CONTROLLER Magazin 6/2017 - page 26

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Gefahr besteht natürlich unabhängig vom an-
gewandten Kostenrechnungskonzept, wird
aber unter dem Aspekt einer Kostenrechnung
für KMU hier besonders beachtet.
Anpassung an individuelle Gegebenheiten
Auf den ersten Blick scheint gerade die Anpas-
sung an die individuellen Gegebenheiten eines
Unternehmens kostensteigernd zu wirken. Bei
der hier beschriebenen Kostenrechnungsan-
wendung entfällt jedoch einiger Aufwand:
·
Keine Erfordernis zur Anpassung der Infor-
mationsbereitstellung an „Standardsoft-
ware“. Das bedeutet konkret, dass die Da-
tenbereitstellung durch Excel und das Re-
chenprogramm in Access so flexibel sind,
dass ohne größere Anpassungen die indivi-
duellen Bedingungen eines Unternehmens
im Hinblick auf die Datenverfügbarkeit be-
rücksichtigt werden können.
·
Keine aufwendige Schnittstellenprogram-
mierung. Die Datenverknüpfungs- und Aus-
tauschmöglichkeiten in Excel und Access
sind bereits Standard für viele Anwendun-
gen, auch außerhalb der Microsoft-Umge-
bung. Deshalb besteht in den meisten Fällen
auch keine Schnittstellenproblematik.
·
Keine neuen Nummernsysteme. Gerade in
KMU kann es passieren, dass die im Unter-
nehmen verwendeten Nummernsysteme
grundsätzlichen Anforderungen an Logik und
Redundanz nicht immer entsprechen. Natür-
lich muss dieser Zustand in einem Unterneh-
men irgendwann korrigiert werden. Bei Ein-
führung der beschriebenen Kostenrechnung
ist dieses Problem jedoch mit Umsetztabel-
len oder mit einer automatischen Nummern-
erweiterung mit vertretbarem Aufwand zu
bewältigen. Eine Kostenrechnung kann dann
nicht an diesem Argument scheitern.
der Plankostenrechnung der Vorzug gegeben.
Der Grund dafür ist, dass zum einen durch die
vollzogene Soll-Kostenrechnung mit den ver-
schiedenen Soll-Ist-Vergleichen bei den Fak-
torverbräuchen und durch den Abgleich mit
der GuV ein quasi Ist-Kostenrechnungsergeb-
nis erreicht wird. Daneben bietet die Plankos-
tenrechnung die Möglichkeit der Durchführung
von Simulationsrechnungen und Planungen.
Beides stellt für die Zielgruppe der Unternehmen
im Vergleich zum Zustand ohne Kostenrechnung
eine enorme Verbesserung der Informations-
basis bei möglichst geringem zusätzlichen Auf-
wand dar.
Verzicht auf überflüssige Detaillierung
Die Kostenrechnung ist beim beschriebenen
Konzept nur so detailliert wie erforderlich. Er-
forderlich in dem Sinne, dass die Informations-
basis für Entscheidung und Steuerung gelie-
fert wird. Neben der Kostenspaltung in variab-
le und fixe Kosten können auch Vertriebskos-
ten kundenbezogen dargestellt werden, sofern
das Unternehmen die Datenbasis dafür bereit-
stellen kann. Chargenbezogene Kosten kön-
nen ebenso berücksichtigt werden wie Um-
stellkosten und spezifische Reinigungs- und
Rüstkosten – aber nur, wenn der Informations-
nutzen nachvollziehbar ist. Um diese Informa-
tionen sicherzustellen, müssen keine mehr-
fach gegliederten Prozesse erhoben, abgebil-
det und regelmäßig aktualisiert werden.
Neben der fehlenden Aussagekraft ist im Be-
triebsalltag meist auch die Zeit zur Aktualisie-
rung der Datenbasis nicht vorhanden bzw.
kann die Zeit dafür an anderer Stelle sinnvoller
eingesetzt werden. Leider gibt es Beispiele,
bei denen in der Kostenrechnung ein Detaillie-
rungsaufwand betrieben wird, der unter Be-
rücksichtigung eines abnehmenden Grenznut-
zens längst nicht mehr wirtschaftlich ist. Diese
wird dabei aus verschiedenen Gründen, v. a.
wegen der zusätzlichen Kosten oder wegen
des zusätzlichen Personalaufwandes für den
laufenden Betrieb der Kostenrechnung nicht
immer mitgenutzt. Weitere Gründe der Nicht-
Nutzung können der Schwerpunkt auf die
Ist-Kostenrechnung bzw. die fehlende Mög-
lichkeit einer Plankostenrechnung sowie die
schwierige Abbildung der Gegebenheiten der
Prozessfertigung sein. Auch bei einem vor-
handenen ERP-System ist die Einführung
und der Betrieb einer Kostenrechnung auf
der Basis von Access möglich, wahrschein-
lich kostengünstiger als durch das Kosten-
rechnungsmodul im ERP-System. Access
wird jedoch trotz Tabellenverknüpfungen
nicht als integrierter Bestandteil des ERP-
Systems bezeichnet werden können, was als
dauerhafte Lösung nicht akzeptiert werden
wird. Die Access-Anwendung könnte aller-
dings für ein Unternehmen als Türöffner für
die im ERP-System integrierte Kostenrech-
nung dienen. In diesem Zusammenhang
könnten aus den Erfahrungen und Informa-
tionen aus Einführung und Betrieb einer
Access-Kostenrechnung die Anforderungen
und die Ausgestaltung des ERP-Kostenrech-
nungsmoduls für die Belange des Unterneh-
mens exakt definiert werden.
Konzeptionelle Maßnahmen
Folgende konzeptionellen Maßnahmen führen
in Ergänzung zu den softwarebezogenen Maß-
nahmen zu einer hohen Funktionalität der Kos-
tenrechnung bei möglichst geringem zeitlichen
Aufwand und Kosten:
Verzicht auf Abrechnungskategorien
Wie oben beschrieben wird im Konzept eine
Soll-Kostenrechnung zu Ist-Preisen erstellt.
Eine in der Regel zeitaufwendige Ist-Kosten-
rechnung entfällt. Hier könnte die Grundsatz-
diskussion geführt werden, ob eine Ist- oder
Plankostenrechnung für ein Unternehmen die
bessere Informationsbasis ist. Häufig betrei-
ben Unternehmen mit eingeführter Kosten-
rechnung beide Systeme, was jedoch für die
genannte Zielgruppe der KMU nicht zielfüh-
rend ist. Im vorliegenden Konzept wird deshalb
Autor
Prof. Dr. Stefan Bayr
ist Professor an der FOM für Allgemeine Betriebswirtschafts-
lehre, insbesondere Controlling und Rechnungswesen. Er ist
Inhaber der Dr. Bayr Consulting in Dasing und berät Unterneh-
men der Ernährungsindustrie in den Themenbereichen Con-
trolling und Risikomanagement sowie bei der strategischen
und operativen Unternehmensplanung.
E-Mail:
Zielgruppengerechte Kostenrechnung
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