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ORGANISATION
_ZUKUNFT DER ARBEITSWELT
personalmagazin 07/16
oder „Do It Yourself (DIY)“-Plattformen
wie „Pinterest“ wider. Erste Ansätze zur
Verankerung von „Verspieltheit“ in Un-
ternehmen finden wir bereits in Verbin-
dungmit der Einführung kreativer „Work
Settings“ (also den Rahmenbedingungen
innerhalb des Unternehmens wie Kultur,
Klima, physischen Arbeitsraum et cete-
ra) in Unternehmen wie Google, Detecon
oder Seibert Media.
Zukunftsfähige Arbeitskonzepte
Zukunftsfähigkeit kann nicht „über
Nacht“ entstehen. Vielmehr sollten Un-
ternehmen systematisch darauf hinar-
beiten, Trends der Arbeitswelt zu verste-
hen und über gezielte Maßnahmen zu
adressieren. Nach unseren Erfahrungen
in der Zusammenarbeit mit Unterneh-
men hat sich ein dreistufiger Prozess be-
währt: erkennen, verstehen, verändern.
Die erste Phase („erkennen“) konzen-
triert sich darauf, zu bewerten, wie gut
das Unternehmen auf die Zukunft der
Arbeitswelt vorbereitet ist. Zukunftsfä-
hige Unternehmen setzen sich intensiv
mit Zukunftsthemen auseinander, ma-
nagen ihr heutiges Geschäft effizient
über Skaleneffekte, experimentieren mit
vielversprechenden Arbeitskonzepten
von morgen und integrieren heutige und
morgige Arbeitskonzepte. Systematisch
bewerten lässt sich die Zukunftsfähig-
keit anhand des „Future Work Navigator“
(siehe Abbildung „Dimensionen der Zu-
kunftsfähigkeit im Future Work Naviga-
tor“ in der Personalmagazin-App). Dieser
wurde inzwischen in acht Ländern von
Mitarbeitern aus mehr als 2.000 Unter-
nehmen unterschiedlicher Branchen
eingesetzt. Die Ergebnisse der „Darm-
städter Zukunftsstudie 2016“ (mehr dazu
lesen Sie im Kasten „Handlungsemp-
fehlungen“), zeigen, dass sich alle vier
Dimensionen nicht nur auf Unterneh-
mensreputation, sondern auch auf Inno-
vativität und wirtschaftlichen Erfolg von
Unternehmen auswirken. Unternehmen,
denen es also gelingt, sich in allen vier
Dimensionen stark zu positionieren, sind
innovativer und erfolgreicher als solche,
die nicht in ihre Zukunftsfähigkeit in-
vestieren. Im internationalen Vergleich
zeigt sich jedoch, dass sich deutsche
Unternehmen lediglich im Mittelfeld
bewegen (siehe Abbildung „Zukunfts-
fähigkeit im internationalen Vergleich“
in der App). Stärken hiesiger Firmen
liegen in der Anpassungsfähigkeit, also
im effizienten Managen des heutigen
Geschäfts. Dagegen experimentieren
deutsche Unternehmen nur zaghaft mit
neuen Arbeitskonzepten. Über die un-
tersuchten Länder hinweg besteht aber
eine zentrale Herausforderung darin,
etablierte, effizienzorientierte Arbeits-
weisen mit neuen Arbeitsphilosophien
zu verbinden.
In der zweiten Phase („verstehen“)
geht es darum, die wichtigsten „Treiber“
von Zukunftsfähigkeit zu verstehen und
zu priorisieren. Aufschluss darüber lie-
fert der „Dynamic Capability Ansatz“
von David Teece und Gary Pisano aus
dem Jahr 1994. Diesen Ansatz haben wir
in unserem Team an der TU Darmstadt
weiterentwickelt und auf neun zentrale
Stellschrauben der Zukunftsfähigkeit
von Unternehmen übertragen (siehe Ab-
bildung „Stellschrauben der Zukunftsfä-
higkeit von Unternehmen im Überblick“
in der App).
Die dritte Phase („verändern“) schließ-
lich soll die Zukunft der Arbeitswelt
„greifbar“ machen. Dabei liegt der Fo-
kus insbesondere auf der physischen
Arbeitsumgebung. Diese kann über
eine Reihe von Faktoren, wie zum Bei-
spiel Arbeitsplatzdesign, Mobiliar und
Kommunikation, ausgedrückt werden.
Inspirationen für die konkrete Gestal-
tung zukünftiger Arbeitswelten für Wis-
sensarbeiter können Unternehmen im
„Future Innovation Lab“ Darmstadt erhal-
ten (mehr dazu erfahren Sie im Kasten
„Über das Future Innovation Lab“ und
in einem Erklärvideo unter
com/145846854). Im „Future Innovation
Lab“ werden drei zukünftige Arbeits-
welten unterschieden (siehe Abbildung
„Arbeitswelten von morgen im Future
Innovation Lab“ in der App).
• Arbeitswelt I fördert agiles und effi-
zientes Arbeiten durch „Activity-based
Working“. Dieser Bereich ermöglicht
Beschäftigten, unterschiedliche Arbeits-
aufgaben in verschiedenen Arbeitsum-
gebungen während eines Arbeitstages
zu erledigen. Für konzentriertes Ar-
beiten oder ungestörtes Telefonieren
werden Rückzugsecken angeboten.
Meetings können am Smart Table oder
im Teambereich stattfinden. Für routine-
mäßiges Arbeiten steht das klassische
Shared-Desk-Setting zur Verfügung.
Somit ist Arbeiten dort nicht auf einen
eingegrenzten Raum limitiert. Vielmehr
können Mitarbeiter den Bereich wählen,
der am besten zu ihren Aufgaben passt.
• Arbeitswelt II steigert Kreativität
durch ein „Work-&-Play Setting“. Dieser
VIDEO
In einem Video der Leap in Time GmbH
in der App beschreibt Professor Stock-
Homburg die im „Future Innovation
Lab“ ausgestellten Arbeitswelten.
BILDERGALERIE
Die drei Arbeitswelten, die im „Future
Innovation Lab“ erprobt werden, kön-
nen Sie sich in einer Bildergalerie in der
Personalmagazin-App ansehen.
ADD-ON
In der Personalmagazin-App finden Sie
Grafiken rund um die im Text beschrie-
benen zukunftsfähigen Arbeitskonzepte.