REGION_REPORT_RHEIN_NECKAR 06/2016 - page 14

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REGIONREPORT
RHEIN-NECKAR
I
QUARTIERSENTWICKLUNG
ation sorgen. Direkt neben dem Bahnhof
entstehen auf sieben oberirdischen und
zwei unterirdischen Ebenen 600 Parkplät-
ze. Außerdemwerden 50 Abstellplätze für
Fahrräder und zehn Ladestellen für Elek-
troautos eingerichtet.
UMBAU DES ALTEN LOKSCHUPPENS
Einen
weiteren Impuls für das neue Stadtquartier
setzt der Umbau des alten Lokschuppens,
mit dem die Investoren Matthias Jarcke,
Dirk Kuchenbuch und Martin Köster im
Januar begonnen haben. Die Unterneh-
Unbebaute Flächen sind knapp,
die Entwicklung lebendiger
Quartiere zeit- und kosten-
intensiv. Andreas Epple zu
den Herausforderungen auf
dem Weg vom ungeliebten
Industriequartier zum Standort,
in dem die Menschen wieder
gerne wohnen, arbeiten und
einkaufen.
Herr Epple, Sie haben im
vergangenen Jahr die 1982
erbaute ehemalige Haupt-
verwaltung der Heidelberger
Druckmaschinen erworben. Bis
in ein nicht mehr benötigtes
Gebäude neue Mieter einzie-
hen oder daraus ein lebendiges
Quartier entstanden ist, sind
viele Schritte notwendig. Wel-
che Phasen kennzeichnen eine
solche Entwicklung?
An jedem
Projekt sind eine Vielzahl von
Partnern aus Politik, Verwaltung,
Wirtschaft, Städtebau, Immobilien-
wirtschaft oder weitere Institu-
tionen und Verbände beteiligt.
Die unterschiedlichen Interessen
all dieser Beteiligten müssen
aufgenommen, koordiniert und
zusammengeführt werden, bis
ein tragfähiges Gesamtkonzept
entsteht. Wir haben von Beginn
an das Ziel, eine Projektentwick-
lung im Konsens aufzusetzen,
und zwar gleichgültig ob es für
das Areal bereits einen gültigen
Bebauungsplan gibt oder ob ein
solcher beispielsweise im Zuge
einer Konversion erst noch erstellt
werden muss. Von großer Be-
deutung ist die Entwicklung eines
marktfähigen Konzepts. Dabei
lassen wir uns gerne von einer
Leitidee inspirieren, die entweder
eine ganz neue Identität erschafft
oder an die Historie des Ortes
anknüpft. Ein Königsweg ist bei
Großprojekten oft das Instrument
des Architektenwettbewerbs, um
die beste von vielen möglichen
Lösungen zu erzielen. Durch die
Einbindung möglichst vieler Pro-
tagonisten in die Bewertung des
umzusetzenden Siegerentwurfs
gelingt es damit häufig, auch in
den Entscheidungsgremien ein-
stimmigen Konsens zu finden.
Verursacht dieser zeitinten-
sive Prozess nicht erhebliche
Vorlaufkosten?
Das ist richtig,
aber aus unserer Sicht sind diese
Kosten und die dafür benötigte Zeit
gut investiert, um eine qualitäts-
volle Lösung sicherzustellen. Gerne
suchen wir auch für die von uns
erworbenen Flächen sinnvolle
Zwischennutzungen. Dabei sind
wir auch für ungewöhnliche
Nutzungen offen. Häufig nutzen
Künstler, Kreative oder Jugendpro-
jekte diese Angebote.
Projektentwickler, Investor
und Kommune haben unter-
schiedliche Sichtweisen und
Anforderungen. Wie lassen sich
diese unter einen Hut bringen?
Ich halte es für ein gesellschaft-
lich gepflegtes Vorurteil, dass es
zwischen Investoren und Kom-
munen strukturell divergierende
Interessen gibt. Kommunen wollen
eine gute städtebauliche Entwick-
lung; das wollen anspruchsvolle
Investoren auch. Nach meiner
Erfahrung gibt es Hürden im Ver-
ständnis, in der Sprache oder beim
Anspruch. Dass sich am Ende jede
Projektentwicklung rechnen muss,
ist niemals strittig. Alle Beteiligten
müssen eben so lange konstruktiv
miteinander reden, bis man einen
tragfähigen Kompromiss gefunden
hat. Das ist manchmal mühsam,
aber immer lohnend – für die Zu-
sammenarbeit und für das Projekt.
Bürger drängen heute auf
umfassende Beteiligung. Für
Projektentwickler bedeutet
dies häufig erhöhten Zeit- und
Mitteleinsatz. Wie sehen Ihre
Erfahrungen aus?
Bürger sind
viel mündiger, als ihnen das
bisweilen zugeschrieben wird. Es
geht um die Bereitschaft, einander
zuzuhören und gegenseitiges Ver-
ständnis zu entwickeln. Bedenken
lösen sich oft auf, wenn Vertrauen
wächst, das freilich auch gerecht-
fertigt sein muss. Glaubwürdig
zu argumentieren und ehrlich zu
handeln, ist meiner Erfahrung nach
ein Garant für Akzeptanz. Freilich
braucht das Zeit, aber die ist gut
investiert. Denn nichts ist so teuer
wie das Lösen von Konflikten,
bei denen sich gegensätzliche
Positionen aufgebaut und Fronten
verhärtet haben. Meine Erfahrung
ist, dass offene und frühzeitige
Information sowie Klarheit und
Fairness im Gespräch eine Pro-
jektentwicklung nicht behindern,
sondern voranbringen.
Konsens als Leitidee
INTERVIEW
MIT ANDREAS EPPLE
Andreas Epple ist Geschäfts-
führer der 1984 gegründeten
Epple-Unternehmensgruppe.
Diese entwickelt Wohnungs-
bauprojekte. Für gelungene
Ensemble-Qualität und
Nachbarschaftskonzepte
sowie richtungsweisende
Architektur wurde das Un-
ternehmen bereits vielfach
ausgezeichnet.
mer wollen dort Büros für ihre Betriebe
einrichten. In dem Werkstattgebäude hin
zu Lindenhof undHanns-Glückstein-Park
ist Gastronomie geplant. Außerdem wird
die Schienenfahrzeughalle, die zunächst
dem Bau der Glücksteinallee weichen
musste, wieder aufgebaut. Für die erfor-
derlichen Parkplätze wird unter demPlatz
eine Tiefgarage gebaut. Das Projekt soll
2017 abgeschlossen sein.
Auch auf anderen Baugrundstücken
im Glückstein-Quartier bewegt sich viel.
EntlangdemkünftigenHanns-Glückstein-
Park realisiert Bauherr Diringer & Schei-
del (D&S) auf einem 8.885 Quadratmeter
großen Grundstück das Wohnprojekt
„Glückstein V“. Bis Ende 2017 entstehen
fünf Stadtvillen mit 52 Eigentums- und
48 Mietwohnungen und 136 Tiefgaragen-
plätzen. Den anonymen Investoren-Bie-
terwettbewerb gewann D&S gemeinsam
mit demArchitekturbüro Blocher Blocher
Partners Stuttgart/Mannheim, dessen Pla-
nungskonzept von der städtischen Jury
2015 mit dem ersten Rang ausgezeichnet
wurde. Das Besondere: Die fünf Häuser
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