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12/15 personalmagazin
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an
nehmen aber noch nicht: Auf der einen
Seite wünschen sich knapp 86 Prozent
der befragten Studierenden einen Job
mit direktem Bezug zur Studienwahl.
Tatsächlich arbeiten jedoch lediglich 29
Prozent in einem Kontext, der inhaltli-
che Nähe zur eigenen Fächerwahl auf-
weist und damit auch berufsperspekti-
visch von Relevanz ist. Entsprechend
geben 66 Prozent der fachfremd Tätigen
an, mit dem mangelnden Bezug des Jobs
zum Studium unzufrieden zu sein.
Noch wichtiger aus Unternehmens-
sicht ist der Aspekt der frühzeitigen
Nachwuchskräfte-Bindung: Wer im Stu-
dium fachnah jobbt, will dem Arbeitge-
ber nach Abschluss in 61 Prozent der
Fälle treu bleiben. Wer fachfremd arbei-
tet, tut dies nur zu 31 Prozent. Doch die-
ser Bindungsaspekt ist in den meisten
Unternehmen noch nicht angekommen.
Das zeigt sich auch in der Tatsache, dass
nur 25 Prozent der fachnah arbeitenden
Studenten vom Vorgesetzten innerhalb
eines Perspektivgespräches darauf an-
gesprochen werden.
Perspektive für den Berufseinstieg
Die Rolle eines studentischen Neben-
jobs mit direktem Bezug zur Studien-
wahl ist unter diesem Aspekt dringend
aufzuwerten. Während des Studiums
bedeutet dies konkret den Aufbau von
studienbegleitender Joberfahrung bis
hin zur Spezialisierung. Nach dem Stu-
dium steht die vertragliche Bindung be-
währter Studenten mit der Perspektive
von Fach- und Führungskräften ganz
oben. Diese Aufgaben können nur dann
erfolgreich realisiert werden, wenn zu-
künftig von Unternehmensseite das HR-
Element der Studentenjobs strategisch
stärker gewichtet wird und entspre-
chende Positionen ausgeschrieben und
besetzt werden.
BENJAMIN ROOS
ist Grün-
der und Geschäftsführer von
Studitemps.
Die Studie „Fachkraft 2020“ unterscheidet und definiert sieben Arten von studenti-
schen Migrationstypen:
Typ eins: Heimatverbundenheit. Heimatverbundene zeichnen sich dadurch aus, dass
sie die drei maßgeblichen Schritte auf dem Weg in den Beruf – Schule, Studium, Job-
einstieg – in ein und demselben Bundesland vollziehen. Die Studie wies diesen Typus
am häufigsten in Bayern nach: Dort gaben 62 Prozent der Befragten an, alle genannten
Schritte im heimatlichen Bundesland zu absolvieren. Es folgen Nordrhein-Westfalen
(55 Prozent) und Berlin (47 Prozent). In Brandenburg kommt der Heimatverbundene
am seltensten vor (acht Prozent). Insgesamt gehören 43 Prozent der Studierenden in
Deutschland diesem Typus an.
Typ zwei: Fortzug nach der Schule. Dieser Typus ist dadurch charakterisiert, dass er das
heimatliche Bundesland bereits nach der Schule verlässt und eine beruflich bedingte
Rückkehr im Anschluss an das Studium nicht anstrebt. Analog zum „Heimatverbunden”
liegt bei diesem Typus Brandenburg an der Spitze: 36 Prozent gaben an, dem Bundesland
bereits nach dem Erwerb der Hochschulzulassung dauerhaft den Rücken gekehrt zu ha-
ben. Es folgen Sachsen-Anhalt (25 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern sowie Bremen
(jeweils 22 Prozent). Die geringste studentische Abwanderung nach dem Abitur verbucht
Bayern (zwei Prozent). Bundesweit zählt jeder zehnte Studierende zu diesem Typus.
Typ drei: Fortzug nach dem Studium – bundesweit. Nach Schul- und Studienabschluss
im heimatlichen Bundesland erfolgt für den Berufseinstieg die innerdeutsche Abwande-
rung. Dieser Typus kommt am häufigsten in Sachsen-Anhalt vor (24 Prozent). Es folgen
das Saarland (21 Prozent) und Rheinland-Pfalz (17 Prozent). Am seltensten betroffen
von innerdeutscher Absolventen-Abwanderung sind Hamburg und Bayern (jeweils fünf
Prozent). Bundesweit betrachtet gehören elf Prozent der Befragten diesem Typus an.
Typ vier: Fortzug nach dem Studium – international. Hochschulzulassung und Studium
finden in ein und demselben Bundesland statt, anschließend erfolgt die beruflich beding-
te Abwanderung ins Ausland. Bundesweit identifizieren sich zwölf Prozent der Befragten
mit dieser Vorgehensweise. Auf Länderebene liegt in dieser Frage Nordrhein-Westfalen
mit einem Anteil von 15 Prozent vorn. Knapp dahinter folgen Bayern und Baden-Würt-
temberg (jeweils 14 Prozent). Den geringsten Anteil stellt Sachsen-Anhalt (drei Prozent).
Typ fünf: Heimkehr nach dem Studium. Elf Prozent der Studierenden verlassen das
heimatliche Bundesland lediglich zu Studienzwecken, um für den Beruf wieder zurück-
zukehren. Besonders häufig kommt diese Form der bildungsbedingten und temporären
Abwanderung in den Stadtstaaten Hamburg (23 Prozent), Berlin (21 Prozent) und Bre-
men (16 Prozent) vor. Am anderen Ende der Skala liegen Studierende aus Mecklenburg-
Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein (jeweils sechs Prozent).
Typ sechs: Etappenwanderung – bundesweit. Dieser Typus vollzieht sämtliche Etappen
auf dem Weg in den Beruf in unterschiedlichen Bundesländern. Insgesamt sieben
Prozent der Befragten gehen so vor. Den Spitzenwert der Bundesländer markiert das
Saarland (22 Prozent). Es folgen Schleswig-Holstein (20 Prozent) und Mecklenburg-
Vorpommern (18 Prozent). In Bayern identifizieren sich mit diesem Typus lediglich zwei
Prozent der Studierenden.
Typ sieben: Etappenwanderung – international. Hier finden sämtliche bildungsbiogra-
fischen Schritte in unterschiedlichen Bundesländern statt, der berufliche Einstieg erfolgt
im Ausland. Bundesweit an der Spitze liegen Hamburg und Schleswig-Holstein (jeweils
14 Prozent). Es folgen Thüringen und Niedersachsen (jeweils elf Prozent). In Bremen
und Nordrhein-Westfalen ist dieser Typus am seltensten anzutreffen (jeweils fünf Pro-
zent). Bundesweit liegt der Durchschnitt bei sieben Prozent.
Sieben studentische Migrationstypen
PLANUNGSHILFE
1...,53,54,55,56,57,58,59,60,61,62 64,65,66,67,68,69,70,71,72,73,...84
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