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AO) nur der Verwirklichung der festgelegten gemeinnützigen
Ziele dienen. Hinzu kommt, dass Spender oder Gütesiegel-Or-
ganisationen häufig eine größtmögliche Mittelverwendung für
den sozialen Zweck und einen geringstmöglichen Overhead
erwarten. Daraus kann für die Mitarbeiter eine im Vergleich
zu For-Profit-Unternehmen geringere monetäre Vergütung
resultieren (vgl. Colander, 2012). Hinzu kommt das Gewinn-
ausschüttungsverbot für Non-Profit-Organisationen, wodurch
eine Vergütung über gewinnwirksame Gesellschaftsanteile,
die insbesondere in der Gründungsphase von Sozialunterneh-
men eine Alternative zum Gehalt darstellen könnte, nicht dar-
stellbar ist.
Insbesondere für junge Menschen, die nach Ausbildung oder
Studium eine Anstellung im sozialen Bereich anstreben oder
zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Karriere einen Wechsel aus
der Wirtschaft in eine Organisation mit sozialer Zielsetzung
intendieren, stellen For-Profit-Sozialunternehmen eine Option
dar, die zusätzlich zu einer sozialen „Vergütung“ auch einen
erhöhten materiellen Lebensstandard in Aussicht stellen kann.
Hieraus könnte sich für Non-Profit-Sozialunternehmen eine
besondere Relevanz ergeben, ihre Attraktivität als Arbeitgeber
durch ein entsprechendes Marketing in den Vordergrund zu
stellen.
Schlussfolgerungen für das Personalmanagement
Auf das Personalmanagement in Sozialunternehmen kom-
men neue Herausforderungen zu. Für Sozialunternehmen all-
gemein zeichnet sich ab, dass insbesondere die Dualität der
Prämissen aus ökonomischen und sozialen Zielsetzungen zu
einer erhöhten Komplexität der Governance führt, wodurch die
Anforderungen an Führungskräfte hinsichtlich dualer Kompe-
tenzen, gestiegener strategischer und operativer Verantwor-
Quelle: Bertelsmann Stiftung, 2014
Abb. 1:
For-Profit- und Non-Profit-Rechtsformen: die zwei Welten des
Sozialunternehmertums in Deutschland
For-Profit-Sozialunternehmen
Non-Profit-Sozialunternehmen
Beschreibung
Rechtsformen: GmbH, UG, AG (etc.)
Kommerzielle Unternehmen
Beschreibung
Rechtsformen: gGmbH, gUG, gAG, e.V., Stiftung (etc.)
Gemeinnütziger, mildtätiger oder religiöser Zweck
Satzung und Geschäftsführung nach § 52 AO
Vorteile
+ Möglichkeiten des freien Marktes
+ flexible Finanzierungsmöglichkeiten
Vorteile
+ Teilw. Befreiung von Umsatz-, Ertrags-, Körperschaftssteuer
+ Ausstellung von Zuwendungsbescheiden
+ Wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb bis 35.000 Euro st.-frei
+ Stärker diversifiziertes Einnahmenmodell
+ Soziale Zielsetzung rechtlich verankert
Limitierungen
– Identifikation als Sozialunternehmen über Rechtsform nicht
möglich (müssen Kunden, Shareholder etc. überzeugen)
– Keine steuerlichen Anreize
– Non-Profit-Finanzierer/Kunden kaum nutzbar
– Möglicher Mission Drift in Richtung Profitorientierung (da
Verfolgung des sozialen Zwecks rechtlich nicht vorgeschrie-
ben ist)
Limitierungen
– Profitgenerierung nie primärer/gleichrangiger Zweck
– Internationale Aktivitäten rechtlich deutlich limitiert
– Ausschüttungsverbot an Investoren
– Vage Linie zwischen Zweckbetrieb und WGB
– Verlustverbot im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb
– Prinzip der zeitnahen Mittelverwendung
– Exitstrategien (M&A etc.) extrem limitiert
– Risiko des Verlusts der Gemeinnützigkeit
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Wahl der Rechtsform kann Richtungsentscheidung für Wachstum und Skalierung sein
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Kein rechtlicher Rahmen zur Anerkennung von Sozialunternehmen
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Komplexe hybride Strukturen zur Sicherstellung von Wettbewerbsfähigkeit und Skalierung
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