personalmagazin bAVspezial 4/2015 - page 30

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SPEZIAL BAV
_PENSIONSPLÄNE
spezial bAV 04/15
Mehr liefern statt versprechen
ALTERNATIVE.
Statt konkreter Zinsgarantien für Pensionszusagen bieten immer mehr
Unternehmen ihren Mitarbeitern die Teilnahme an Investmentfonds.
Von
Christof Quiring
D
ie Niedrigzinspolitik der No-
tenbanken und die damit ver-
bundene Belastung für Sparer
bei ihrer privaten Altersvorsor-
ge: Darüber wird derzeit viel diskutiert.
Dabei wird jedoch häufig übersehen, dass
die niedrigen Zinsen immer stärker auch
die Einrichtungen der betrieblichen Al-
tersvorsorge (bAV) unter Druck bringen.
Schließlich können auch sie mit konserva-
tiven Kapitalanlagen nicht mehr die Ren-
diten erzielen, die sie benötigen, um ihre
zugesagten Verpflichtungen zu erfüllen.
Kein Wunder, dass die Pensionsverpflich-
tungen immer stärker die Unterneh-
mensbilanzen belasten: Laut aktuellen
Schätzungen der Unternehmensberatung
Mercer betragen die Pensionsrückstel-
lungen der DAX-30-Unternehmen aktuell
rund 373 Milliarden Euro, von denen etwa
57 Prozent durch dezidiertes Pensions-
vermögen gedeckt sind.
Die Mehrzahl der bAV-Zusagen ist mit
Zinsgarantien ausgestattet, die deutlich
über dem heutigen Zinsniveau liegt.
Noch vor wenigen Jahren hätten sich
die wenigsten Kapitalmarktexperten
vorstellen können, dass die jährliche
Verzinsung einer Bundesanleihe unter
ein Prozent fallen würde. Mit Unterneh-
mensanleihen sehr guter Bonität sind
ebenfalls nicht mehr als zwei Prozent zu
erzielen.
Dadurch werden die in der Vergan-
genheit erteilten Zinsgarantien für die
Trägerunternehmen teuer. Und für die
Zukunft wird das Renditepotenzial ein-
geschränkt, weil das Risikobudget zur
Erzielung einer Rendite über dem Garan-
tiezins erheblich eingeschränkt wird. Die
Folge: Der Kapitalmarkt unterstützt beim
Aufbau des individuellen Vorsorgekapi-
tals weniger als eventuell in Hochrech-
nungen angenommen.
Verzicht auf Zinsgarantien
Daher verzichten immer mehr Unter-
nehmen in ihren Pensionszusagen auf
eine konkrete Zinsgarantie. Stattdessen
lassen sie ihre Mitarbeiter an der Wert-
entwicklung eines Investmentfonds par-
tizipieren, in den Arbeitgeber- und/oder
Arbeitnehmerbeiträge investiert wer-
den. Dabei erhält der Mitarbeiter min-
destens den nominalen Wert der einge-
zahlten Beiträge. Diese Fonds sollten so
investieren, dass sie den Anlegern eine
Teilhabe am globalen Wirtschaftswachs-
tum ermöglichen – also insbesondere in
Aktien anlegen.
Immer beliebter werden in diesem
Zusammenhang sogenannte Lebenszy-
klusfonds, die sich automatisch an die
jeweilige Lebensphase des Anlegers
anpassen. Die Kapitalanlage des Le-
benszyklusmodells orientiert sich am
individuellen Investmenthorizont des
Arbeitnehmers, der sich aus der verblei-
benden Zeit bis zum voraussichtlichen
Renteneintritt ergibt (siehe Grafik).
Je weiter der im Pensionsplan vorge-
sehene Renteneintritt in der Zukunft
liegt, desto mehr investiert der Fonds
in wachstumsorientierte Investments,
in erster Linie Aktien von global operie-
renden Unternehmen. Etwa 20 Jahre vor
dem Zielzeitpunkt beginnt der Fondsma-
nager sukzessive mit der Beimischung
wertstabilerer Anlagen wie Anleihen
oder Geldmarktprodukte.Während des
dynamischen Umschichtungsprozesses
hat der Fondsmanager stets den Markt
im Blick und kann anders als bei sta-
tischen Modellen flexibel auf dessen
Entwicklung reagieren. Auf diese Weise
bieten die Fonds ein optimales Risiko-
Rendite-Verhältnis während der gesam-
ten Laufzeit.
Praxistest bestanden
Dass Lebenszyklusfonds den Praxistest
bestehen, zeigt beispielhaft ein Spar-
plan auf den Fidelity Target (Euro) Fund
2015, einem der ersten Lebenszyklus-
fonds für den deutschen Markt, der im
September 2003 aufgelegt wurde. Bei
monatlich eingezahlten 100 Euro wur-
de von September 2003 bis Ende 2014
– trotz Finanzkrise 2008 – nach Kosten
aus 13.600 eingezahlten Euro ein Ver-
mögen von 18.661 Euro aufgebaut. Die
Rendite betrug während dieses Zeit-
raums nach allen Kosten 6,1 Prozent
jährlich. Dass diese modernen Konzepte
Während des dyna-
mischen Umschich-
tungsprozesses hat der
Fondsmanager stets
den Markt im Blick und
kann flexibel auf dessen
Entwicklung reagieren.
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