Betriebliche Krankenversicherung
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Von Frank Nobis und Georg Goedeckemeyer
Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP)
hat die Anbieter betrieblicher Krankenversicherungen
unter die Lupe genommen. In einer interaktiven Analyse
wurde deren Kompetenz in knapp 70 Einzelkriterien
geprüft. Dabei zeigten sich in einigen Bereichen große
Verbesserungen gegenüber dem letzten Rating von
2016, die erhoffte Erfolgsstory blieb allerdings aus.
Vielleicht verhält es sich bei der betrieblichen Krankenversi-
cherung (bKV) ähnlich wie in vielen Bereichen des Lebens – es
muss erst etwas passieren, bevor erkannt wird, dass etwas fehlt.
Der bKV fehlt es auch an etwas, nämlich an der Marktdurchdrin-
gung. Diese liegt schon länger bei gerade zehn Prozent und ist
eigentlich nicht zu erklären. Denn die bKV hat klare Vorteile und
Reize. Und ein weiterer könnte nun wieder neu belebt werden:
Der Bundesfinanzhof hat in zwei Urteilen (VI R 13/16 und VI R
16/17) ein positives Signal für die bKV gesetzt: Nach Auffassung
der obersten Finanzrichter sollten die Beiträge zur bKV statt
als Barlohn als Sachbezug gewertet werden. Der BFH bestätigt
damit seine Rechtsprechung aus früheren Urteilen. Doch nach
wie vor weigert sich das Bundesfinanzministerium, dieses Urteil
in seinen Bewertungen anzuwenden – Genaueres hierzu lesen
Sie auf Seite 86.
Unabhängig von der steuerlichen Bewertung bietet die bKV
weitere Vorzüge. Die bKV als eine besondere Form der Kran-
kenzusatzversicherung ist eine Gruppenversicherung, die ein
Arbeitgeber für seine Belegschaft abschließen kann und einen
besonderen Krankenversicherungsschutz ermöglicht. Das Reiz-
volle daran: günstige Beiträge, keine Gesundheitsprüfungen und
Wartezeiten wie bei einer einzelnen Krankenzusatzversicherung
sowie eine gehobene Absicherung für den Krankheitsfall weit
über den Status eines gesetzlich Versicherten hinaus. Dieser Kol-
lektivgedanke ist einzigartig und ermöglicht auch gesundheitlich
vorgeschädigten Mitarbeitern einen hervorragenden Schutz.
Der Aspekt, die Gesundheit der Arbeitnehmer besser abzu-
sichern, hat neben dem Plus für die selbigen auch einen klaren
wirtschaftlichen Gedanken. Die Vermutung liegt nahe, dass die
gesetzlichen Krankenversicherungen in den nächsten Jahren
zunehmend Leistungen kürzen werden. Eine bKV könnte diese
Kürzungen auffangen. Der umfassende Schutz durch eine am-
bulante und/oder stationäre Absicherung kann auch zu einer
schnelleren Genesung des Mitarbeiters führen. Dabei ist die
Rechnung ganz einfach: Kürzere Ausfallzeiten der Mitarbeiter
bedeuten geringere Ausfallkosten für den Arbeitgeber. Noch
attraktiver wird der Schutz durch die entfallende Gesundheits-
prüfung in der obligatorischen bKV. Bindung qualifizierter Mit-
arbeiter, Gesundheitsschutz auf Privatpatientenniveau sowie
sinkende Leistungen in der GKV, die es aufzufangen gilt – all
das sind gute Voraussetzungen für eine Erfolgsstory der bKV.
Ein weiterer Beweggrund zur bKV – meistens können auch Fa-
milienangehörige, also Ehepartner beziehungsweise Kinder zu
verbesserten Konditionen mit abgesichert werden.
Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) hat nach
2016 erneut die Anbieter einer betrieblichen Krankenversiche-
rung in einer interaktiven Kompetenzanalyse auf Herz und Nie-
ren geprüft. Die Kompetenzanalysen in knapp 70 Einzelkriterien
setzen einen sehr engen Austausch mit den Versicherern voraus,
um an tief greifendere Informationen zu kommen, die Produkt-
ratings in diesem Bereich nicht bieten können.
Rating betrieblicher Krankenversicherungen:
Woran zeigt sich die Kompetenz des Anbieters?
Bei der Implementierung einer bKV handelt es sich um einen
intensiven Prozess, der qualifizierten Beratungsbedarf erfordert.
Wie schon erwähnt, reicht ein reiner Produktvergleich nicht aus.
Die Konstellation der beteiligten Personen, deren unterschied-
liche Bedürfnisse es zu befriedigen gilt, ist vielschichtig.
Dieses Rating beinhaltet eine allumfassende Betrachtung aller
relevanten Faktoren – nur so ist es möglich, objektiv zu urteilen.
Die Untersuchung stützt sich auf vier Teilbereiche, die mit einem
Anteil von jeweils 25 Prozent in die Gesamtbewertung einfließen.