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ORGANISATION
_ZUKUNFT DER ARBEITSWELT
personalmagazin 07/16
D
igitalisierung, Flexibilität und
Agilität sind wichtige Phäno-
mene der heutigen Zeit. Ins-
besondere die Digitalisierung
hat lokale und globale Geschäftsaktivi-
täten tief greifend verändert und Märkte
in vielen Branchen nahezu auf den Kopf
gestellt. Infolge moderner Kommunika-
tionstechnologien entgrenzt sich Arbeit
zeitlich und räumlich. Dadurch ver-
schwimmen auch die Grenzen zwischen
Berufs- und Privatleben zunehmend.
In einer derartigen Dynamik bedarf es
mehr als ausgeklügelter HR-Programme,
um leistungs- und potenzialstarke Mit-
arbeiter zu gewinnen und zu binden.
Unternehmen müssen sich deshalb
über Highlights positionieren, die das
tägliche Arbeiten zum Erlebnis und zur
Quelle von Selbstentfaltung werden las-
sen. Dies kann durch die Infrastruktur,
also die „Körpersprache des Unterneh-
mens“, geschaffen werden. Innovative
Start-ups machen es vor: Sie bieten neue,
bedürfnisgerechte Arbeitswelten an, mit
denen der konventionelle Bürokomplex
nicht mithalten kann.
Prognosen: zukünftige Arbeitswelten
Ein wichtiger Trend der Arbeitswelt der
Zukunft ist die Dezentralisierung in
der Leistungserstellung, also unabhän-
Von
Ruth Stock-Homburg
und
Carmen Lukoschek
Dezentral, divers, verspielt
FORSCHUNG.
Im „Future Innovation Lab“ der Leap in Time GmbH werden zukünftige
Arbeitswelten erprobt. Die Wissenschaftler zeigen Zukunftsprognosen und -konzepte.
gig von konkreten Orten, Zeiten, aber
auch Arbeitgebern, zu arbeiten. Daraus
entstehen neue Trends – etwa die Ver-
breitung von Shared Offices. Über das
Home-Office-Konzept hinaus entstehen
künftig vermehrt Co-Working Spaces,
also Nachbarschaftsbüros in Wohnge-
genden, die eine zentrale Anlaufstelle
für Mitarbeiter unterschiedlicher Unter-
nehmen bieten. Unternehmen können
hier ihre Mitarbeiter bedarfsabhängig
„einmieten“, ihnen dadurch unnötig lan-
ge Arbeitswege ersparen und auch eige-
ne infrastrukturelle Kosten einsparen.
Das bedarfsgerechte Einsetzen von
Arbeitskräften bedingt wiederum auch,
dass künftig mehr Berufstätige als Free-
lancer, also Freiberufler, ihr Geld ver-
dienen werden: Bereits im Jahre 2020
werden in den USA mehr als 50 Prozent
der Erwerbstätigen nicht mehr in Unter-
nehmen arbeiten, sondern als Freelancer
vielfältige Arten von Wissensarbeit an-
bieten, wie eine aktuelle Forbes–Studie
zeigt. Die große Mehrheit von ihnen wird
als „E-Lancer“ (also Freelancer, die ihre
Aufträge übers Internet erhalten) über
Plattformen wie zum Beispiel „Freelan-
cer“, „Upwork“, „Fiverr“ oder „Guru“
tätig sein. Dabei sind Freelancer-Kom-
petenzen für Kunden außerordentlich
transparent, denn umfassende Ratings
Arbeitswelt I (links) und III (rechts)
sind zwei der Arbeitswelten im „Fu-
ture Innovation Lab“ Darmstadt.