Immobilienwirtschaft 7-8/2016 - page 20

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MARKT & POLITIK
I
TITELTHEMA
BEREITS AB ZEHN EURO
Ebenfalls mit einem größeren demWert-
papierhandelsgesetz unterliegenden Projekt – demMiddendorf-
Haus in Hamburg – reihte sich 2014 die Berliner Plattform Berg-
fürst in die Reihe der Immobilienfinanzierer neuen Typs ein.
Mittlerweile vermittelt Bergfürst jedoch wie die Mehrzahl seiner
Wettbewerber vorrangig Nachrangdarlehen gemäß dem Klein-
anlegerschutzgesetz. Beteiligen können sich Investoren bereits
mit zehn Euro, während die Mindestsumme sonst 250 oder 500
Euro beträgt. Manche Investoren, begründet Bergfürst-Vorstand
Dr. Guido Sandler diese extrem niedrige Grenze, wollten erst
einmal testen, ob das Modell funktioniere, und investierten dann
in einem zweiten Schritt deutlich mehr Geld. Über alle Anbie-
ter hinweg beträgt laut der Studie von iFunded der Median der
Zeichnungssummen übrigens 500 Euro.
Aufsehen erregt hat Bergfürst vor wenigen Wochen mit
seinem jüngsten Angebot: Während die Crowdinvesting-Sze-
ne bisher vor allem auf kleinere Wohnprojekte setzte, sucht
Bergfürst jetzt Investoren, die sich an einem Portfolio aus 13
über Deutschland verteilten Supermärkten und Discountern
beteiligen. In der Branche hört man skeptische Stimmen, ob die
angestrebte Zeichnungssumme von 2,5 Millionen Euro erzielt
werden könne. Sandler zeigt sich hingegen zuversichtlich – auch
unter Verweis auf die geplante Zusammenarbeit mit einem di-
gitalen Vertrieb. Doch nähert sich damit das Geschäftsmodell
nicht dem „alten“ Modell des Geschlossenen Immobilienfonds
an, von dem sich die FinTechs doch gerade abgrenzen wollen?
Dies verneint Sandler: Es bleibe dabei, dass die Investoren
(anders als bei Fonds) keine Gebühren entrichten müssten.
Den zur Unterstützung eingeschalteten Vertrieb bezahlt Sand-
ler aus der Gebühr, welche die Projektentwickler an Bergfürst
überweisen.
MARKETING ALS WICHTIGER ASPEKT
Zu denwenigen Plattformen,
die derzeit mehrere Immobilienprojekte präsentieren, gehört ne-
ben Exporo und Bergfürst auch Zinsland aus Hamburg. „Wir
bereiten gerade größere Projekte vor“, sagt Zinsland-Geschäfts-
führer Carl von Stechow. Ebenfalls ehrgeizige Ziele verkündet
das Berliner Start-up iFunded. „Unsere Vision ist es, eine globa-
le Immobilienfinanzierungsplattform aufzubauen“, erklärt Ge-
schäftsführer Michael Stephan. Geplant ist nach seinen Worten,
Investoren aus unterschiedlichen Ländern nicht nur die Beteili-
gung an Wohnprojekten, sondern auch an gewerblichen Immo-
Fotos: Bergfürst
Bergfürst AG
DIE GRÜNDER
Gegründet wurde die Bergfürst AG von
Dr. Guido Sandler
(Foto, Gründer der Berliner Effektenbank AG und der
E*Trade Bank AG) und
Dennis Bemmann
(Gründer von
studiVZ).
*
DIE IDEE
Bergfürst ist eine Immobilien-Crowdinvesting-
Plattform, auf der Anleger in Immobilien in-
vestieren können, ohne die üblichen Agios,
Verwaltungs- oder Provisionskosten zu zahlen.
Die Nutzer stellen den Immobiliengesellschaf-
ten Mezzanine-Kapital zur Verfügung. In dieser
attraktiv verzinsten Anlageklasse kamen bisher
nur institutionelle Großinvestoren zum Zuge, da
nur sie das gefragte Kapital aufbringen konnten.
Bergfürst öffnet diese Assetklasse nun auch für
Privatinvestoren. Hier stemmen viele Anleger
gemeinsam die benötigte Finanzierungssumme
und jeder Einzelne kann von den Zins-Konditi-
onen für Großinvestoren profitieren. Und das
kostenfrei für unsere Anleger. Dazu verfügt Berg-
fürst über einen Handelsplatz, auf dem man sei-
ne Investments laufzeitunabhängig, im Rahmen
von Angebot und Nachfrage, handeln kann.
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*Eigene Angaben des Unternehmens
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