personalmagazin 8/2015 - page 26

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TITEL
_AUSBILDUNG
personalmagazin 08/15
ber treffen, über welche Persönlichkeits-
eigenschaften Azubis verfügen, die die
Ausbildung gut absolvieren, und welche
jene haben, die Probleme damit hatten.
personalmagazin:
Welche erfolgsrelevanten
Eigenschaften haben Sie identifiziert?
Bühner:
Das müsste Herr Vogel beantwor-
ten, das ist möglicherweise ein Betriebs-
geheimnis...
Vogel:
Ja, genau, das fällt unters Betriebs-
geheimnis – denn die erfolgsrelevanten
Eigenschaften sind die Grundlage für
unser neues Auswahlmodell und somit
unser Kapital. Ich kann aber so viel
verraten: Bestimmte Eigenschaften aus
dem Bereich Gewissenhaftigkeit, aber
auch Offenheit sind besonders wichtig
für den Ausbildungserfolg.
personalmagazin:
Was haben Sie getan,
nachdem Sie diese identifiziert hatten?
Bühner:
Nach Abschluss der Ausbildung
dieser 700 Azubis lagen jede Menge
Leistungs- und Persönlichkeitsdaten
vor, mit denen wir eine Formel entwi-
ckelt haben, in die die Werte der Bewer-
ber aus dem Selbsteinschätzungstest
und kognitiven Tests eingesetzt werden.
Diese errechnet dann die Wahrschein-
lichkeit, mit der der Bewerber seine
Ausbildung erfolgreich beendet. Dabei
können bestimmte Persönlichkeitsei-
genschaften Schwächen im kognitiven
Bereich bis zu einem gewissen Grad
kompensieren. Es handelt sich um ein
„kompensatorisches Modell“.
personalmagazin:
Was hat die Erfahrung
gezeigt: Funktioniert das Modell?
„Mit Persönlichkeit zum Erfolg“
INTERVIEW.
Die Firma Provadis hat mit der LMU München ein diagnostisches Modell
entwickelt, das auch Azubis eine Chance bietet, die im IQ-Test unter Schnitt liegen.
personalmagazin:
Aus Unternehmen wie
auch aus Ausbildungsstatistiken dringen
seit Jahren die gleichen Klagen: Es gebe
zu wenig gute Azubi-Bewerber, zudem ha-
pere es häufig an der Passung zwischen
Azubis und Ausbildungsbetrieb. Können
Sie sich dem anschließen?
Markus Vogel:
Wir hatten in der Tat mit ei-
nigen Azubis bei Provadis das ein oder
andere Problem mit der Zuverlässigkeit
und der Gewissenhaftigkeit: Einige fehl-
ten etwa unentschuldigt in der Berufs-
schule. Zudem gab es eine Reihe von
Azubis, die schlecht abschnitten, etwa
in den Ausbilderbewertungen, oder die
ihre Ausbildung ganz abbrachen. Mit
den Testverfahren, die wir damals ver-
wendeten – kognitive und Leistungs-
tests – konnten wir einige erfolgsrele-
vante Kriterien wie die Soft Skills der
Kandidaten allerdings nicht erfassen.
personalmagazin:
Wie haben Sie reagiert?
Vogel:
Wir haben uns entschieden, un-
sere Testverfahren mit einem Persön-
lichkeitstest zu ergänzen, der uns dabei
helfen sollte, mehr Aussagen über die
Gesamtpersönlichkeit eines potenziel-
len Azubis zu erhalten und seine Er-
folgswahrscheinlichkeit besser als mit
Leistungstests vorhersagen zu können.
Dafür haben wir uns an die LMU Mün-
chen gewandt und mit ihnen definiert,
welche Verhaltenskriterien als „auffäl-
lig“ gelten und nicht zum Erfolg führen.
personalmagazin:
Herr Professor Bühner,
hier kommen Sie ins Spiel. Wie genau
sind Sie vorgegangen bei der Konzipie-
rung des neuen Auswahlsystems?
Markus Bühner:
Wir haben im Jahr 2007
bei Provadis erstmals einen bekannten
Persönlichkeitstest eingesetzt, der per
Selbsteinschätzung die sogenannten
„Big Five“ der Persönlichkeit mit seinen
Facetten misst: Extraversion, Offenheit
für neue Erfahrungen, Verträglichkeit,
Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus.
Nach jeweils einem Jahr haben wir
von Provadis die Daten von rund 230
eingestellten Azubis aus den Selbstein-
schätzungstests sowie die bis dato vor-
handenen Ausbildungsbeurteilungen
erhalten. Wir konnten mit einer großen
Stichprobe, insgesamt 700 Bewerbern
aus drei Ausbildungsjahren, arbeiten.
Diese Daten haben wir dann abgegli-
chen und konnten so eine Aussage darü-
MARKUS VOGEL
ist Leiter Personalcenter,
Schwerpunkt Ausbildung, beim Bildungs-
dienstleister Provadis in Frankfurt-Höchst.
© PROVADIS
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