personalmagazin 10/2016 - page 35

35
10/16 personalmagazin
Mitarbeiter, die ihr MBA-Studium ver-
schweigen, machen es sich aber auch
selbst schwer. Denn ein berufsbegleiten-
des MBA-Studium ist stets eine enorme
Belastung. Schließlich läuft der Job nor-
mal weiter und daneben müssen rund
20 Stunden in der Woche ins Studium
investiert werden. Dazu gehören neben
dem Literaturstudium die Bearbeitung
von Arbeitsaufgaben sowie oftmals Pro-
jektarbeiten im virtuellen Team. Wer da-
her seinen Chef nicht informiert, setzt
sich selbst unter Druck. Was tun, wenn
gerade eine Hausaufgabe im Studium ab-
geschlossen werden muss und der Chef
darauf dringt, ein Projekt schnell abzu-
schließen oder ins Ausland zu reisen?
„Ich würde es definitiv nicht raten,
das MBA-Studium zu verschweigen“,
sagt WHU-Professor Weigand. „Sonst ist
das Verhältnis automatisch gestört.“ Bei
der WHU unterscheidet man zwischen
dem Part-time MBA und dem Executive
MBA. Während es beim Part-time MBA
nicht unbedingt notwendig ist, dass der
Arbeitgeber Bescheid weiß und sich das
Studium mit dem Unterricht am Samstag
und Sonntag auch gut mit dem Job ver-
einbaren lässt, fordert die Schule beim
Executive MBA eine Erklärung des Unter-
nehmens, dass es den Teilnehmer für die
Präsenzzeiten freistellt. Denn hier findet
der Unterricht in Modulen von Donners-
tag bis Dienstag und damit an vier Ar-
beitstagen statt. Dabei müsse man sich
natürlich fragen, ob man das wirklich re-
glementieren müsse oder die Teilnehmer
nicht mündig genug sind, das selbst zu
regeln, erklärt Professor Weigand.
Nur jeder Fünfte finanziell unterstützt
Ein Grund dafür, dass viele Mitarbeiter
ihr MBA-Studium auf eigene Faust ma-
chen, liegt auch in der deutlich gesunke-
nen Bereitschaft der Unternehmen, ihre
Mitarbeiter finanziell dabei zu unter-
stützen. An der WHU werden in der lau-
fenden Executive-MBA-Klasse nur noch
20 Prozent finanziell unterstützt. 2002
waren es noch 80 Prozent. An anderen
Schulen ist es ähnlich. Damit sparen
die Unternehmen zwar Geld, verringern
aber auch ihren Einfluss auf die Mitar-
beiter. Wer seinen Mitarbeiter finanziell
unterstützt, kann sich mit einer Binde-
BÄRBEL SCHWERTFEGER
ist freie Journa-
listin in München und betreibt das Portal
klausel absichern, bei der die übernom-
menen Studiengebühren zurückbezahlt
werden müssen, wenn der Mitarbeiter
innerhalb einer bestimmten Frist das
Unternehmen verlässt. Bei manchem
Mitarbeiter erhöht das die Loyalität ge-
genüber dem Arbeitgeber, für andere ist
es zumindest eine psychologische Bar-
riere für eine baldige Kündigung. Wer
seine Weiterbildung jedoch selbst finan-
ziert und den Arbeitgeber auch nicht
darüber informiert, der fühlt sich auch
nicht an das Unternehmen gebunden.
„Einen Executive MBA
zu absolvieren, ohne
den Arbeitgeber dar-
über zu informieren,
halte ich für eine Illusion.“
Professor Stefan Schmid, akademischer Leiter EMBA, ESCP Berlin
1...,25,26,27,28,29,30,31,32,33,34 36,37,38,39,40,41,42,43,44,45,...84
Powered by FlippingBook