Workforce Management
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anomalien selbstständig im Hinblick auf Bedarfsanpassungen
zu bewerten. Eine Bedarfsanomalie könnte zum Beispiel eine
Baustelle vor einer Einzelhandelsfiliale sein, die zu 30 Prozent
Umsatzrückgang führt. Oder ein extrem heißer Sommer, der bei
Getränkeherstellern zu 20 Prozent Umsatzplus, bei Schokoladen-
herstellern aber zu 15 Prozent Umsatzeinbußen führt.
Wie im Beispiel geschildert, hat ein heißer Sommer in unter-
schiedlichen Teilbereichen sogar innerhalb der Branche Lebens-
mittelproduktion unterschiedliche Auswirkungen. Die Anoma-
lien sind also nur unternehmens- oder sogar bereichsspezifisch
auswertbar. In den wenigsten Unternehmen wird es so viele
Anomalien geben, dass ein System daraus angelernt werden
könnte. Meines Erachtens wird daher auf absehbare Zeit bei
jeder Form der Analyse und Prognose menschliche Intelligenz
notwendig sein, die die Ergebnisse mit einem unternehmens-
spezifischen Hintergrund bewertet und interpretiert.
Fazit: Auch ohne KI ist heute schon viel möglich
Das Workforce Management ist mehr als nur die Verteilung
von Mitarbeitern über eine festgelegte Anzahl von Schichten
pro Tag und muss am unternehmensspezifischen Bedarf aus-
gerichtet werden. Dabei können Big-Data-Bedarfsprognosen
einen wichtigen Beitrag leisten: um Bedarfe mit der benötigten
Präzision einzuschätzen, um die Arbeitszeitmodelle daran aus-
zurichten und um die Arbeitszeit für Mitarbeiter planbarer zu
gestalten. All dies ist bereits heute möglich. Aus heutiger Sicht
lässt sich jedoch nicht erkennen, dass durch die Nutzung von
Techniken mit künstlicher Intelligenz die Prognoseergebnisse
unter realistisch komplexen Rahmenbedingungen tatsächlich
verbessert werden können.
Soweit es den Bedarf von kurzfristiger Flexibilität im Unter-
nehmen gibt, kann deren Abruf im Zusammenhang mit klar
definierten Flexibilitätsmodellen geregelt werden. Dabei müssen
die Modelle mit höherer Flexibilität so attraktiv gestaltet sein,
dass sie von den Mitarbeitern freiwillig gewählt werden. Durch
die Kombination der individuellen Flexibilitätsmöglichkeiten
der Mitarbeiter wird sodann die betriebliche Flexibilität im aus-
reichenden Maß bedient.