personalmagazin 12/2018 - page 66

HR-Management
personalmagazin 12.18
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Foto von Mateo Freudenthal: www.der-gottwald.de
„Wie geht es Dir? Gibt es etwas, woran wir arbeiten soll-
ten?“ Stellen Sie sich vor, Sie würden das Ihren Lebens-
partner genau einmal im Jahr fragen. Das deutet nicht nur auf
recht geringes Interesse hin, es bedeutet vor allem auch, dass
Sie vor einem Aufgabenberg stehen, den es erst einmal zu ana-
lysieren gilt. Bis Sie damit fertig sind, ist nichts mehr aktuell
und dringlichere Punkte sind hinzugekommen. Im nächsten
Jahr beginnen Sie wieder von vorne. Was absurd klingt, ist für
Mitarbeiterbefragungen der Standard. 85 Prozent aller Unter-
nehmen befragen ihre Mitarbeiter einmal pro Jahr oder seltener.
Was denken Sie, wie oft geht die Beziehung in die Brüche?
Unternehmen müssen in Zeiten, in denen Mitarbeiter hart
umkämpft sind, schneller verstehen, welche Maßnahmen zur
Befähigung, zu mehr Zufriedenheit sowie zu Produktivität und
Treue beitragen können. Pulse-Befragungen sind der Schlüs-
sel. Statt 40 Minuten in einen
mehrseitigen Fragenkatalog
zu investieren, teilt man im
Moment der Wahrheit mit,
was man fühlt. Durch eine
App auf dem Smartphone er-
hält man jede Woche einen
Fragebogen, der in maximal
60 Sekunden zu beantworten
ist. Dies bietet für die HR-Ab-
teilung klare Einblicke, wie
eigene Maßnahmen ankamen
und wie sich externe Fakto-
ren auswirken.
Wie wirkungsvoll ein sol-
ches Instrument sein kann,
hat mir die Zusammenarbeit
mit einem Callcenter gezeigt:
Hier wurde ein neuer Standort hinzugekauft – der Krankenstand
war fast doppelt so hoch wie an anderen Niederlassungen. Der
Personalleiter wollte die Gründe herausfinden, setzte auf die
Pulse-Befragung und erfuhr innerhalb kurzer Zeit, dass die
Kollegen unzufrieden waren, weil sie nicht selbst ihre Schichten
bestimmen konnten. Nach Einführung einer entsprechenden
Software-Lösung sank der Krankenstand auf Normalniveau.
Schnell und ehrlich
Es gibt natürlich auch Gemeinsamkeiten bei der klassischen
und der Pulse-Befragung. Beide erfordern Aufklärung darüber,
wieso Umfragen durchgeführt werden und was mit den Ergeb-
nissen geschehen soll. Beide setzen außerdem die Ehrlichkeit
der Antwortenden voraus. Die wiederum kann nur erwartet
werden, wenn das Management das entsprechende Mindset
hat: Meinungen sollen geäußert werden, ohne dass Nachteile
entstehen. Doch in Sachen Geschwindigkeit ist die Pulse-Be-
fragung einfach meilenweit voraus, und zwar auch dann, wenn
es an die Umsetzung der Maßnahmen geht!
Bei der klassischen Befragung fühlen sich viele Mitarbeiter
kaum ernst genommen, wenn im Anschluss nichts besser wird.
Das Vertrauen ist schlicht erschüttert. Dass die Ergebnisse zu-
dem oft spät bis gar nicht kommuniziert werden, trägt ebenfalls
nicht zum Engagement bei. Pulse-Umfragen hingegen sind mehr
als nur schöner Schein und Marketing-Mittel. Sie sind Werkzeug
für echte Mitarbeiterbeteiligung, für Partizipation und Mitgestal-
tung – und das kontinuierlich. Sie können sich aktueller Themen
annehmen und sind in so kurzer Zeit erledigt, dass sie nicht in
Stress ausarten, sondern sich der heute sehr volatilen und agilen
Welt anpassen. „Heute fragen, heute umsetzen“ lautet die Devise!
Die Ergebnisse versetzen HR und Management in die Lage, ein
akkurates und aktuelles Bild des Unternehmens oder eines Pro-
jektes zu zeichnen und im Bedarfsfall zu reagieren. Regelmäßig
die Umsetzung neuer Unternehmenswerte in global verteilten
Standorten abfragen und mit gezielten Maßnahmen eingreifen,
wo neue Standards noch nicht greifen? Schafft nur die Pulse-Be-
fragung. In Krisenzeiten wie Übernahmen die Unsicherheit der
Belegschaft innerhalb weniger Wochen in Jobsicherheit zu wan-
deln? Schafft nur die Pulse-Befragung. Natürlich im Einklang mit
Transparenz – und klarer Kommunikation.
MATEO FREUDENTHAL ist
Mitgründer und Geschäfts­
führer der Honestly MT GmbH
in Köln.
Pro und Contra
Mitarbeiter­
befragung
Brauchen wir in Zeiten von Instant Feedback
und Pulse Checks überhaupt noch klassische
Mitarbeiterbefragungen? Zwei Dienstleister
nehmen Stellung.
Die
Beziehung
täglich
pflegen!
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