Personalmagazin: Unter demStichwort NewWork wird der-
zeit vor allem diskutiert, wie wir künftig arbeiten. Öffnet
uns diese Debatte die Augen für die Zukunft unserer Jobs?
Jochen Wallisch: Frithjof Bergmann, der bereits vor über 30
Jahren den Begriff New Work geprägt hat, hat erst kürzlich in
Interview mit dem Personalmagazin kritisiert, dass New Work im
Verständnis vieler nur „Lohnarbeit imMinirock“ sei. Das trifft den
Nagel auf den Kopf. New Work ist in vielen Diskussionen lediglich
ein Modebegriff geworden, der nicht eindeutig definiert und des-
halb offenbar beliebig verwendbar ist. New Work wird als Label
für alles verwendet, was sich in irgendeiner Form rund um das
Arbeiten verändert, es moderner, einfacher und flexibler macht.
Und genau das greift zu kurz. New Work ist eben nicht arbeiten
wie bisher, nur mit W-Lan und im modernen Co-Working-Space.
Warum greift die Debatte zu kurz? Wie ist Ihr Ansatz?
Bei Siemens haben wir ein strategisches Framework zu „Fu-
ture of Work“ entwickelt, das Überblick und Struktur zu den
Themen gibt, mit denen wir uns beschäftigen wollen. In diesem
Framework deckt New Work alle Aspekte ab, die sich mit der
Frage beschäftigen, wie wir als Organisation, als Teams und als
Individuen zukünftig arbeiten werden. Zusätzlich stellen wir
aber die Frage, wie die Jobs der Zukunft ausgestaltet sind, also
die Frage nach Next Work. Denn das sind doch die existenziellen
und essenziellen Themen, die jeden von uns betreffen und über
die wir uns die meisten Gedanken machen müssen. Werde ich
auch in Zukunft eine Arbeit haben – in drei, fünf oder sieben
Jahren? Wie wird diese aussehen? Was brauche ich dafür, um
diese Jobs ausfüllen zu können? Was tun wir als Unternehmen
dafür, neue Tätigkeiten und Jobs zu schaffen?
Next Work, wie Sie das nennen, ist also noch wichtiger als
New Work. Doch die Frage, wo künftig Jobs entstehen oder
wegfallen, hängt stark davon ab, wie sich die Geschäfte in
der Firma entwickeln. Verfügen Ihre Kollegen aus den Busi-
nessbereichen über Szenarien, auf deren Grundlage Sie eine
Job- und Qualifizierungsplanung vornehmen können?
Für unsere Geschäfte und Geschäftsmodelle haben wir eine
Zukunftsplanung, wissen allerdings nicht, wie die Zukunft in
fünf oder zehn Jahren tatsächlich aussehen wird. Beim Thema
Interview Reiner Straub, Fotos Sebastian Arlt
„Next Work
betrifft jeden“
Die öffentliche Debatte wird derzeit von der Frage bestimmt,
wie wir künftig arbeiten werden (New Work). Immer wichtiger
wird aber zugleich auch die Frage, was die Jobs der Zukunft
sein werden (Next Work). Wie sich die Joblandschaft verändert,
welche Rolle Chancen-Risiko-Landkarten dabei spielen und
welche Verantwortung die Sozialpartner haben – darüber hat
das Personalmagazin mit Dr. Jochen Wallisch gesprochen,
Executive Vice President HR bei der Siemens AG.
Workforce Management
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