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REGIONREPORT
RHEIN-NECKAR
I
AUSBLICKE
jektbeteiligten und fördert die Kommu-
nikation. Aus den bisherigen Erfahrungen
zieht die Bahn ein positives Fazit und
will BIM daher künftig auch bei anderen
Großprojekten einsetzen.
EFFIZIENZ DURCH VIRTUELLES BAUAMT
Ar-
chitekten, Projektentwickler und Bauträ-
ger müssen eine Fülle von Vorschriften,
Fristen und Verfahrenswegen beachten,
sodass Baugenehmigungsverfahren häu-
fig mit langen Bearbeitungszeiten ein-
hergehen. In der Metropolregion Rhein-
Neckar sollen imRahmen des Modellvor-
habens „Kooperatives E-Government in
föderalen Strukturen“Unternehmen einen
einheitlichen Zugang zu den 26 Unteren
Baubehörden erhalten undMöglichkeiten
für eine elektronische, organisationsüber-
greifende Beteiligung entwickelt werden.
Das „Virtuelle Bauamt“, das Verwaltung
und Wirtschaft vernetzt, soll Prozessdau-
er, Informationsverluste an den Schnitt-
stellen und Bürokratiekosten verringern.
Für die Metropolregion stellen ein-
fache und schnelle Verwaltungsprozesse
einen nicht zu unterschätzenden Stand-
ortvorteil im globalen Wettbewerb dar.
Eine gewisse Herausforderung für die
Erarbeitung eines länderübergreifenden
Standards stellen jedoch noch die Unter-
schiede in den jeweiligen Landesbauord-
nungen dar.
Foto: Deutsche Bahn
nen und Bauen große Potenziale für mehr
Qualität, Effizienz und Schnelligkeit. Buil-
ding Information Modeling (BIM) bildet
den gesamten Lebenszyklus eines Baupro-
jekts virtuell ab: vom Entwerfen und Pla-
nen eines Bauwerks über den Bau und den
Betrieb bis zu seinem Abriss. Durch diese
Innovation erhalten alle Beteiligten Zu-
griff auf virtuelle Pläne, die Steuerung von
Prozessen, umfangreiche Datenbanken
und 3D- bis 5D-Bauwerksmodelle. Bis
zum Jahr 2020 soll BIM nach dem Wil-
len das Bundesministeriums für Verkehr
und digitale Infrastruktur der einheitliche
Standard für Verkehrsinfrastrukturpro-
jekte werden.
In der Metropolregion Rhein-Neckar
kommt die Technologie beim Bau des
Bahntunnels Rastatt zum Einsatz, der Teil
der Ausbau- und Neubaustrecke Karls-
ruhe – Basel ist. Der Tunnel unterquert
das gesamte Stadtgebiet von Rastatt und
die Federbachniederung mit einer Länge
von 4.270 Metern. Die DB Netz AG testet
mit dem Pilotprojekt das Potenzial der
neuen digitalen Arbeitsmethode. Neben
der Simulation von Planung, Ablauf und
Nutzung des Tunnels fließen auch Ter-
minplan- und Kostenwerte in das Mo-
dell mit ein. Dadurch können Bau- und
Kostenverläufe vorab simuliert und bei
drohenden Mehrkosten frühzeitig gegen-
gesteuert werden. Die Nutzung derselben
Informations- und Datenplattform ver-
bessert zudem die Vernetzung aller Pro-
Das digitale Managen
von Bauprojekten wird in
der Modellregion beim
geplanten Bahntunnel in
Rastatt erprobt.
«
Gabriele Bobka
I
n der Metropolregion Rhein-Neckar
ist Vernetzung Programm: Über die
Ländergrenzen von Baden-Württem-
berg, Hessen und Rheinland-Pfalz hin-
weg arbeiten Kommunen, Wirtschaft
und Wissenschaft eng zusammen. Für
die kommenden Jahre übernimmt sie
als Modellregion eine Vorbildfunktion
bei der Umsetzung der digitalen Agenda
des Bundes. Die Rhein-Neckar-Region
mit ihren global tätigen Unternehmen,
ihrem starken Mittelstand und ihren for-
schungsstarken Hochschul- und Wissen-
schaftseinrichtungen hat die besten Vo-
raussetzungen, sich zu einer Leitregion für
die Digitalisierung öffentlicher Infrastruk-
turen als Grundlage einer neuen digitalen
Standortpolitik in föderalen Strukturen zu
entwickeln.
BAUPROJEKTE DIGITAL MANAGEN
Zur Er-
arbeitung eines regionalen Umsetzungs-
konzepts für eine ebenen- und branchen-
übergreifende Vernetzung undDigitalisie-
rung öffentlicher Infrastrukturen richtete
die Gesellschaft Metropolregion Rhein-
Neckar Anfang des Jahres eine Stabsstelle
„Digitale Modellregion“ ein. Die Metro-
polregion bezieht dabei bestehende Netz-
werke, Aktivitäten und Initiativen mit
ein. 2017 soll der nationale IT-Gipfel in
der Metropolregion mit Ludwigshafen als
Hauptveranstaltungsort stattfinden.
Der Einsatz digitaler Technologien
birgt in den Bereichen Produzieren, Pla-
Unterwegs in die
digitale Zukunft
Die Metropolregion Rhein-Neckar ist
als digitale Modellregion für intelligent
vernetzte Infrastrukturen auf dem Weg
zur „Smart Region“. Im Jahr 2017 wird sie
Gastgeber des nationalen IT-Gipfels.