Wirtschaft und Weiterbildung 4/2019 - page 30

personal- und organisationsentwicklung
30
wirtschaft + weiterbildung
04_2019
phone statt mit Bargeld einen Muster­
wechsel dar; ebenso das Fernablesen von
Stromzählerdaten.
3.
Trend versus Paradigmenwechsel
Die Basis für „echte Innovationen“ sind
keine kurzlebigen Moden und Trends,
sondern oft Technologieschübe, die so
fundamental sind, dass sich die Paradig­
men des wirtschaftlichen (und gesell­
schaftlichen) Lebens radikal verändern.
Ein solcher Paradigmenwechsel war der
Siegeszug der Informationstechnologie.
Er ermöglichte Folgetechnologien wie den
PC, den Mobilfunk, das Internet und die
Social Media, die das wirtschaftliche und
gesellschaftliche Leben revolutionieren
beziehungsweise bereits revolutioniert
haben.
Die Antwort auf die Frage, was Innova­
tionen lähmen könne, lautet: Die Angst
und nochmals die Angst lähmt die in­
novativen Kräfte. Dabei gilt es zwischen
psychologischen, organisationalen und
kulturellen Barrieren zu unterscheiden:
1.
psychologische Barrieren
a. Angst zu versagen
Wer Neues wagt und scheitert, wird in
unserer Gesellschaft schnell als „Versa­
ger“ gebrandmarkt. Das hält viele davon
ab, neue Wege zu beschreiten.
b. Angst vor Kontroll-/Effizienzverlust
Innovationsprozesse lassen sich (von
oben) nicht so leicht steuern wie eta­
blierte Geschäftsprozesse. Sie sind stets
mit Unwägbarkeiten verknüpft. Außer­
dem sinkt zwischenzeitlich oft der Out­
put. Das veranlasst viele Personen und
Organisationen, lieber das Bestehende zu
optimieren, weil sie diese Prozesse unter
Kontrolle haben.
c. Angst vor Macht- und Kompetenz-
verlust
Innovation bedeutet Neuland betreten.
Das heißt: Denk- und Verhaltensmuster
müssen hinterfragt und teilweise über
Bord geworfen werden. Das bedeutet
auch: Denk- und Verhaltensroutinen,
die Sicherheit vermitteln, werden obso­
let. Und das Erfahrungswissen der „alten
Hasen“? Es verliert an Wert.
2.
organisationale Barrieren
Organisationale Hindernisse sind Mate­
rialisierungen der genannten psychologi­
schen Barrieren. Sie dokumentieren sich
in Unternehmen zum Beispiel in komple­
xen Genehmigungsverfahren (Angst vor
Kontrollverlust) und in rigiden Plan- und
Nicht selten beschränkt sich die soge­
nannte „Innovation“ in deutschen Unter­
nehmen auf ein Optimieren des Bestehen­
den – auch weil vielen nicht bewusst ist,
was Innovation überhaupt bedeutet. Man
sollte sich unbedingt folgende Aspekte
einer Innovation klarmachen:
1.
Kreativität versus Innovation
Kreativität bezeichnet die geistige Fähig­
keit, neue Ideen und Designs zu entwer­
fen; Innovation hingegen einen Schaf­
fensprozess, bei dem aus neuen Ideen
brauchbare Lösungen werden. Kreativität
kann zielorientiert sein, Innovation ist es
stets. Sie zielt darauf ab, definierte Ziele
zu erreichen, und hieran wird auch die
Qualität der Ideen und Problemlösungen
gemessen. Dieses Denken hatten (fast)
alle großen Erfinder. So lautete zum Bei­
spiel eine Maxime von Thomas Edison,
der unter anderem die Glühbirne erfand:
„Was sich nicht verkaufen lässt, das will
ich nicht erfinden.“
2.
Verbesserung versus Quantensprung
Im Betriebsalltag wird oft jede Verbes­
serung im Rahmen des Bestehenden als
Innovation bezeichnet. Bei „echten“ In­
novationen werden Aufgaben oder Pro­
bleme jedoch ganz anders als bisher
gelöst. Es wird ein sogenannter Muster­
wechsel vollzogen, der statt einer partiel­
len Verbesserung wieder einen Quanten­
sprung ermöglicht.
Ein solcher Musterwechsel war beim
Skispringen der Wechsel vom Parallelstil
zum V-Stil ab 1986. Er ermöglichte es den
Skispringern, viel größere Weiten zu er­
zielen. Im wirtschaftlichen Kontext stellt
zum Beispiel das Bezahlen per Smart­
Innovationsgeschwindigkeit
spürbar erhöhen
PRAXIS.
Wie können wir unsere Innovationsgeschwindigkeit erhöhen? Diese Frage ist in
den Unternehmen derzeit aktueller denn je. Doch vielen fällt es schwer, eine passende
Antwort zu finden – auch weil ihnen unklar ist, was Innovationen fördert und was sie im
entscheidenden Moment bremst.
Dr. Georg Kraus
ist geschäftsfüh­
render Gesell­
schafter der Unter­
nehmensberatung
Dr. Kraus & Partner in Bruchsal bei
Karlsruhe. Er ist unter anderem auch
Lehrbeauftragter an der Universität
Karlsruhe, der IAE in Aix-en-Provence,
der St. Galler Business School in St.
Gallen und der technischen Universi­
tät Clausthal.
Dr. Kraus & Partner
Werner-von-Siemens-Str. 2-6
76646 Bruchsal
Tel. 07251 989034
AUTOR
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