Immobilienwirtschaft 7-8/2019 - page 24

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POLITIK, WIRTSCHAFT & PERSONAL
I
VERBANDSINFORMATIONEN
Präsident Michael Groschek will den Deut-
schen Verband auch zu einer Denkfabrik für
junge Leute machen.
„Wir brauchen eine Grundsteuer C“
Problemfelder
Zweckent-
fremdete Wohnungsbau-
förderungsmittel, langfristig
unbebaute Grundstücke,
mangelnde Transparenz: Die
Herausforderungen auf vielen
Ebenen erfordern ein offenes
Denken. DV-Präsident Micha-
el Groschek will neue Struk-
turen schaffen. Ein Interview.
Herr Groschek, Sie waren für ein Jahr
Vorsitzender der nordrhein-westfä-
lischen SPD. Muss sich die Partei neu
erfinden?
Nein, sie muss sich nur ihrer
eigenen Kraft bewusst werden, da gibt es
Parallelen zum Deutschen Verband.
Ist der sich seiner Kraft nicht ausreichend
bewusst?
Der Deutsche Verband hat in
den letzten anderthalb Jahren lange Stra-
tegie-Diskussionen geführt. Inzwischen ist
klar, dass er nicht Verband der Verbände
seinkann, sondern einKompetenzzentrum
in der Schnittstelle von Wohnungsbau,
Städtebau und Raumordnung, woWissen-
schaft, Praktiker und wirtschaftlich erfah-
rene Menschen zusammenwirken.
Bekommen das genügend Menschen
mit?
Hier müssen wir uns noch verbes-
sern, auch in Richtung Politik, für die wir
eine Beratungsfunktion übernehmen. Der
Verband muss seine Qualitäten verstärkt
nach außen vermarkten, aber nicht markt-
schreierisch, sondern in einer gemessenen
Art und Weise, die deutlich macht, dass
wir dort, wo sich Populismus rechts und
links immer breiter macht, die Stimme der
Vernunft sein wollen.
Der Deutsche Verband hat eine beacht-
liche Altersstruktur. Wie könnte er at-
traktiver für jüngere Leute werden?
Der
Deutsche Verband ist im Grunde eine Äl-
testenversammlung. Ein Teil von Mitglie-
dern, die die Arbeit in den Arbeitsgrup-
pen tragen, sind ehemalige Spitzenfunk-
tionäre, die sehr wichtig sind, aufgrund
ihrer Expertise. Wir haben aber soeben
in der Vorstandssitzung beschlossen, ei-
nen Juniorverband zu gründen, wo junge
Leute aus den Bereichen Wohnungsbau,
Städtebau, Raumordnung aus den un-
terschiedlichen Positionen zusammen
geführt werden mit einem Höchstmaß an
intellektueller Freiheit. Es soll praktisch
eine Denkfabrik der Jungen entstehen.
Was sollen die Mitglieder tun?
Sie kön-
nen Netzwerke im Deutschen Verband
selber bilden, aber sie können genauso
auch in andere gesellschaftliche Bereiche
gehen, sie sollen sich per Social Media
vernetzen. Das ist bei uns alles noch ein
bisschen schwerfällig … spätestens in
einem halben Jahr können wir über die
neue Organisation sprechen.
Sie wollen Ihre politischen Netzwerke
weiter ausbauen?
Wir haben begriffen,
dass wir uns breiter vernetzen müssen,
um politisch die Relevanz zu haben, die
wir brauchen, um unsere Arbeitsergeb-
nisse in die Politik einzubringen. Wir
haben ein halbes Dutzend hochwertiger
Arbeitsgruppen, deren Ergebnisse sich
jedem Qualitätstest unterziehen kön-
nen. Deren Ergebnisse müssen noch
relevanter werden für das Entscheiden
von politischen Weichenstellungen.
Daran arbeiten wir, wir haben neue
Salonformate entwickelt, wo Politiker
und Mitglieder sich auch über Frakti-
onsgrenzen hinweg entspannt begegnen
können.
Was ist dabei für Sie besonders wichtig?
Wir müssen uns natürlich vergegenwär-
tigen, dass Baupolitik nicht nur im Bau-
ausschuss gemacht wird, sondern zuneh-
mend auch im Umweltausschuss. Dass
Wirtschafts- und Finanzpolitik mit Ab-
schreibungsmöglichkeiten eine wichtige
Rolle spielt.
Es gab einen Wohnbaugipfel auf Bun-
desebene. Was hat der gebracht?
Da
wurdenVerabredungen getroffen, das war
ein Ort, wo Verantwortung übernommen
wurde. Schwarze Schafe wurden separiert.
Und jetzt darf es nicht sein, dass wieder
die alten Seilschaften entstehen. Vielmehr
müssen diejenigen, die sich ihrer Verant-
wortung bewusst sind, diese auch wahr-
nehmen.
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