Partnerbörse für BGF
Schnelle und unbürokratische Unterstützung zur
betrieblichen Gesundheit – das Konzept der regionalen
Koordinierungsstellen ist sehr gut. Nur muss es noch
bekannter werden. Ein Expertengespräch.
Personalmagazin: Wie gesund sind
die mittelständischen Unternehmen
in Deutschland?
Werner Winter: Der letzte IGA Report
zeigt: Je kleiner das Unternehmen, desto
weiter sinkt die Bedeutung für die be-
triebliche Gesundheitsförderung. Gerade
Kleinunternehmen mit weniger als 50 Be-
schäftigten haben hier schon noch einen
großen Nachholbedarf.
Claudia Dunschen: Aus Arbeitgeber-
sicht lässt sich sagen, dass schon ei-
niges vor Ort in den Unternehmen für
die Gesundheit der Mitarbeiter unter-
nommen wird, allerdings nicht im-
mer unter dem Label BGM oder BGF.
Ausgabe 10/2018:
Betriebliche Gesundheitsförderung
– eine lohnende Investition
Ausgabe 12/2018:
Regionale Koordinierungsstellen
– Expertengespräch
Ausgabe 01/2019:
BGF in der Praxis
– ein Unternehmensbeispiel
Serie
in Kooperation mit
wird, ist das eine verschwindend geringe
Zahl. Doch man muss sich im Klaren sein,
dass die Krankenkassen hier nur unter-
stützende Funktion haben und die Ge-
sundheit der Beschäftigten im Interesse
der Betriebe liegt.
Aber warum erreicht das Angebot der
Krankenkassen nur so wenige?
Michael Schulz: Das ist auch ein psycho-
logisches Problem. Betriebliche Gesund-
heitsförderung oder Gesundheit muss
erstmal – sowohl auf Arbeitgeber- wie
auch auf Arbeitnehmerseite – als Grund-
voraussetzung überhaupt verstanden wer-
den. Den Unternehmen muss zum großen
Teil erstmal klar werden, dass nur ein ge-
sunder Mitarbeiter überhaupt arbeitsfähig
ist und dass auch in diesem Bereich der
Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht hat. Und
den Arbeitnehmer trifft die Bringschuld,
sich gesund zu erhalten.
Claudia Dunschen: Mit den gesetzli-
chen Leistungen zum Arbeits- und Ge-
sundheitsschutz gewährleistet der Arbeit-
geber bereits einen sehr hohen Standard.
Hinzu kommen freiwillige Maßnahmen
zur betrieblichen Gesundheitsförderung,
die auch dem Erhalt der Beschäftigungs-
fähigkeit dienen. Diese können durch die
Angebote der Krankenkassen unterstützt
und gestärkt werden.
Werner Winter: Gerade in den letzten
Jahren haben die Betriebe sehr viel im
Bereich Arbeitsschutz oder Gesundheits-
schutz getan. Größere Unternehmen ha-
ben ihre eigenen Fachkräfte für diese
Michael Schulz: Betriebliche Gesund-
heit wird so unterschiedlich gelebt, wie
es unterschiedliche Betriebsstätten gibt.
Das ist die Schwierigkeit.
Thomas Wagemann: Wir haben 3,5 Mil-
lionen kleine und mittlere Unternehmen
in Deutschland, in denen 60 Prozent der
Beschäftigten tätig sind. Wenn ich dem
gegenüberstelle, was dort an BGF-Maß-
nahmen durchgeführt wird, beziehungs-
weise über die Krankenkassen gefördert
Moderation des Gesprächs: Katharina Schmitt
Werner Winter, Leiter Fachbereich
Arbeitswelt, Bereich Gesundheits-
förderung bei der AOK Bayern
84
personalmagazin 12.18
Betriebliche Gesundheitsförderung