REGION_REPORT_RHEIN_NECKAR 06/2016 - page 20

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REGIONREPORT
RHEIN-NECKAR
I
EINZELHANDEL
Mehr als Einkaufen
Foto: jan kranendonk / Shutterstock.com
Die Fußgängerzonen sind – wie hier in Heidelberg – voll, der Einzelhandel brummt.
tionen geeignete Objekte erwerben. Auf
der Suche nach Potenzialen entwickeln sie
ein wachsendes Interesse an attraktiven
Mittelstädten, die ein risikoarmes Inves-
titionsumfeld bieten.
In den Fußgängerzonen und Einkaufs-
straßen europäischer Großstädte war be-
reits in den letzten Jahren ein Trend zur
Veränderung der Ladenflächen ablesbar,
der nun auch auf die Mittelstädte über-
greift. Getreu dem Grundsatz „Tiefe vor
Breite“ entschiedman sich zunehmend für
eine strategische Neuausrichtung der Ein-
zelhandelspräsenzen. Immer zahlreicher
werden die ein- bis zweigeschossigen
Stores, die mit einem zielgruppenopti-
mierten Angebot glänzen, während das
Kaufhaus und kleinere Shoppingcenter
einen fortgesetzten Bedeutungsverlust
erfahren.
GASTRONOMIE GEWINNT AN BEDEUTUNG
Während sich also die Aufstellung der 1A-
Lagen langsam verändert, gewinnt ihre
gastronomische Komponente zukünftig
an Bedeutung. Längst ist bekannt, dass
der Einkauf in den Innenstädten nicht
nur die einfache Bedarfsdeckung dar-
stellt. Stadtplaner und Expansionsverant-
wortliche setzen bereits seit Jahren auf ein
„Einkaufserlebnis“, das untrennbar mit
den Top-Lagen verbunden scheint. Der
Einkauf wird als „Shopping“ zum kon-
kurrenzlosen sozialen Erlebnis, nahezu
unbeeinflusst vom wachsenden Anteil
des Online-Handels. Neue Gastronomie-
konzepte, die parallel zu den etablierten
Einkaufsstraßen oder an deren Rande
entstehen, werden das Gesamtangebot
abrunden. Am Ende profitieren dabei
beide Branchen voneinander, indem sie
die Besucherströme zuerst anziehen und
dann zum Verweilen einladen.
Der Einzelhandel der Rhein-Neckar-
Region wird zukünftig dem Vorbild der
deutschen Metropolen folgen. Dessen
Bestandteile sind die Ausweitung der
Einkaufslagen, ein dynamisch agierender
stationärer Handel und ein Anwachsen
der flankierenden Innenstadtgastrono-
mie. Alles in allem: ein Erfolgsrezept, wie
geschaffen für die Region.
D
as Jahr 2015 war ein weiterer Super-
lativ für den deutschen Einzelhandel.
Das kräftige Wirtschaftswachstum
sorgte für Rekordumsätze im stationären
und digitalen Handel. Besonders erfreu-
lich: Ein Ende des Aufschwungs scheint
selbst in eher zurückhaltenden Prognosen
unwahrscheinlich. Der Süden der Bun-
desrepublik steht seit jeher, vollkommen
zu Recht, im Fokus der fortschreitenden
Einzelhandelsexpansion. Das wirtschaft-
liche Klima sowie die geografischen und
demografischen Grundvoraussetzungen
bescheren der Region traumhafte Kenn-
zahlen. Insbesondere die Metropolregion
Rhein-Neckar kann dabei aktuell vom an-
haltenden Zuzug und steigenden Beschäf-
tigungszahlen profitieren. Ihr Trumpf ist
die Lage zwischen der Metropolregion
Rhein-Main im Norden und der Landes-
Der Einzelhandel der Rhein-Neckar-Region will zukünftig dem
Vorbild der deutschen Metropolen folgen. Shoppen soll zum
„sozialen Erlebnis“ werden, der Markt davon profitieren.
hauptstadt Stuttgart im Süden, die sie zu
einemattraktiven Bindeglied zweierWirt-
schaftsschwerpunkte macht.
Besondere Bedeutung genießen die
beiden größten Städte des Städtegürtels:
Mannheim und Heidelberg. Als Ober-
zentren der Rhein-Neckar-Region sind
sie zugleich auch die lokal bedeutsamen
Einzelhandelsstandorte, die den Löwen-
anteil der regionalen Kaufkraft akkumu-
lieren. ImVorjahr flossen hier mehr als 30
Prozent der verfügbaren Gesamtkaufkraft
in den lokalen Einzelhandel.
Derlei erfolgreiche und wirtschaftlich
gesunde Standorte sind attraktiv für in-
stitutionelle Anleger. Die dank der euro-
päischen Zinspolitik unter Renditedruck
stehenden Investoren können in den deut-
schen Millionenmetropolen und Groß-
städten aktuell nur zu Ausnahmekondi-
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Julia Determann, Lührmann Deutschland GmbH
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