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02/17 personalmagazin
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an
den. In einer qualitativen Studie mit 53
Teilnehmern konnten wir feststellen, dass
Menschen sich bei ihrem Umgang mit
Robotern insbesondere an ihren Erfah-
rungen mit anderen Technologien (zum
Beispiel Selbstbedienungsautomaten)
oder mit Menschen orientieren. Analog
dazu beobachten wir, dass Menschen
einem humanoiden Roboter eher maschi-
nelle oder menschenähnliche Eigenschaf-
ten beziehungsweise Verhaltensweisen
zusprechen. Technikerfahrene Menschen
schreiben Robotern primär maschinelle,
funktionale Eigenschaften zu.
Dagegen zeigt sich, dass weniger
technikerfahrene Menschen sich oft auf
Darstellungen in öffentlichen Medien
beziehungsweise der Filmindustrie be-
ziehen. Sie sprechen humanoiden Ro-
botern tendenziell menschenähnliche
Eigenschaften zu. Vergleichbar mit Fans,
die ihre Superstars auf der Basis weni-
ger, öffentlich verfügbarer Informationen
verehren, werden in diesem Falle die Ei-
genschaften humanoider Roboter überbe-
wertet (Celebrities Phenomenon).
Stellt man die beiden kontrovers dis-
kutierten Bereiche der Technikfolgen
und der Verhaltensannahmen dem Ein-
satz humanoider Roboter gegenüber, so
gelangt man zu vier Szenarien, inwie-
weit humanoide Roboter unsere Arbeits-
welt von morgen verändern könnten.
Technoversity-Szenario:
Wenn Roboter Gefühle erkennen
Im Technoversity-Szenario werden Ro-
botern zumindest teilweise menschen-
ähnliche Eigenschaften und ein zukünf-
tig positiver Einfluss auf die Arbeitswelt
zugesprochen. Bereits heute werden
soziale Roboter in therapeutischen Be-
reichen, wie der Betreuung autistischer
Kinder, als Orientierungsunterstützung
für hilfsbedürftige Menschen oder als
Lehrkräfte eingesetzt. Sie sind in der
Lage, menschliche Emotionen auszudrü-
cken, die wiederum von den Menschen
eindeutig als solche erkannt werden
können. Darüber hinaus haben diese
sozialen Roboter wie beispielsweise das
Das Leap in Time Lab in
Darmstadt arbeitet bereits
mit zwei Robotern des
Modells Pepper, dem
fortschrittlichsten huma-
noiden Roboter auf dem
deutschen Markt.
Terminabsprachen sowie Boten- oder
Recherchedienste genannt. Interessan-
terweise würden 21 Prozent der Befrag-
ten einem Roboter mehr vertrauen als
einem menschlichen Kollegen. Gründe
dafür wurden in geringerer Fehlerhäu-
figkeit, höherer Berechenbarkeit und hö-
herer Kontinuität im Verhalten gesehen.
Auf Augenhöhe als Kollegen würde
nur jeder Dritte einen Roboter akzep-
tieren. Man konnte sich vorstellen, dass
Roboter an Meetings teilnehmen und
Informationen beitragen. Beispielsweise
sollen mit der auf Watson aufbauenden
IBM-Technologie Celia, die auf der Basis
großzahliger Daten agiert, Mensch und
Maschine gemeinsam weitreichende
Entscheidungen treffen.
Als Führungskraft sind Roboter nur
fast ein Tabu: Zumindest 15 Prozent
der amerikanischen und acht Prozent
der deutschen Befragten würden einen
humanoiden Roboter-Chef akzeptieren.
Defizite wurden in der Sozialkompetenz
sowie im Mangel an Einfühlsamkeit für
persönliche Probleme gesehen. Eine Ma-
schine könne auch nicht Vorbild sein, ga-
ben Befragte an. Diejenigen Befragten,
die sich einen Roboter als Chef durchaus
vorstellen könnten, nannten als Gründe
die geringere Fehlerhäufigkeit und Sub-
jektivität. Obere Führungskräfte zeigen
sich verschlossener als diejenigen im
mittleren oder unteren Management.
Was Robotern zugetraut wird – und
was akzeptiert werden würde
Über den Sinn und den Unsinn des
Einsatzes von Robotern wird in Wis-
senschaft, Gesellschaft und Politik sehr
kontrovers diskutiert. Zum einen ist die
Einschätzung der Technikfolgen in Ver-
bindung mit Robotern unterschiedlich –
bringt der Einsatz von Robotern in der
Arbeitswelt eher Verbesserungen mit
sich oder bedroht er uns eher?
Zum zweiten bestehen Kontroversen
dahingehend, welche Verhaltensannah-
men bei einem Roboter zugrunde gelegt
beziehungsweise welche Eigenschaften
Robotern zukünftig zugesprochen wer-
VIDEO
Wie „Pepper“ sich in der Zusammenar-
beit als Teamkollege verhält, zeigt das
Video in unserer App.
© HUMANIZING-TECHNOLOGIES.COM
Mehr als 60 Prozent der Befragten
konnten sich vorstellen, durch ei-
nen Roboter-Assistenten unterstützt
zu werden. Allerdings sollte dieser
eher repetitive, unliebsame Aufga-
ben wahrnehmen. Als beispielhafte
Tätigkeitsbereiche wurden Abla-
ge- und Dokumentationstätigkeiten,
1...,37,38,39,40,41,42,43,44,45,46 48,49,50,51,52,53,54,55,56,57,...84
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