07/16 personalmagazin
kräfte, ähnliche Einschätzungen
bezüglich der Veränderungsnot-
wendigkeit: Mehr als ein Drittel
der Befragten erachtet situative
Führungsmodelle als angemessen,
wobei durchaus auch klassische
Elemente hierarchischer Führung in
Abhängigkeit von den spezifischen
Rahmenbedingungen zum Einsatz
kommen sollten. Ein Erklärungsan-
satz für diesen differenzierten Be-
fund könnte darin liegen, dass die
Befragten eine Transformation in
ein vollständig agiles Unternehmen
für unrealistisch und auch nicht
notwendig halten. Dieser Befund
deckt sich sowohl mit den Erkennt-
nissen der Führungsforschung als
auch mit den Befragungsergebnis-
sen zum Einsatz agiler Methoden:
In der bereits oben erwähnten Stu-
die von Professor Komus werden im
Projektmanagement agile Methoden
selektiv oder hybrid eingesetzt. Aus-
gedient hat sowohl aus Sicht der
Mitarbeiter als auch aus Sicht der
Führungskräfte das hierarchische
Führungsmodell. Lediglich circa
zehn Prozent der Teilnehmer der
aktuellen Befragung halten dies für
zukunftsfähig.
Führungsanforderungen nicht
vollständig umgesetzt
Aktuell ist das hierarchische Füh-
rungsmodell in Unternehmen je-
doch noch weit verbreitet, wobei die
Einschätzung des Status quo inter-
essanterweise auch hier zwischen
Führungskräften und Mitarbeitern
divergiert. Knapp die Hälfte der Mit-
arbeiter wähnt sich in hierarchischen
Strukturen, während dies nur auf cir-
ca ein Drittel der Führungskräfte zu-
trifft. Dies führt nicht zwangsläufig
zu Unzufriedenheit. Vielmehr sind
lediglich 20 Prozent der befragten
Mitarbeiter mit dem Führungsstil
unzufrieden, wobei diese Unzufrie-
denheit jedoch überwiegend mit dem
hierarchischen Führungsstil verbun-
den ist (siehe Abbildung „Zufrieden-
heit mit dem Führungsstil“).
Der Weg zum agilen Unternehmen:
Mitarbeiter stärker einbeziehen
Agile Methoden zur Verbesserung
der Reaktionsfähigkeit, Geschwin-
digkeit und Kundenorientierung sind
in deutschen Unternehmen sowohl
bei den Führungskräften als auch
bei den Mitarbeitern breit akzeptiert
und erhöhen die Mitarbeiterzufrie-
denheit. Es wäre deshalb falsch, dies
als kurzfristige Managementmode
abzutun. Mitarbeiter und Führungs-
kräfte sind zudem realistisch bezüg-
lich des selektiven Einsatzes und
der situativen Verwendung agiler
Methoden sowie der damit verbunde-
nen Führungskonzepte. Wenn auch
hierarchische Führungsmodelle vor
dem Hintergrund künftiger Heraus-
forderungen überwiegend nachteilig
gesehen werden, finden sich Situatio-
nen, in denen darauf zurückgegriffen
werden muss. Interessant sind die
unterschiedlichen Einschätzungen
bezüglich der aktuellen Führungs-
situation. Offensichtlich unterschät-
zen Führungskräfte das Ausmaß, in
dem ihr Verhalten als autoritär und
hierarchisch wahrgenommen wird
und damit auch die einhergehenden
negativen Konsequenzen. Insgesamt
erscheint das durch die Mitarbeiter
gezeichnete Bild realistischer zu sein
als das der Führungskräfte. Dies soll-
te für die Unternehmen Anlass sein,
die Mitarbeiter bei der Umsetzung
stärker zu Wort kommen zu lassen.
PROF. DR. MARCEL
ENDEJAN,
FOM Hoch-
schule für Oekonomie
und Management Bonn
PROF. DR. HEIKO WECK-
MÜLLER,
FOM Hochschu-
le für Oekonomie und
Management Bonn
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