HR-Management
personalmagazin 12.18
Foto: Denis Darzacq/VU/laif
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In praxisbezogenen Publikationen und Kongressen wird die
Rolle von HR in der Zukunft gegenwärtig kontrovers diskutiert.
Dabei stehen die „Es wird digital gearbeitet“-Optimisten den
„HR wird es nicht mehr geben“- Pessimisten in allen Facetten
gegenüber. Was bedeutet die Einführung agiler Prinzipien und
die verbundene Strukturveränderung für das Human Resources
Management und die Personaler?
Zunächst geht es darum, den Veränderungsprozess selbst
als elementare Aufgabe von HR zu managen. Zudem deutet
die abnehmende Standardisierung von Rollen und Jobprofilen
darauf hin, dass HRM in Zukunft eher wichtiger wird. Denn
während standardisierbare Prozesse, wie zum Beispiel die Ent-
geltabrechnung, durch die Digitalisierung und Shared Service
Center immer weiter an Bedeutung verlieren, rückt in einer
individualisierten Welt der Einzelne stärker in den Vordergrund.
Im ständigen Wandel sind Mitarbeiter in ihrer persönlichen
Kompetenzentwicklung und ihren Karrierezielen individueller
und persönlicher zu unterstützen. Dies ist umso wichtiger, weil
die klassische Vorgesetztenrolle in agilen Projektorganisationen
nicht mehr existiert und somit das Motivationsinstrument „Be-
förderung“ an Bedeutung verliert. Außerdem bedeutet die hohe
Agilität in diversen Projekten, dass es – im Vergleich zu klassi-
schen Abteilungen in Organisationen – weniger stabile soziale
Verbindungen für Mitarbeiter und eine höhere Unsicherheit für
den eigenen Karriereweg gibt.
Personaler wissen, dass viele Menschen diese Veränderung als
anstrengend empfinden. Als Beispiel mag die Veränderung von
festen Büros hin zu flexiblen Office-Konzepten dienen, bei denen
sich häufig wieder soziale Routinen mit (ungeschriebenen) fes-
ten Platzverteilungen entwickeln. Denn Arbeit hat eben auch
die wichtige Funktion der sozialen Interaktion mit geschätzten
PROF. DR. NICOLE BÖHMER lehrt BWL,
insbesondere Personalmanagement,
an der Hochschule Osnabrück. Sie forscht
sowohl zu internationalen Themen wie
dem globalen Talentmanagement und der
Karriereforschung als auch intensiv im
Bereich Führung.
FLORIAN FLEISCHMANN ist Experte im
Bereich HR Analytics. Er ist einer der bei-
den Gründer des Start-ups HR Forecast.
Das Unternehmen hat den HR Innovation
Award 2018 in der Kategorie Hard- und
Software erhalten.
PROF. DR. HEIKE SCHINNENBURG lehrt
BWL, insbesondere Personalmanage-
ment, an der Hochschule Osnabrück.
Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im
Change Management, im internationalen
Personalmanagement und in der Karriere-
forschung. Sie ist außerdem aktiv in der
Beratung mittelständischer Unternehmer.
HR wird zum
Katalysator für agile
Transformation.
Personaler müssen
dafür Sorge tragen,
dass Mitarbeiter
sich nicht nur über
ihre Kompetenzen,
sondern auch als
Mensch gesehen
fühlen. HR soll darum
künftig strategische
Veränderungen
initiieren und begleiten
sowie für Mitarbeiter als
Karriereförderer agieren.
So kann die Rolle
von HR in der
agilen Organisation
aussehen