher Anforderungen. Es zeigt sich, dass keine
der Kennzahlen alle Anforderungen in vollem
Ausmaß erfüllt. Daher werden bei Mineralöl-
unternehmen nicht eine einzelne Kennzahl,
sondern alle vier Kennzahlen nebeneinander
verwendet.
Für eine praktizierbare einfache Anwendung
der vorgestellten Kennzahlen lässt sich nach
unseren Erfahrungen folgender Ablauf festma-
chen: Wenn man eine Aktivität oder Investition
auf singulärer Basis bewerten und entscheiden
soll, verwendet man die Prioritätensetzung,
erstens Nettobarwert, zweitens Interner Kal-
kulationszinssatz, drittens Rückzahlungsperio-
de. Soll man über Projekte oder Investitionen
in einem Gesamtkontext, wie etwa in einem
Port-folio aus Projekten, entscheiden, kann
man anhand des Entscheidungsschemas, ers-
tens Effizienzgrad, zweitens interner Kalkula-
tionszinssatz, drittens Amortisationsdauer vor-
gehen. Vergleicht man die beiden Schemata,
ist sofort ersichtlich, dass der Nettobarwert
bei der stand-alone-Entscheidung durch den
Effizienzgrad der Investition für die Portfolio-
entscheidungen ersetzt wird.
Im Beispielsunternehmen werden daher neben
der Ermittlung der vier Investitionskennzahlen,
die nebeneinander gestellt werden, auch die
Profile der Cash-Ab- und -Zuflüsse über den
Zeitablauf in einem
Projektbild
dargestellt, um
Projekte ganzheitlich beurteilen zu können (vgl.
Abbildung 9).
Entscheidungen über das
Projektportfolio
Unternehmen, so auch Mineralölunternehmen,
verfolgen häufig viele einzelne Projekte in un-
terschiedlichem Entwicklungsstand (Projekt-
portfolio). Nachfolgend wird dargestellt, wie die
Portfoliosteuerung bei einem Beispielsunter-
nehmen der Mineralölindustrie erfolgt.
Wertadditivität und Projektportfolio
Abbildung 10 zeigt, dass die Nettobarwerte der
einzelnen Projekte sich nach dem Grundsatz
der Additivität zum Wert des Gesamtkapitals
Abb. 8: Bewertung wertorientierter Kennzahlen zur Projektbewertung (Quelle: Eigene Darstellung)
CM Mai / Juni 2015
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