Controller Magazin 7/8/2018 - page 69

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klassischen Finanzthemen auch mit Geschäfts-
kenntnissen und -modellen auseinanderzuset-
zen, andererseits sich mit Datenmanagement
und -analysemethoden an der Schnittstelle zur
Informationstechnik und Data Science zu be-
fassen. Das Fundament ihrer Arbeit und Grund-
lage der Digitalisierung ist dabei immer eine
konsistente, fehlerfreie Datenbasis. Schäffer
und Weber postulieren daher als eine der aktu-
ellen zentralen Herausforderungen die Über-
nahme des Datenmanagements für Roh- und
Stammdaten durch die Controller selbst, wobei
sich diese Datenhoheit nicht nur auf finanzielle
Daten beschränken soll, sondern auch nichtfi-
nanzielle Daten, wie z. B. Vertriebs- oder Perso-
naldaten umfassen sollte
3
. Die Integration voll-
zieht sich hierbei auf der technischen Ebene der
betrieblichen Anwendungssysteme mit ERP-
Systemen – für die horizontale Integration ent-
lang der Geschäftsprozesse sowie für Data-
warehouse-Systeme und Business Intelligence
(BI)-Anwendungen. Abbildung 1 stellt die verti-
kale Systemintegration von den Belegdaten in
operativen Systemen bis hin zu den Informa-
tions- und Planungssystemen auf (Top-) Ma-
nagementebene dar. Fast noch bedeutender
als die technische ist die inhaltliche, semanti-
sche Integration, in Abbildung 1 Teil der Meta-
daten im BI-Ordnungsrahmen, die u. a. Infor-
mationen über die betriebswirtschaftlichen
Kennzahlen, deren Bedeutung und Verantwort-
lichkeiten umfassen, welche letztlich die grund-
legende Voraussetzung für das postulierte Da-
tenmanagement und die Datenqualität durch
das Controlling bildet.
Auf der Metadatenebene ist von den Control-
lern die Schaffung der unternehmensweiten
inhaltlichen Berichtsstrukturen und -linien ge-
fordert. Nebeneinanderstehende, wenig ver-
bundene und teils redundante Informationen,
z. T. sogar mit unterschiedlicher betriebswirt-
schaftlicher Interpretation je nach Adressat des
Berichtes, z. B. ein interner Umsatz aus der Ma-
nagementergebnisrechnung vs. ein externer
Umsatz aus der Gewinn- und Verlustrechnung,
führen bereits bei finanzorientierter Berichter-
stattung zu einer Berichtsfülle, -ineffizienz und
mangelnder Akzeptanz
4
.
Erhöhter Umsetzungsdruck
Das seit 2011 für die externe Berichterstattung
nun postulierte Integrated Reporting (IR), mit sei-
ner Kombination von finanziellen und nichtfinan-
ziellen Kennzahlen in einem integrierten Daten-
pool, wird sich daher nur dann nachhaltig in der
Unternehmenskommunikation etablieren, wenn
es auch aus interner Perspektive nicht als solch
lästige Nebenberichterstattung, die zu weiterer
Berichtsineffizienz führt, aufgefasst wird
5
. Hat
der IR-Ansatz bislang noch keinen normativen
Charakter, so erhöht sich dessen Umsetzungs-
druck durch das CSR-Richtlinienumsetzungsge-
setz für eine Vielzahl von Kapitalgesellschaften
und Genossenschaften nun deutlich.
Die Verpflichtung der nichtfinanziellen CSR-Be-
richterstattung darf folglich nicht zur raschen
Einführung einer weiteren Berichtslinie führen,
sondern ist in dem in Abbildung 2 dargestellten
Gesamtkonzept der Berichterstattung von fi-
nanziellen und nichtfinanziellen Daten auf Basis
des Wertschaffungsprozesses des International
Integrated Reporting Council (IIRC) zu veran-
kern. Nimmt das Controlling nun, wie das Pro-
duktmanagement für die Daten über den Pro-
duktlebenszyklus, seine Rolle im Datenmana-
gement aktiv an, so muss es die inhaltliche Ver-
antwortung über das Metadatenmanagement
vom Wertschaffungsprozess als Quelle der
Daten, abgebildet in den operativen Systemen,
bis hin zu der Berichterstattung an interne und
externe Stakeholder in BI-Anwendungen als
deren Empfänger übernehmen. Abbildung 2
ordnet dazu die Aufgabe des Metadatenmana-
gements ein, wobei die multidimensionale Sicht
des IIRC auf den Wertschaffungsprozess durch
die unterschiedenen Input- und Outputkapitali-
Abb. 1: Berichterstattung im BI-Ordnungsrahmen nach Kemper et. al. in Anlehnung an (Kemper, Baars, Mehanna 2010, S. 11)
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