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04/15 spezial bAV
in der bAV bereits gelebte Realität sind,
zeigen etwa die Preisträger des 2014
erstmals vergebenen Deutschen bAV-
Preises. Der Autokonzern Daimler ope-
riert mit seinem Daimler Pensions Plan
(DPP) bei der Kapitalanlage mit einem
Lebenszyklusmodell, verbesserter Risi-
koabsicherung und einem innovativen
Verrentungsmodell. Zweiter Preisträger
des bAV-Preises war die Henkel KGaA.
Im Kern ihres Konzepts stand eine au-
tomatische Teilnahme am Pensionsplan
im Wege der Entgeltumwandlung, bei der
die Mitarbeiter eine Widerrufsoption ha-
ben (Opt-Out). Das Unternehmen arbeitet
bereits seit 2011 mit einer fondsbasierten
Zusage, ebenfalls in Gestalt eines Lebens-
zyklusmodells.
Ein guter Pensionsplan leistet al-
so einen wesentlichen Beitrag zur
Sicherung eines angemessenen Ver-
sorgungsniveaus im Alter und fördert
gleichzeitig die eigenverantwortliche
Finanzplanung. Für den langfristigen
Erfolg von Pensionsplänen spielt darü-
ber hinaus eine intelligente und trans-
parente Kommunikation eine zentrale
Rolle. Dies ist der Schlüssel, um Mitar-
beiter zum verstärkten Vorsorgesparen
zu motivieren.
Mitarbeitern Wege aufzeigen
Im Kern steht dabei weniger die Wis-
sensvermittlung zu technischen Fra-
gen der Kapitalanlage. Vielmehr geht
es darum, Mitarbeitern aufzuzeigen,
welche Maßnahmen sie treffen können,
um dem erreichbaren Ziel einer ange-
messenen Altersvorsorge einen Schritt
näherzukommen. So ist es zum Beispiel
für eine 30-jährige Mitarbeiterin nach-
vollziehbar, wenn das Ziel lautet, mit 35
Jahren ein halbes Jahreseinkommen auf
dem Vorsorgekonto zu haben, mit 45
Jahren eineinhalb, mit 55 Jahren zwei-
einhalb und mit 65 Jahren das vierfache
Jahreseinkommen, um ein angemes-
senes Rentenniveau zu erreichen.
Grundsätzlich gilt: Deutschland
braucht eine andere Art der bAV. Nur mit
der Beteiligungaller drei Akteure–Arbeit-
nehmer, Arbeitgeber und Kapitalmarkt –
wird es gelingen, die Herausforderungen
der bAV zukünftig zu bewältigen. In
Kürze bedeutet das: Moderne Pensions-
pläne verzichten auf übermäßige Garan-
tien, setzen Lebenszyklusmodelle in der
Kapitalanlage ein, schaffen zusätzliche
Anreize durch Arbeitgeberbeiträge und
kommunizieren die Vorteile des Modells
transparent gegenüber Mitarbeitern.
CHRISTOF QUIRING
ist
Leiter Investment- und
Pensionslösungen, Fidelity
Worldwide Investment.
Moderne bAV-Pläne werden bislang vor allem von großen Konzernen angeboten.
Mittelständler scheuen dagegen häufig ein Engagement in der bAV – nicht zuletzt, weil
sie einen hohen Administrationsaufwand befürchten. Doch die Einführung eines neuen
Vorsorgesystems ist kein Hexenwerk. Folgende Punkte sollten dabei beachtet werden:
• Verständlicher Pensionsplan: Das Wichtigste vorweg: Der Pensionsplan sollte einfach,
verständlich formuliert und vorteilhaft für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sein.
• Beitragsorientierte bAV: Garantien in der bAV sollten auf das gesetzlich notwendige
Maß beschränkt werden. Moderne bAV-Pläne sind beitrags- statt leistungsorientiert
und nutzen die Chancen der Kapitalmärkte durch Lebenszyklusmodelle.
• Mit gutem Beispiel vorangehen – das Arbeitgeber-Matching: Die Zuzahlungen des
Arbeitgebers bis zu einer bestimmten Höhe – das sogenannte Matching – stellen für die
Mitarbeiter einen starken Anreiz dar, sich mit zusätzlichen Beiträgen zu engagieren.
• Mitarbeitern Freiräume geben: Voraussetzung für einen Erfolg ist außerdem, dass
Arbeitnehmer die volle Flexibilität haben, die Beiträge jederzeit anzupassen oder die
Einzahlung in die bAV ganz zu stoppen. Intelligente Anlagekonzepte auf der Basis von
Lebenszyklusstrategien haben sich hierfür als besonders geeignet erwiesen.
• Mitarbeiterkommunikation stärken: Ein offener Austausch mit den Mitarbeitern, prä-
gnant formulierte Broschüren, weiterführende Informationen durch Präsentationen auf
Mitarbeiterveranstaltungen und individuelle Sprechstunden helfen dem Mitarbeiter in
seiner Entscheidungsfindung.
Einführung einer bAV
CHECKLISTE
Aktien Schwellenländer
Aktien Entwickelte Welt (ex Europa)
Aktien Europa
Anleihen
Geldmarkt
Anteil der Anlageklassen am
Fondsvermögen (in Prozent)
Jahre vor
Zieldatum
25
100
80
60
40
20
0
20
15
10
5
0
Je jünger der Arbeitnehmer, desto höher der wachstumsorientierte Anteil. Je näher der
Renteneintritt rückt, desto stärker wird in sicherheitsorientierte Anlagen umgeschichtet.
UMSCHICHTUNGSMODELL
QUELLE: FIDELITY WORLDWIDE INVESTMENT