personalmagazin 12/2018 - page 85

Träger im Boot, liegen die Probleme im
betrieblichen
Eingliederungsmanage-
ment, dann kommt der Ansprechpartner
aus der Rentenversicherung. Das Modul
betriebliche Gesundheitsförderung wird
durch die Krankenkassen bedient. Diese
unterschiedlichen Leistungen für Betriebe
werden über die Koordinierungsstelle an
das Unternehmen gebracht. Das frühere
Problem vieler Betriebe, sich die Ansprech-
partner einzeln raussuchen zu müssen,
ist damit gelöst. Die Koordinierungsstelle
steuert das.
Die Idee, die Koordinierungsstellen
kassenübergreifend anzubieten, ist
ein Novum in der Sozialversicherungs-
landschaft. Denn sie sind ja auch im
Wettbewerb umMitglieder – ist das ein
Problem?
Michael Schulz: Nein, definitiv nicht.
Es geht darum, Unternehmen gesünder
zu gestalten, damit sie ein lebenslanges
Arbeiten ermöglichen. Das ist unsere
Kernaufgabe in der Lebenswelt Betriebe.
Gesunde Unternehmen schaffen wir nur,
wenn alle an einem Strang ziehen.
Werner Winter: BGF ist eine gesetzli-
che Pflichtleistung der Krankenkassen. Es
entspräche ferner nicht dem Gedanken
der Gesundheitsförderung, BGF-Maß-
nahmen nur nach Mitgliederzahlen oder
Potenzialen zu generieren.
Claudia Dunschen: Die Unternehmen,
die sich an die BGF-Koordinierungsstelle
wenden, suchen ja eine Lösung für ihr in-
dividuelles Thema. Statt Akquise muss es
um Unterstützung der Unternehmen ge-
hen.
Themen, Fachkräfte für Arbeitssicher-
heit, vielleicht auch einen Betriebsarzt.
Diese wichtigen Multiplikatoren fehlen
in den kleineren und mittleren Unter-
nehmen, auch aufgrund mangelnder
personeller und finanzieller Ressourcen.
Wie können gerade KMU hier unter-
stützt werden, damit sie auch ohne
professionelle Multiplikatoren Ge-
sundheitsförderung betreiben?
Claudia Dunschen: Betriebe brauchen
vor allem einen niederschwelligen Zu-
gang und unbürokratische Unterstüt-
zung. Auch Analysen sind wichtig, in
erster Linie aber brauchen Unternehmen
einen pragmatischen Problemlöser, der
passgenaue Angebote kennt.
Michael Schulz: Genau aus diesem
Grund haben sich die regionalen Koordi-
nierungsstellen gegründet. Die einzelnen
Krankenkassen haben eine Vielzahl von
Ansprechpartnern, zusätzlich gibt es eine
riesige Anzahl kommerzieller Dienstleister.
Wer Google aufruft und den Begriff BGF
eingibt, findet knappe 500.000 Einträge.
Wie soll sich ein Unternehmen, das schnel-
le und unkomplizierte Hilfe braucht, da
orientieren? Die regionale Koordinierungs-
stelle ist eine vom Gesetzgeber geschaffene
zentrale Instanz, die eine Lotsenfunktion
übernimmt, Orientierung schafft und eben
auch Lösungen anbieten kann.
Thomas Wagemann: Wir haben jetzt
mit der BGF-Koordinierungsstelle tat-
sächlich diesen niedrigschwelligen Zu-
gang für die Unternehmen geschaffen.
Bei Bedarf findet das Unternehmen direkt
den Zugang zur Beratung und kann auch
sofort sein konkretes Problem angeben.
Geht es um zu viele Fehlzeiten oder sind
die Probleme im Betrieb anderweitig gela-
gert? Damit kann sofort in die qualitative
Beratung eingestiegen werden. Das Schö-
ne an den BGF-Koordinierungsstellen ist:
Wir haben ein bundesweites, flächende-
ckendes Netz, das alle vorhandenen Be-
ratungsstrukturen, die bei den Kranken-
kassen liegen, nutzt.
Werner Winter: Und wir wollen nicht
nur den richtigen Ansprechpartner zur
Verfügung stellen, sondern auch schnell
reagieren: Die Kassen haben sich darauf
verständigt, innerhalb von zwei Werk-
tagen nach Kontaktaufnahme zumindest
eine telefonische Beratung anzubieten,
um, falls notwendig, einen Beratungs-
termin vor Ort zu vereinbaren.
Was können die Unternehmen von ei-
ner Unterstützung durch die BGF-Ko-
ordinierungsstellen erwarten?
Werner Winter: Die Maßnahmen und
die Beratung beziehen sich natürlich in
erster Linie auf die Wünsche der Unter-
nehmen. Das kann vielfältig sein, von der
Ausgestaltung eines niedrigschwelligen
Gesundheitstages, umMitarbeiter für Ge-
sundheitsthemen zu sensibilisieren, bis
hin zur Beratung und Unterstützung bei
der Einrichtung eines strukturierten und
systematischen BGM im Unternehmen.
Thomas Wagemann: Unter die Begriff-
lichkeit BGM fallen ja die unterschied-
lichsten Leistungen, die teilweise durch
unterschiedliche Träger zur Verfügung ge-
stellt werden. Wer sich im Arbeitsschutz
bewegt, hat vordergründig die gesetzliche
Unfallversicherung als verantwortlichen
Claudia Dunschen, Bereich Arbeits-
marktpolitik, Landesvereinigung der
Unternehmensverbände NRW
Michael Schulz, Referent Gesund-
heitsmanagement bei der Techniker
Krankenkasse.
Thomas Wagemann, Leiter des
Referates Gesundheit/Versicherung,
BKK-Landesverband Nordwest
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Anzeigensonderveröffentlichung
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