wirtschaft und weiterbildung 4/2016 - page 34

personal- und organisationsentwicklung
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wirtschaft + weiterbildung
04_2016
1.
Lassen Sie bloß niemals die
anderen ran, sondern machen Sie
alles selbst!
Warum sollten Sie Ihre Zeit damit vertun,
anderen zu erklären, was Sie von ihnen
wollen? In dieser Zeit haben Sie längst
alles selbst erledigt. Außerdem können
Sie es dann genau so machen, wie Sie
es sich vorgestellt haben. Weitere Vor-
teile sind: Sie müssen nicht Danke sagen.
Sie müssen nicht fremden Ideen folgen,
sondern können Ihr eigenes Ding durch-
ziehen. Sie können alle Lorbeeren selbst
einheimsen. Sie beweisen sich und den
anderen, was für ein toller Hecht Sie sind.
Und Sie sind und bleiben wichtig und un-
abkömmlich! O.k., Sie schaffen auf diese
Weise in acht Stunden nicht unbedingt
alles, was nötig ist. Aber dann können
Sie länger arbeiten. Das ist ja der Witz
an der Sache! Endlich können Sie ordent-
lich und begründet Überstunden machen
und unter der Belastung kräftig stöhnen,
vielleicht sogar zusammenbrechen. Und
genau das wird natürlich eintreten, wenn
Sie alles selbst machen. Sie können gar
nicht alles schaffen und müssen Fehler
machen. Je komplexer die Welt wird,
umso mehr steigt die Fehlerquote. Das ist
statistisch nachgewiesen. Sie nutzen also
für Ihr Ziel des Scheiterns eine Gesetzmä-
ßigkeit: Wer alles selbst macht, scheitert
in komplexen Situationen. Gleichzeitig
verhindert diese Strategie, dass Sie zu
früh von Ihrem Posten entfernt werden,
denn schließlich wird niemand gefeuert,
der sich so anstrengt wie Sie. Prima!
2.
Halten Sie sich niemals an Regeln,
regieren Sie nach Gutsherrenart!
Regeln sind eigentlich nur für die anderen
da. Sie selbst müssen sich an gar nichts
halten. Mehr noch, Sie sollten bestehende
Regeln auch für andere außer Kraft set-
zen. Mit solchen Ausnahmen, die Sie
nach Lust und Laune anordnen, können
Sie Freunde belohnen und unliebsame
Zeitgenossen ärgern. Das hat, besonders
wenn Sie Führungskraft sind, riesige Vor-
teile: Sie werden unberechenbar und ver-
unsichern Ihr Umfeld. Sie werden mäch-
tig und bringen andere in Abhängigkeit.
Sie sorgen dadurch dafür, dass niemand
mehr von allein handelt, weil keiner
weiß, ob die ursprünglichen Regeln und
Absprachen noch Bestand haben. Und
keiner weiß, ob Ihnen seine Handlungen
recht sein werden. Jeder wird stattdessen
lieber rückfragen oder – besser noch – ab-
warten, bevor er etwas selbstständig tut.
Wirklich gute Leute werden sich einen
solchen Stil nicht lange bieten lassen
Eigentlich wollte ich das Geheimnis für
mich behalten. Nach akribischen Studien
war ich dahintergekommen, auf welche
Weise man als Führungskraft scheitern,
seine Chance auf ein Burn-out steigern
und außerdem noch sein Unternehmen
nachhaltig schädigen kann. Das Ganze ist
so einfach und funktioniert so todsicher,
dass ich mich sehr gewundert habe,
trotzdem immer noch eine ganze Menge
erfolgreicher Leute zu sehen, und zwar
ohne dass sie an Erschöpfung zugrunde
gehen.
Weil ich finde, dass sich das ändern muss
und mehr Menschen eine faire Chance
zum Scheitern bekommen sollten, gebe
ich mein Geheimwissen hier komprimiert
in fünf Punkten preis. Bereits wenn man
drei dieser Punkte beherzigt, scheitert
man mit ziemlicher Sicherheit. Erfüllt
man sie alle, ist der Burn-out nur eine
Frage der Zeit und – je nach Position – ge-
fährdet man noch die eigene Firma.
Anleitung zum Burn-out
SATIRE.
Wie Führungskräfte garantiert zum Burn-out kommen und nicht nur sich,
sondern auch ihr Unternehmen nachhaltig schädigen können, beschreibt der
Hannoveraner Trainer und Berater Dr. Stefan Fourier (in Anlehnung an die berühmte
„Anleitung zum Unglücklichsein“ von Paul Watzlawick). Also: Scheitern ist möglich!
Man muss nur konsequent dieser Anleitung folgen.
Dr. Stefan Fourier
ist Unternehmer,
Autor, Business
Consultant und
Mentor. Er entwi-
ckelte Modelle zum Umgang mit Kom-
plexität, die Organisationen und Men-
schen erfolgreich und das (Arbeits-)
Leben entspannter machen.
Humanagement GmbH
Hindenburgstraße 28/29
30175 Hannover
Tel. 0511 279144-0
AUTOR
Buchtipp.
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