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REGIONREPORT
RHEIN-NECKAR
I
LOGISTIK
Logistikmarkt: Was fehlt,
sind die geeigneten Flächen
Trotz der guten Nachfrage ist die Freude
aber nicht ungetrübt. AlsWermutstropfen
ist vor allem das viel zu geringe Angebot
an modernen Logistikflächen zur Anmie-
tung zu nennen, das es vielen Unterneh-
men erschwert, ihre Flächen- und Expan-
sionspläne auch umzusetzen. Oft bleibt
ihnen nichts anderes übrig, als Objekte
selbst zu bauen oder sie sich von Projekt-
entwicklernmaßgeschneidert errichten zu
lassen. Immer häufiger sind deshalb auch
Ausweichprozesse zu beobachten, bei
denen Unternehmen im Umland Mann-
heims oder den übrigen Landkreisen der
Region Grundstücke suchen, weil sie dort
günstiger sind. Hiervon profitieren unter
anderem Standorte im Landkreis Bad
Dürkheim, im Rhein-Pfalz-Kreis oder im
Kreis SüdlicheWeinstraße. Und Standorte
wie Speyer, Haßloch, Landau, Frankenthal
oder Germersheim, die bislang vor allem
regionalen Marktteilnehmern bekannt
waren, rücken zunehmend auch ins Blick-
feld von großen nationalen und internati-
onalen Nutzern und Investoren.
Eine Möglichkeit, dem Flächeneng-
pass zu begegnen, stellt die Umnutzung
von Konversionsflächen dar. So kann
nicht nur dringend benötigtes Angebot
geschaffen werden, sondern gleichzei-
tig können auch brachliegende Areale,
häufig in relativ zentralen Lagen, wieder
einer neuen Nutzung zugeführt werden.
Ein gutes Beispiel ist der rund 46 Hektar
große Standort der ehemaligen Taylor
Barracks in Mannheim, der 2013 von der
Stadt erworben und erschlossen wurde.
Mittlerweile ist über die Hälfte der
Fläche bereits vergeben, unter anderem
an namhafte Unternehmen wie DHL,
die Rudolph Logistik-Gruppe oder die
Transco-Logistik GmbH. Die große
Nachfrage und zeitnahe Vergabe zeigt,
wie schnell neue Flächenangebote aufge-
nommen werden. Mittlerweile stehen le-
diglich kleinere Grundstücke für mittel-
ständische Unternehmen zur Verfügung.
Große Logistiker, die Flächen deutlich
über 10.000 Quadratmeter benötigen,
müssen sich dagegen schon wieder auf
die Suche nach nur bedingt vorhandenen
Standortalternativen machen.
D
ie Metropolregion Rhein-Neckar ge-
hört zu den aktivstenWirtschaftsräu-
men Deutschlands. Vor allen Dingen
global erfolgreiche produzierende Unter-
nehmen stehen für den wirtschaftlichen
Erfolg dieser Region. Neben klangvollen
Namen wie BASF, Heidelberg Cement
oder SAP sorgt eine breite Basis leistungs-
starker und innovativer Mittelständler für
ein funktionierendes und dynamisches
Umfeld. Ein überdurchschnittlicher An-
Die Rhein-Neckar-Region zählt zu den fünf umsatzstärksten
deutschen Logistik-Agglomerationen. Und sie könnte noch viel
erfolgreicher sein. Das knappe Flächenangebot hindert viele
Unternehmen, ihre Expansionspläne umzusetzen.
teil an Großunternehmen und ein Brut-
toinlandsprodukt pro Kopf, das über dem
bundesweiten Schnitt liegt, sind Indizien
für die wirtschaftliche Stärke der Rhein-
Neckar-Region. Dass diese Region aber
nicht nur ein bedeutender Industriestand-
ort ist, sondern auch im Logistikbereich
zu den führenden Hubs in Deutschland
gehört, wird vor diesemHintergrundmit-
unter etwas aus den Augen verloren.
MANNHEIM IM FOKUS DER NACHFRAGE
In
der Summe der letzten drei Jahre zählte
die Rhein-Neckar-Region zu den fünf um-
satzstärksten Logistik-Agglomerationen
Deutschlands. Nur in Hamburg, Frank-
furt, Berlin und Düsseldorf wurden noch
mehr Logistikflächen angemietet oder für
den Eigennutz errichtet. Im Jahr 2015 bei-
spielsweise wurde ein Flächenumsatz von
gut 300.000 Quadratmetern registriert.
Im Fokus der Nachfrage steht dabei
Mannheim, wo auch einige der größten
Verträge abgeschlossen wurden. Hierzu
gehört zum Beispiel ein Neubau über
rund 24.000 Quadratmeter auf dem Are-
al der ehemaligen Taylor-Kaserne, den
die Transco-Logistik GmbH anmieten
wird. Benötigt werden die Flächen in ers-
ter Linie für die Teilelagerung und Vor-
montage zur Just-in-time-Versorgung des
Werks der Daimler AG in Mannheim.
Aber auch außerhalb Mannheims wurde
eine rege Nachfrage registriert, wie der
Eigennutzer-Neubau der Kartoffel Kuhn
GmbH über etwa 22.500 Quadratmeter
beweist, die sich für einen neuen Standort
in Frankenthal-Eppstein entschieden hat.
Christopher Raabe
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„Die Umnutzung von
Konversionsflächen ist
eine Möglichkeit, dem
Flächenengpass zu
begegnen.“
Christopher Raabe,
Head of Industrial
Letting der BNP Paribas Real Estate GmbH