DIE WOHNUNGSWIRTSCHAFT 10/2015 - page 18

STÄDTEBAU UND STADTENTWICKLUNG
16
10|2015
Thomas Knorr-Siedow, Dipl.-Ing. Christine Fuhrmann M. Sc., Felix Beulig B. Sc., Erik
Perspektive Hinterhof
Phase 1
o.M.
Phase 2
o.M.
1,50
3,13
9,30
4,45
27,88
8,65
0,85
2,26
0,96
3,58
0,3 1,4
Schnitt AA
M 1:100
Modellprojekt zur Inklusion von Roma-Familien
Nicht zufällig im Mainstream –
Gewobag engagiert sich mit „Bunte 111“
Das Quartier, der Kiez – das ist die räumliche Ebene, auf der soziale Probleme sichtbar werden, aber
auch der Ort, an dem soziale Projekte sinnvollerweise ansetzen. So auch ein Projekt des Berliner
Wohnungsunternehmens Gewobag. Mit einem Bündel vielfältiger, kleinteiliger Maßnahmen und in
Kooperation mit lokalen Vereinen wurde ein Integrationsprojekt für Roma umgesetzt. Es setzt auf die
Beteiligung der Bewohner und auf künstlerische Gestaltung der Außenräume.
Sprachen lernen ist heute sehr einfach – z. B. mit
der Internetplattform Babbel. Dort werden zwölf
Sprachen angeboten – registrieren, einloggen und
los geht’s, ob amComputer zu Hause oder auf dem
Smartphone unterwegs. Babbel vermittelt Spra-
chen spielerisch, wird zugesichert, und bevor einer
eine Reise tut, sollte er doch mal vorbeischauen.
Doch davon träumt der 14-jährige Slorin nicht
einmal. Der Roma-Junge mit den pechschwarzen
Haaren und dunklen Augen, in Jeans und gelbem
T-Shirt müht sich gerade, den Buchstaben C
(klein und groß) säuberlich auf die Linien einer
DIN-A4-Seite so zu schreiben, dass seine Lehrerin
zufrieden ist.
Slorin spricht keinWort Deutsch oder Rumänisch,
er kann diese Sprachen nicht lesen und schreiben,
auch nicht seineMuttersprache Romanes. Er ist ein
Rom, seine Familie gehört den Roma an. Sie sind
Flüchtlinge aus Rumänien und leben seit 2011 in
Berlin. Etwas später sitzen mit Papier und Blei-
stift Frauen im gleichen Raum an diesem Tisch
und lernen noch weitere, ihnen bereits bekannte
deutsche Wörter zu schreiben. Sie sind schon „al-
phabetisiert“ und darauf ziemlich stolz.
Soziale Stadtteilentwicklung
Fünf Roma-Familien, insgesamt 33 Menschen,
wohnen nun hier in der Scharnweberstraße 111
imBezirk Reinickendorf imNorden Berlins. ImJahr
2013 erwarb die kommunaleWohnungsbaugesell-
schaft Gewobag das völlig heruntergekommene
Haus, wo noch viel mehr Menschen als zuträglich
in sozial unwürdigen Verhältnissen nur hausten,
von einem Immobilienfonds und verwarf den
Räumungstitel (siehe hierzu auch DW 3/2015,
Karin Krentz
freie Wirtschaftsjournalistin
Berlin
Quelle: Gewobag
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