personalmagazin 09/16
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an
5,0
4,5
4,0
3,5
3,0
2,5
2,0
1,5
1,0
Information Transparenz Partizipation Belastung
Selbst
einschätzung
Akzeptanz
56
SPEZIAL
_RECRUITING
thode beantworten. Danach erfolgt eine
Erläuterung des Vorgehens bei einem
klassischen Einstellungsinterview, und
anschließend werden die gleichen Fragen
zur Bewertung des klassischen Einstel-
lungsinterviews vorgelegt. Um etwaige
Reihenfolgeeffekte auszuschließen, wird
bei der Hälfte der Probanden die Reihen-
folge umgedreht. Sie schätzen zunächst
das klassische Interview und danach das
zeitversetzte Videointerview ein.
Neben Angaben zur Person (Alter,
Geschlecht, Bildung, Berufstätigkeit,
Erfahrung mit beiden Interviewformen)
beziehen sich die Fragen auf sechs Kon-
zepte, mit deren Hilfe die Interview
methoden bewertet werden (siehe
Tabelle). Die Beantwortung dieser Fra-
gen erfolgt auf einer fünfstufigen Skala
von 1 = „trifft überhaupt nicht zu“ bis 5
= „trifft voll und ganz zu“. An der Studie
beteiligen sich 622 Personen im Alter
zwischen 16 und 64 Jahren (59,5 Pro-
zent weiblich, 40,5 Prozent männlich).
In der Stichprobe überwiegen Menschen
mit höherem Bildungsabschluss (60,9
Prozent Studium, 35,2 Prozent Fach-/
Abitur, 3,9 Prozent Realschule). Deutlich
mehr als die Hälfte der Befragten steht
bereits im Beruf (60,5 Prozent).
Klassisches Interview wird
signifikant positiver bewertet
In einem ersten Schritt werden beide In-
terviewvarianten mithilfe einer Varianz-
analyse verglichen. Hier zeigt sich, dass
in allen Fällen das klassische Interview
signifikant positiver bewertet wird als
das videogestützte Interview (p > .05).
Die Befragten haben den Eindruck, im
klassischen Interview besser über die
Entscheidungsprozesse und handelnden
Personen informiert zu werden, erleben
die Situation als transparenter und haben
den Eindruck, das Geschehen auch besser
beeinflussen zu können (Partizipation).
Darüber hinaus erleben sie die Situation
als weniger belastend und glauben, ihre
Leistung im Interview besser einschät-
zen zu können. Besonders deutlich fällt
der Unterschied bei der Akzeptanz der
Methode aus. Hier liegt das klassische
Interview fast zwei Skalenstufen vor dem
Videointerview.
Die Vorerfahrung mit videogestütz-
ten Interviews nimmt nur geringfü-
gig Einfluss auf die Einschätzung. Das
zeitversetzte Videointerview wird mit
zunehmender Erfahrung als ein klein
wenig transparenter (zwei Prozent) und
weniger belastend (1,4 Prozent) erlebt.
Zudem glauben die Befragten, ihre Leis
tung im Interview besser einschätzen zu
können (0,6 Prozent) und akzeptieren
die Methode stärker (1,7 Prozent).
Mangelnde Transparenz ist
Hauptgrund für niedrige Akzeptanz
Abschließend wird berechnet, wie
stark die Akzeptanz der zeitversetz-
ten Videointerviews von den einzelnen
Bewertungsaspekten abhängt (Regres-
sionsanalyse). Die Ergebnisse sind
eindeutig. Die bei Weitem größte Be-
deutung kommt der Transparenz des
Im ersten Schritt wurden mit einer Varianzanalyse die Interviewvarianten verglichen:
Das klassische Interview schneidet in allen Bewertungsaspekten besser ab.
ERGEBNISSE: VERGLEICH DER INTERVIEWVARIANTEN
klassisches Interview
Videointerview
3,99
3,59
3,75
3,27
3,64
4,12
2,7
2,5
2,68
3,5
2
2,18
Mittels Regressionsanalyse wurde anschließend berechnet, wie stark die Akzeptanz der
zeitversetzten Videointerviews von den einzelnen Bewertungsaspekten abhängt.
WOVON DIE AKZEPTANZ ABHÄNGT
Akzeptanz
Transparenz
33,2 Prozent
Partizipation
6,8 Prozent
Selbsteinschätzung
1,3 Prozent
Belastung
0,4 Prozent
Information
2,7 Prozent