Arbeitnehmerüberlassung
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Vorhaben am geeignetsten sind“, erklärt Frischmuth und stellt
abschließend fest: „Am Ende hat das Gesetz für alle sehr viel
Bürokratie – und damit erhebliche Mehrkosten – verursacht.“
Auch Bénédicte Autem von Unique schmerzt vor allem die
zusätzliche Bürokratie: „Der administrative Aufwand ist enorm
geworden. Das erfordert mehr Arbeitszeit und bindet die Teams in
den Niederlassungen mehr an diese Aufgaben. Und da der Markt
weiterhin sehr knapp an guten Kräften ist, müssen wir noch mehr
Aufwand betreiben, um gute Kandidaten zu rekrutieren.“
Einen erhöhten Aufwand und höhere Kosten durch die
AÜG-Reform sieht auch Christoph Kahlenberg von Randstad:
„Allein die Sicherstellung der Administration, zu der vor allem
die entsprechende Programmierung der jeweiligen EDV-Systeme
gehört, kostet die Branche Millionen. Hinzu kommen der erhöhte
Dispositions- und Rekrutierungsaufwand.“
„Unsicherheit aufseiten der Beschäftigten, höhere Kosten und
mehr Bürokratie: Das sind die Folgen des neuen AÜG“, bilanziert
Holger Piening. „Die erhöhte bürokratische Belastung – zum
Beispiel durch die Vorgabe, dass vor Arbeitsantritt nun unter-
schriebene Dokumente zwischen der Zeitarbeitsfirma und ihrem
Kunden ausgetauscht werden müssen und der entsandte Mit-
arbeiter im Vorfeld konkret benannt werden muss – sind große
Hürden für kurzfristige Einsätze. In Zeiten der Digitalisierung
ein klarer Rückschritt.“
Die einzelnen neuen administrativen Aufgaben formuliert
Andreas Nusko von Franz & Wach so: „Das AÜG hat dauerhaft
zu einem sehr hohen, bürokratischen Aufwand geführt. Hier
geht es vor allem um Fristenberechnung, Lohnbestandteile und
Vertragsgestaltungen. Zudem haben wir technische oder digitale
Lösungen gesucht, um zum Beispiel die Konkretisierungsvorga-
ben möglichst kundenfreundlich und dennoch rechtssicher zu
erfüllen. Je nach Situation können dies Einzelverträge, Rahmen-
verträge, Vollmachtregelungen oder auch digitale Signaturen
sein. Letztlich binden die Änderungen sowohl in den Filialen
als auch in der Zentrale viel Arbeitskraft, ohne dass es Vorteile
für Zeitarbeitnehmer, Kunden oder uns bringt. Die von uns und
vielen Marktbegleitern bereits geäußerte Kritik an den Vorschrif-
ten des AÜG hat sich also bewahrheitet.“
Es bleibt also dabei: Die AÜG-Reform hat für viel Ärger und
Unruhe in der Zeitarbeitsbranche gesorgt. Bei Leiharbeitnehmern
mit längeren Einsätzen, weil sie häufiger wechseln und dabei
auch Lohneinbußen in Kauf nehmen müssen; bei Entleihern,
weil Equal Pay, Überlassungshöchstdauer und andere AÜG-Vor-
gaben vor allemmehr Arbeit mit sich bringen; und bei Personal-
dienstleistern, weil sie den höchsten Aufwand aller Beteiligten
mit der Umsetzung der Reform haben. „Aufgrund des Margen-
drucks können die Mehrkosten für den erhöhten bürokratischen
Aufwand jedoch kaum an die Kunden weitergegeben werden“,
stellt Andreas Nusko fest.
Die Reform der
Arbeitnehmer
überlassung hat
für viel Ärger und
Unruhe bei allen
Beteiligten der
Zeitarbeitsbranche
gesorgt.