Wirtschaft und Weiterbildung 7-8/2017 - page 21

wirtschaft + weiterbildung
07/08_2017
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Computer als Lernpartner
Der Kompetenzbegriff, den Erpenbeck und Sauter vertre-
ten, lautet in aller Kürze: „Ein neues Problem taucht auf und
kompetente Personen können selbstorganisiert und kreativ
eine Lösung finden.“ Angelerntes Wissen reicht nicht, man
muss angesichts einer neuen Herausforderung auch erfolg-
reich handeln können. Die gute Nachricht: Kompetenzen
kann man laut Erpenbeck trainieren – auch im Internet.
Lernen in digitalen Arbeitsprozessen
Das vorliegende Handbuch beschäftigt sich mit der Frage,
wie eine Kompetenzentwicklung via Internet gelingen
kann. Zur Kompetenzentwicklung gehört, dass man sich
das nötige Fachwissen aneignet. Dazu ist das Internet her-
vorragend zu gebrauchen. Man muss aber auch Wissen
bewerten, Handlungsziele festlegen und den Wert seiner
Erfolge beurteilen können. Aber auch das funktioniert im
Netz, denn es eignet sich auch zum sogenannten Hand-
lungslernen (Lernen im Prozess der Bearbeitung einer kon-
kreten Aufgabe). Das Handbuch kennt das Erfahrungsler-
nen, das Erlebnislernen, das subjektivierende Handeln und
das Expertiselernen – unterstützt von virtuellen Coachings
und Trainings. Wie das alles konkret in Schule, Hochschule
und Unternehmen funktioniert, beschreiben insgesamt 40
namhafte Experten (bekannt von der „Learntec“ und der
„Zukunft Personal“) wie Karlheinz Pape, Simon Dückert,
Rolf Arnold, Thomas Jenewein, Sabine Seufert, Daniel Stol-
ler-Schai oder Markus Herkersdorf.
Kompetenz.
John Erpenbeck gilt als der Papst der Kompetenz-
forschung. Von ihm stammt die allgemeingültige Definition des
Begriffs. Zusammen mit Werner Sauter, Blended-Learning-Experte,
und 40 weiteren namhaften Autoren entstand das sehr aktuelle
und informative „Handbuch Kompetenzentwicklung im Netz“.
Allein bezogen auf den Business-Kontext werden folgende
Themen konkret bearbeitet:
· Zukunft des Arbeitens und Lernens (am Beispiel der Perso-
nalentwicklung der SAP)
· Geschäftsmodelle für inner- und überbetriebliche Bil-
dungsanbieter in einer digitalisierten Welt
· Lernhaus, Kompetenzset und Learning Hub – Grundlagen
für die Kompetenzentwicklung im Prozess der vernetzten
Arbeit
· Lernarrangements mit dem Lernpartner Computer (bei der
Deutschen Bahn)
· Kompetenzentwicklung von Krisenmanagern – ein Modell
zur kompetenzorientierten Entwicklung von Führungskräf-
ten im Netz
· Interkulturelle Kompetenzentwicklung im Prozess der
Arbeit und im Netz
· Simulatives Lernen mit dem Lernpartner Computer
· Vom Learning-Management-System zur sozialen Kompe-
tenzentwicklungs-Plattform
· Workforce und Learning Analytics im Arbeitsprozess (Steu-
erung durch die Analyse von Lernergebnissen).
Lern-Dienstleister und Ermöglichungsdidaktiker
Qualifikation ist fremdorganisiert und auf die Erfüllung
einer Aufgabe gerichtet. Kompetenzentwicklung befähigt
dagegen zur Selbstorganisation. Da der Computer aus dem
Privat- und Berufsleben nicht mehr wegzudenken ist, wer-
den Trainer vor diesem Hintergrund zu Lern-Dienstleistern
und das Internet zur Lern-Infrastruktur. Selbstgesteuertes
Lernen wird unterstützt durch eine „Ermöglichungsdidak-
tik“. Wer diesen Paradigmenwechsel verstehen will, muss
dieses dicke Buch durcharbeiten.
John Erpenbeck, Werner Sauter:
„Handbuch Kompetenzentwick-
lung im Netz“, Verlag Schäffer
Poeschel, Stuttgart 2017,
665 Seiten, 69,95 Euro
John Erpenbeck (Mitte).
Auf der „Personal Süd 2016“ dis-
kutierte er mit dem Publikum über Kompetenzmessungen.
Foto: Pichler
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