PERSONALMAGAZIN_07/2016 - page 74

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RECHT
_MITBESTIMMUNG
personalmagazin 07/16
Pixum-Mitarbeiter bei der Arbeit.
Sollte es einmal nicht so harmo-
nisch laufen, können sie sich an
den „Kulturrat“ wenden.
© PIXUM
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an
F
assungslosigkeit und Irritation
stehen den Kollegen ins Gesicht
geschrieben, als der gemeinsa-
me Vorgesetzte mit hochrotem
Kopf einen Kollegen vor den Augen al-
ler Beteiligten herunterputzt. Ein Kon-
flikt wie dieser muss möglichst schnell
bereinigt werden, soll das Klima in der
Abteilung nicht darunter leiden. Spätes-
tens, wenn sich im Kollegenkreis Lager
formieren, die mit einem der Konflikt-
partner sympathisieren, droht Unruhe.
Alternative Formen der
Mitbestimmung
In vielen Betrieben wäre nun der Gang
zum Betriebsrat Programm. Doch auch
wenn betriebliche Mitbestimmung hier-
zulande ab einer Unternehmensgröße
Von
Ursula Vranken
und
Daniel Attallah
von mindestens fünf wahlberechtigten
Arbeitnehmern mit eben diesem Gre-
mium gleichgesetzt wird, existieren
nur in gut elf Prozent der Unterneh-
men aus Industrie und deren Verbund-
branchen Betriebsräte. Das ergab eine
Untersuchung des Kölner Instituts der
deutschen Wirtschaft (IW). Ein nicht
vorhandener Betriebsrat ist aber nicht
zwingend mit einer mitbestimmungs-
freien Zone gleichzusetzen. Faktisch
finden sich in doppelt so vielen Unter-
nehmen alternative Formen der Mitar-
beiterpartizipation.
„Hüter der Unternehmenskultur“
Pixum ist eines von ihnen. Bei dem im
Jahr 2000 gegründeten Kölner Online-
Fotoservice verabredeten Geschäfts-
führung und Mitarbeiter die Gründung
eines „Kulturrats“. Seit 2011 fungieren
„Kulturrat“ statt Betriebsrat
PRAXIS.
Es muss nicht immer ein Betriebsrat sein. Eine alternative Form der Mitar-
beitervertretung ist der „Kulturrat“, den der Online-Fotoservice Pixum einführte.
sechs von der Belegschaft gewählte Mit-
glieder aus den Bereichen Marketing,
IT und Kundenservice als Mitarbeiter-
Interessenvertretung und – gemeinsam
mit der Geschäftsführung – als „Hüter
der Unternehmenskultur“. Die Mission:
Offene Themen und Anliegen konsens-
orientiert mit allen Beteiligten zu lösen
und so eine mitarbeiterorientierte Wer-
teordnung zu fördern.
Begleitet wurde der Prozess zur Etablie-
rung dieser neuen Form der Mitarbeiter-
Partizipation durch die Geschäftsführerin
des Kölner Instituts für Personalentwick-
lung und Arbeitsorganisation (IPA), Ur-
sula Vranken. In Workshops, Coachings
und Schulungseinheiten erarbeitete sie
mit den Mitgliedern des Kulturrats das
für die künftige Arbeit notwendige Selbst-
und Leitbild. Letzteres wurde analog zu
den Führungsleitlinien des Unterneh-
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