PERSONALMAGAZIN_07/2016 - page 51

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07/16 personalmagazin
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an
PROF. DR. RUTH STOCK-
HOMBURG
ist Leiterin des
Fachgebiets Marketing und
Personalmanagement an der
TU Darmstadt und Gründerin der Leap in
Time GmbH.
CARMEN LUKOSCHEK
ist
wissenschaftliche Mitarbeite-
rin am Fachgebiet Marketing
und Personalmanagement
der TU Darmstadt Darmstadt.
Mobiliar wie Laufbandtische und kom-
binierte Tischtennis-Bürotische lässt die
Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit-
aktivitäten zunehmend verschwimmen.
Bislang kaum Raum für Kreativität
Bis sich die Unternehmen hierzulande
jedoch zukunftsfähig aufstellen, indem
sie nicht nur existierende Arbeitswel-
ten optimieren, sondern auch mit neu-
en Arbeitskonzepten experimentieren,
wird es wohl noch dauern. In der „Zu-
kunftsstudie 2016“ haben wir ebenfalls
untersucht, wie deutsche Firmen effizi-
ente und kreative Arbeitsumgebungen
bereitstellen. Es zeigt sich, dass sie bis-
lang primär effizientes Arbeiten unter-
stützen und kaum Raum und Infrastruk-
tur für freies, kreatives Arbeiten bieten.
Dies sehen auch zukünftige Mitarbeiter
so: Sie bemängeln, dass die Arbeitsum-
gebungen kaum dazu inspirieren, neue
Arbeitsweisen zu erproben und innova-
tiv zu arbeiten.
Ein Benchmark zeigt allerdings deut-
liche Branchenunterschiede (siehe
Abbildung „Arbeitsplatzgestaltung im
deutschen Branchenvergleich“ in der
App): So setzen die Branchen Handel
und Versorgung/ Logistik nach wie vor
auf eine reine Effizienzorientierung in
ihrer Arbeitsplatzgestaltung. Dagegen
experimentieren Unternehmen aus den
Branchen IT und Unternehmensberatung
schon mit neuen Arbeitsumgebungen
und Arbeitsweisen, gefolgt von den Bran-
chen Maschinenbau und Automobil.
Wie können Sie Ihr Unternehmen bereits heute auf die Arbeitswelt von morgen vor-
bereiten? Die Zukunftsstudie der TU Darmstadt liefert hierzu einige Antworten.
Tipp 1: Werden Sie zum Experten in Sachen Zukunftstrends.
Wie wir zukünftig arbeiten werden, wird aktuell sehr intensiv diskutiert. Einige Trends,
wie Demografie, technologische Entwicklungen und so weiter, sind bereits recht gut
antizipierbar. Hieraus lassen sich zentrale Ansatzpunkte für künftige Herausforderungen
und Chancen der Arbeitswelt ableiten. Machen Sie sich mit den Trends vertraut.
Tipp 2: Verabschieden Sie sich von der Führung des vorigen Jahrhunderts.
Die Menschen, die in den vorgestellten drei Arbeitswelten arbeiten werden, haben ei-
nes gemeinsam: Sie lehnen Führung nach dem „Command-and-Control“-Prinzip ab. Die
Führungskräfte von morgen müssen Macht und Verantwortung an ihre Mitarbeiter abge-
ben. Diese sogenannte Selbstführung will allerdings gelernt sein. Bieten Sie Schulungen
für Mitarbeiter und Führungskräfte zur Führung des 21. Jahrhunderts an.
Tipp 3: Trauen Sie sich, neue Arbeitskonzepte auszuprobieren.
Mit effizienzorientierten Ansätzen werden wir auf Dauer dem globalen Wettbewerb
nicht standhalten und schon gar nicht attraktive Arbeitsumgebungen für Talente schaf-
fen können. Die Volksweisheit „Stillstand ist Rückgang“ greift auch hier: Denn Unter-
nehmen, die nicht mutig sind, neue Wege des Arbeitens auszuprobieren, werden von
flexiblen Mitbewerbern und wendigen Start-Ups überholt.
Tipp 4: Schaffen Sie frühzeitig neue Berufsfelder.
Digitalisierung und Dezentralisierung von Lernen und Arbeiten führen dazu, dass rund
60 Prozent der heutigen Schüler in Berufen arbeiten werden, die heute noch nicht
existieren. Sie können Ihre Attraktivität als Arbeitgeber maßgeblich steigern, indem Sie
neue, spannende Berufsfelder in Ihrem Unternehmen schaffen.
Tipp 5: Lassen Sie spielerisches Arbeiten zu.
Sozialisierung hin zum Erwachsenwerden hat vielerorts auch „Kreativitätsentwöhnung“
zur Folge. Geben Sie Ihren Mitarbeitern Raum, um wirklich kreativ zu werden und ihren
eigenen Ideen nachzugehen. Die Zukunft liegt in der Vielfalt und reicht von kreativen
Bürokonzepten über Office-Sharing-Konzepte hin zu Arbeitswelten in den eigenen vier
Wänden – mit flexiblen Arbeitszeitmodellen als Quelle der Selbstentfaltung.
Zukunftsfähigkeit steigern
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
Arbeitsbereich setzt auf spielerisches
Lernen. Ziel der Arbeitsumgebung ist
es, Mitarbeiter „intellektuell zu lockern“
und so ihre Kreativität und Experimen-
tierfreudigkeit zu fördern. Die Einrich-
tung ist eher unkonventionell: Hänge-
matten, Billardtische und Kletterwände
gibt es hier. Für das Prototyping werden
3-D-Drucker und 3-D-Stifte eingesetzt.
Der wesentliche Unterschied zu den
anderen Arbeitswelten liegt darin, dass
die Mitarbeiter sich nicht in einer vorge-
fertigten Arbeitswelt befinden, sondern
mit dem gegebenen Mobiliar eine neue
Arbeitswelt kreieren können.
• Arbeitswelt III ermöglicht den Mitar-
beitern Flexibilität und „Me-Time“ (Zeit
für sich) durch „Smart Living and Wor-
king“. Im Gegensatz zu den beiden ersten
Arbeitswelten ist dieser Arbeitsbereich
in der privaten Sphäre angesiedelt und
verkörpert im Grunde dezentralisiertes
Arbeiten zum Anfassen. Mit der Zielset-
zung, die Flexibilität von Mitarbeitern in
Bezug auf Arbeitszeit und -ort zu steigern,
ermöglicht diese Arbeitswelt zum einen
das Arbeiten von zu Hause und dadurch
eine verbesserte Integration von Pri-
vat- und Arbeitsleben. Förderlich für die
Integration sind insbesondere die Selbst-
bestimmung der Mitarbeiter sowie klare
Absprachen zu deren Erreichbarkeit, wie
eine Studie der TU Darmstadt zeigt. Zum
anderen wird „Smart Living and Wor-
king“ die Arbeitswelt der Zukunft für die
bereits erwähnten „E-Lancer“ darstellen.
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