personalmagazin bAVspezial 4/2015 - page 14

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SPEZIAL BAV
_TARIFRENTE
spezial bAV 04/15
bAVspezial 11/14). Das wichtigste Ergeb-
nis: Viele Arbeitgeber bieten eine bAV
gar nicht erst an, obwohl sie gesetzlich
dazu verpflichtet sind, weil sie sich vor
Haftungsrisiken fürchten.
Das soll sich bald ändern. Nahles
will als Alternative zur bAV eine so-
genannte Tarifrente einführen, die
für Arbeitgeber haftungsfrei sein soll.
Erste Überlegungen lancierte das Bun-
desministerium für Arbeit und Soziales
(BMAS) im Oktober letzten Jahres. Kern
des Konzepts: Arbeitgeberverbände
und Gewerkschaften gründen für die
Schöne neue Welt
AUSBLICK.
Arbeitsministerin Andrea Nahles will ein Parallelsystem zur bAV errichten.
Experten kritisieren das. Doch jetzt prescht Nahles mit einem Gesetzentwurf vor.
Branche einen Versorgungsträger, die
„gemeinsame Einrichtung“. Dazu ver-
pflichten sich die Parteien im jeweiligen
Tarifvertrag. Die Versorgungseinrich-
tung firmiert dann entweder als Pen-
sionskasse oder –fonds und bietet den
Beschäftigten eine Beitragszusage mit
Mindestleistung.
Das neue Konzept soll den Firmen die
Angst vor der Haftung nehmen
Die Erwartungen an das neue Konzept
sind groß. Erstens: Es soll den Arbeitge-
bern die Angst vor der Haftung nehmen
und so dafür sorgen, dass künftig jedes
Unternehmen eine Betriebsrente anbie-
tet. Zweitens: Dank schlanker Verwal-
tung und Verzicht auf Beratung soll die
Tarifrente kostenneutral arbeiten – so-
weit die Theorie. Drittens: Die Tarifrente
soll die Entgeltumwandlung für den Ar-
beitgeber vereinfachen, weil er sich in ei-
nem Einheitssystem nicht zwischen fünf
Durchführungswegen und einer Viel-
zahl von Anbietern entscheiden muss.
Trotz der klangvollen Versprechungen
sind weder Arbeitgeber noch Gewerk-
schaften von dem Konzept begeistert.
Im Gegenteil: Es hagelt Kritik. Erstens:
Die Haftungsfreiheit der Arbeitgeber
würde mit den Beiträgen der Arbeitneh-
mer erkauft. Das belaste die Beschäf-
tigten unverhältnismäßig und mindere
Von
Sandra Spiecker
R
und 60 Prozent aller An-
gestellten und Arbeiter in
Deutschland besitzen eine
betriebliche Altersversorgung
(bAV). In kleinen und mittelständischen
Unternehmen sind es sogar nur rund 30
Prozent. Das ist zu wenig, findet Andrea
Nahles. Die Bundesministerin für Arbeit
und Soziales will die Verbreitung der
bAV fördern. In einer Studie ließ Nah-
les die Hemmnisse für den Abschluss
von Betriebsrenten erforschen (siehe
© MARTIN CAPEK / SHUTTERSTOCK.COM
Parallelsystem: Die Tarifrente soll
neben der bisherigen bAV zur Ver-
breitung der Betriebsrente beitragen.
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