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Bei Fragen wenden Sie sich bitte an katharina.
04/15 spezial bAV
von MCC, dem Veranstalter des Kon-
gresses Zukunftsmarkt Altersvorsorge:
„Die flächendeckende Betriebsrente ist
noch Zukunftsmusik.“ Initiiert wurde
die Auszeichnung von Towers Watson
und MCC, unterstützt wird er von zahl-
reichen Unternehmen, Organisationen
und Medienpartnern. Der bAV-Preis
wurde erstmals im Februar 2014 an den
Daimler Pensionsplan und an die Alters-
versorgungsprojekte von Henkel, Fideli-
ty und GE vergeben.
Mit einem „Eventkonto“ zum Erfolg
In diesem Jahr hatte in der Kategorie
Großunternehmen Mondelez Deutsch-
land die Nase vorn. Das Lebensmittelun-
ternehmen mit Hauptsitz in Bremen ver-
marktet Marken wie Milka-Schokolade,
Jacobs-Kaffee und Philadelphia-Frisch-
käse. Für die Mitarbeiter steht das Vor-
sorgeprogramm „Mein Zukunftsplan“
zur Verfügung. Das innovative Element
ist die holistische und übergreifende
Konzeption: Mondelez Deutschland hat
für jeden Mitarbeiter ein Kontenmodell
geschaffen, das neben der arbeitgeber-
finanzierten bAV und dem Vorruhe-
standskonto ein mitarbeiterfinanziertes
„Konto für alle Fälle“, das sogenannte
Eventkonto, enthält. Zusätzlich hat das
Unternehmen einen rein arbeitgeberfi-
nanzierten Demografiefonds aufgesetzt,
der zum Beispiel für zusätzliche Vorru-
hestandsprogramme verwendet werden
kann. Das Konzept scheint bei den Ange-
stellten anzukommen. Es gibt eine sehr
hohe Teilnahmequote – was das Unter-
nehmen selbst überrascht hat.
Beim Zweitplatzierten in der Kate-
gorie Großunternehmen, T-Systems
International, geht es um die Harmo-
nisierung verschiedener bAV-Modelle.
Durch M&A- und Insourcingprojekte
realisiert das Unternehmen jährlich
mehrere Personalüberleitungen in die
T-Systems International. Nicht selten be-
stehen bei den bisherigen Firmen bis zu
zehn unterschiedliche bAV-Zusagearten.
Demgegenüber steht bei der T-Systems
International ein konzerneinheitliches
Altersversorgungssystem. Nach den
Erfahrungen der T-Systems ist eine Al-
tersversorgungsharmonisierung eine
hoch komplexe Angelegenheit, die von
Gewerkschaften, Betriebsräten und den
betroffenen Mitarbeitern in der Regel
mit einer gewissen Skepsis begleitet
wird. Das Unternehmen hat deshalb ein
standardisiertes Überleitungskonzept
entwickelt – und überzeugte damit die
Jury beim bAV-Preis.
Auch beim Drittplatzierten in der
Kategorie Kategorie Großunternehmen
standen die Themen Einfachheit, Trans-
parenz und Flexibiliät auf der Agenda:
Die Deutsche Telekom stellt zukünf-
tig seinen Executives ein einheitliches
Budget für Benefits zur Verfügung, und
zwar zehn Prozent vom Zielgehalt. Die
Mitarbeiter können diesen Betrag durch
eigene Leistungen ergänzen und den Ge-
samtbetrag dann über ein Online-Portal
in die einzelnen Benefits je nach indivi-
duellen Präferenzen investieren.
Weg von alten Systemen
In der Kategorie Mittelstand konnte die
Messe München die Jury überzeugen.
Auch hier ging es um einen Systemwech-
sel. Die Messe München GmbH ist his-
torisch bedingt ein Mitglied in der ZVK
Bayern – der Anteil der dort versicherten
Mitarbeiter hat sich im Laufe der Zeit aber
auf weniger als 50 Prozent reduziert. Es
ging darum, eine attraktive bAV-Lösung
zu entwickeln, die ein adäquates Angebot
für diejenigen Beschäftigten darstellt, die
bislang keine Altersversorgung erhielten.
Das neu entwickelte System unterschei-
det sich von anderen Modellen dadurch,
dass eine Beitragsmatrix implementiert
wurde, die sich an der Betriebszugehörig-
keit orientiert. Somit entwickelt sich der
Beitragssatz dynamisch mit dem Gehalt
und abhängig von den Dienstjahren.
Rang zwei in der Kategorie Mittel-
stand ging an die VR Bank Südpfalz. Sie
erweiterte ihr bestehendes bAV-Modell
mit Direktversicherung und Pensions-
kasse um drei Bausteine: Ein Lebens-
arbeitszeitkonto bietet dem Mitarbeiter
flexible Einsatzmöglichkeiten, vom vor-
zeitigen Ausscheiden aus dem aktiven
Erwerbsleben bis hin zu einer temporä-
ren Arbeitszeitreduzierung wegen Kin-
dern oder der Pflege von Angehörigen.
Zudem wurde eine Berufsunfähigkeits-
absicherung ins Konzept integriert. Um
die Auswirkungen der Niedrigzinsphase
langfristig ausgleichen zu können, wur-
de eine zusätzliche Unterstützungskasse
eingeführt.
Den dritten Platz in der Kategorie Mit-
telstand bekam die SGL Group, ein welt-
weit tätiger Hersteller von Produkten und
Materialen aus Kohlenstoff mit Hauptver-
waltung in Wiesbaden. Die Firma hat seit
Anfang des Jahres die betriebliche Zusatz-
versorgung für das Senior Management
neu geordnet. Die große Besonderheit
bei der Umsetzung des Projekts war die
Einbettung der Zusatzversorgung in die
zeitgleich stattfindende Anpassung der
gesamten Managementvergütungs-Syste-
matik. Denn die SGL Group befindet sich
derzeit in einemProzess der strategischen
Neuausrichtung. Für die Mitarbeiter war
das neue System nicht nur positiv: Einige
Führungskräfte mussten zum Teil deut-
liche Einbußen hinnehmen. Trotzdem ha-
ben am Ende alle zugestimmt.
Sonderpreis: Das Wertkontenmodell
Neben den beiden Hauptkategorien hat
die Jury in diesem Jahr auch erstmals
einen Sonderpreis vergeben: für demo-
grafieorientiertes Personalmanagement.
Dieser ging an die Berliner Wasserbe-
triebe. Deren „Wertkontenmodell“ zeich-
net sich gegenüber bisherigen Systemen
dadurch aus, dass es den Beschäftigten
die Möglichkeit bietet, sich nicht zwi-
schen Altersvorsorge und flexibler Le-
bensarbeitszeit entscheiden zu müssen,
sondern für beides parallel und eigenver-
antwortlich Vorsorge treffen zu können.
Mit diesem Angebot wollen die Berliner
Wasserbetriebe wachsende Erwartungen
der Beschäftigen und potenzieller neuer
Mitarbeiter in Bezug eine auf gute Work-
Life-Balance in Einklang bringen mit un-
ternehmerischer Planungssicherheit.