PERSONALMAGAZIN_07/2016 - page 42

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MANAGEMENT
_DUALE AUSBILDUNG
personalmagazin 07/16
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an
die Anzahl derjenigen, die damit Angst
verbinden.
Bewerber mögen es persönlich
Die Studie untersuchte außerdem spezi-
elle Aspekte des Recruitings, beispiels-
weise: Wie informieren sich angehende
Azubis über mögliche Ausbildungsbe-
triebe? Das Ergebnis lautet - durchaus
überraschend: Der wichtigste Informati-
onskanal ist offline. Der persönliche Rat
von Freunden oder Eltern stellt nach wie
vor die wichtigste Informationsquelle
bei der Suche nach einem Ausbildungs-
platz dar. 47 Prozent nutzen persönliche
Empfehlungen häufig oder sehr häufig
für die Suche nach einem Ausbildungs-
platz (siehe Abbildung). Anzeigen in
Online-Jobbörsen mit Azubi-Fokus dage-
gen stehen lediglich bei 35 Prozent der
Befragten im Fokus. Arbeitgeberbewer-
tungsplattformen wie Kununu nutzen
nur 14 Prozent der Befragten häufig oder
sehr häufig.
Auch in den Auswahlverfahren mö-
gen es angehende Azubis persönlich.
89 Prozent fänden es gut, wenn Ausbil-
dungsbetriebe neben Leistungs- auch
Persönlichkeitsaspekte testen würden.
60 Prozent wären für ein Testverfahren
in der Erstauswahl offen, das die Aus-
wahl durch Schulnoten ersetzt. Auch
bei den Ausbildungsverantwortlichen
herrscht zunehmend Skepsis gegenüber
der Auswahl nach Schulnoten. 48 Prozent
von ihnen machen zum Beispiel regelmä-
ßig die Erfahrung, dass die Schulnoten
schlechter sind als die tatsächliche Leis-
tungsfähigkeit der Bewerber.
Auch bei weiteren Themen birgt die
Studie Überraschungen: „Karriere“
spielt als Argument für die Attraktivität
eines Ausbildungsunternehmens zu-
nächst eine nachgeordnete Rolle. Bei der
Antwort auf die Frage „Welche drei Din-
ge sind Dir für Deine berufliche Karriere
besonders wichtig?“ kristallisieren sich
drei Kriterien heraus: „eine sinnvolle Tä-
tigkeit auszuüben“ (65 Prozent), „Ausge-
wogenheit zwischen Beruf und Freizeit“
(60 Prozent) sowie „immer mehr zu ler-
nen“ (53 Prozent). Unter den wichtigsten
Gründen für die konkrete Wahl des Aus-
bildungsbetriebs liegen die Faktoren
„Nähe zum Wohnort“ (40 Prozent) und
„Jobsicherheit“ (33 Prozent) vorn.
Duale Ausbildung besser verkaufen
Die duale Ausbildung ist vitaler als ihr
Ruf und hat die größten Fans in Gestalt
der Azubis selbst. Die Studie zeigt aber
auch, dass mehr als 40 Prozent von ih-
nen aktuell nicht überzeugt sind, mit
einer dualen Ausbildung ebenso gut für
die berufliche Zukunft gerüstet zu sein
wie mit einem Studium.
Ausbildungsverantwortliche sind des-
halb gefragt, Überzeugungsarbeit für die
duale Ausbildung zu leisten. Sie sollten
auf entsprechende Studien zur Bildungs-
rendite verweisen und aufzeigen, dass
„große Karrieren“ für ehemalige Azubis
möglich sind. Nachschärfen müssen
viele Betriebe beim Thema „Digitalisie-
rung/Industrie 4.0“. Ausbildungsver-
antwortliche müssen hier ins Gespräch
mit denjenigen gehen, die für die strate-
gische Ausrichtung des Unternehmens
verantwortlich sind und Inhalte für ei-
ne zukunftsfeste duale Ausbildung in
ihren Unternehmen ableiten. Betriebe,
die schon jetzt ihre Ausbildung für die
Themen „Industrie 4.0“ oder „Digitalisie-
rung“ fit machen, sollten dies in die Azu-
bi-Kommunikation einfließen lassen.
Mit Geschichten Interesse wecken
Apropos Attraktivität der Ausbildungs-
betriebe: Schon 2014 offenbarte die
Studie „Azubi-Recruiting-Trends“ Azubi-
Bewerber als „Sinnsucher“. Auch die
Ergebnisse der aktuellen Studie weisen
auf die Wichtigkeit der Sinndimension
für die Attraktivität von Ausbildungs-
betrieben hin. Unternehmen sollten
daher in kurzen spannenden Geschich-
ten (so genanntes „Storytelling“) etwas
über den Sinn ihres Unternehmens,
von Ausbildungen sowie Berufsbildern
verraten. Ausbildungsbetriebe setzen
stattdessen nach wie vor stärker auf die
vermeintliche Überzeugungskraft von
Marktposition,Umsatz oder Anzahl der
Mitarbeiter. Meist haben Jugendliche we-
nig Bezug dazu. Spannende Geschichten,
in denen Azubis oder ehemalige Azubis
die Hauptrolle spielen, erreichen dage-
gen Herzen und Köpfe der Bewerber.
Lieber Tests als Schulnoten
Angehende Azubis nutzen bei der Wahl
der Ausbildung persönliche Empfehlun-
gen, zudem spielt bei der Wahl des Aus-
bildungsbetriebs die räumliche Nähe
zum Wohnort eine große Rolle. Aus-
bildungsbetriebe, die stark auf lokales
Empfehlungsmarketing setzen, bedie-
nen beide Präferenzen.
Und last but not least: Viele Ausbil-
dungsbetriebe sehen die Differenzie-
rungsmöglichkeiten durch Noten heute
eher skeptisch und auch an Noten als
Indiz für Leistungsfähigkeit und Bega-
bung wird gezweifelt. Ausbildungsbe-
triebe könnten daher verstärkt über den
Einsatz von Persönlichkeits- und Leis-
tungstests nachdenken.
CHRISTOPH BECK
ist
Professor für Allgemeine
Betriebswirtschaftslehre, ins-
besondere Human Resource
Management an der Hochschule Koblenz.
FELICIA ULLRICH
ist Ge-
schäftsführerin von U-Form
Testsysteme.
Die von U-Form Testsysteme initiierte deutschlandweite Online-Befragung wird jährlich
durchgeführt. Im Jahr 2016 haben insgesamt 4.638 Azubi-Bewerber und Auszubildende
sowie Ausbildungsverantwortliche teilgenommen. Wissenschaftlich begleitet wurde die
Studie von Professor Christoph Beck (Hochschule Koblenz). Weitere Informationen zur
Studie und Bestellmöglichkeit unter:
ÜBER DIE STUDIE
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