training und coaching
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wirtschaft + weiterbildung
09_2016
den, und die zentralen Forderungen an
die Führung lauteten: Die Potenziale der
Mitarbeiter sollen stärker genutzt und
entfaltet werden. Der „Chef“ hingegen
sollte sich zurücknehmen. Und nicht er
oder einzelne Experten sollten die Pro-
zesse planen. Die Sicht der Teammitglie-
der sollte genutzt werden, um tragfähige
Lösungen zu entwickeln.
Gute Führung hatte schon
immer agile Anteile
In den Folgejahren stieg die Zahl grup-
pendynamischer Führungsseminare kon-
tinuierlich – bis in die 80er-Jahre. Seitdem
ist ihre Zahl rückläufig, obwohl „agile
Führung“ nichts anderes von Führungs-
kräften fordert. Vieles was heute unter
dem Stichwort Agilität debattiert wird,
kann man schon in den Klassikern der
gruppendynamischen Führungsliteratur
lesen – zum Beispiel in Dr. Klaus Antons
Buch „Praxis der Gruppendynamik“ aus
dem Jahr 1973.
Die „Erfinder“ des sogenannten „situ-
ativen Führens“ Paul Hersey und Ken
Blanchard betonten bereits im Jahr
1960: Führungskräfte sollten abhängig
von der Situation und vom Reifegrad der
Mitarbeiter unterschiedlich agieren. Im
Führungsalltag kann man mehrere Füh-
rungssituationen unterscheiden, in denen
ein unterschiedlicher Führungsstil ange-
bracht ist, wenn man sich folgende Fra-
gen stellt: Ist die Situation überschaubar
Eine zentrale Forderung der Protagonis-
ten des „agilen Managements“ lautet:
Teams sollten mit wenig Regeln und Bü-
rokratie geführt werden, um zum Beispiel
beim Entwickeln und Umsetzen neuer
Ideen schneller und flexibler zu werden.
Das klingt modern und richtig – doch ist
das wirklich neu? Nein, denn gute Füh-
rung von einzelnen Mitarbeitern und
Teams hatte schon immer agile Anteile.
Agilität im Team zu fordern, also flexibel
im Denken und Verhalten zu sein, ist eine
Grundhaltung von Führungskräften, seit
Ende der 60er-Jahre des vergangenen
Jahrhunderts die Gruppendynamik Ein-
zug in die Führungslehre im deutschspra-
chigen Raum hielt. Schon damals wurde
Führung als interaktiver Prozess verstan-
Agile Führung extra trainieren?
AGILES MANAGEMENT.
Agilität – dieses Schlagwort geistert zurzeit durch so manche
Unternehmen und suggeriert: „Alles muss sich in puncto Führung ändern und Leadership-
Kompetenzen müssen ab sofort ganz anders vermittelt werden.“ Ist das wirklich so?
Oder ist die vielbeschworene agile Führung alter Wein in neuen Schläuchen?
Am Rad drehen.
Teams sollen
immer schneller
und besser zusam-
menarbeiten – gute
Chefs wussten
schon immer, wann
es sich lohnt, sich
zurückzunehmen.
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