personalmagazin 07/16
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TITEL
_
AGILITÄT
A
gilität ist in aller Munde, sei es
bei der Softwareentwicklung,
der Produktentwicklung, beim
Projektmanagement oder bei
der Gestaltung von ganzen Unterneh-
men oder Unternehmensbereichen. Eine
neue Studie, die von Haufe-Lexware in
Auftrag gegeben wurde, liefert Erkennt-
nisse über die Nutzeneinschätzung in
der Praxis. Die Bewertungen sind zwar
differenziert, aber vom Grundtenor her
positiv. Darüber hinaus zeigen sich –
vielleicht wenig überraschend – Defizite
in den Führungssystemen. Agile Prinzi-
pien werden vereinzelt schon länger ein-
gesetzt. Sie manifestieren sich aktuell an
unterschiedlichen Stellen in Unterneh-
men, und ihre Einführung und Verfol-
gung wird zunehmend als Erfolgsfaktor
wahrgenommen. Bevor wir auf die we-
sentlichen Studienergebnisse eingehen,
wollen wir deshalb einen größeren Bo-
gen zu Historie und aktuellen Entwick-
lungen im IT-Management schlagen,
das heute als wegweisend auch für die
Umsetzung agiler Methoden imManage-
ment von Unternehmen angesehen wer-
den kann.
Agil: regsam und wendig
Was bedeutet Agilität? Goldman, Nagel
und Preiss charakterisierten den Begriff
1995 in ihrem Buch „Agile Competitors
and Virtual Organizations“ wie folgt:
„Agility is dynamic, context-specific,
aggressively change-embracing, and
growth-oriented.“ Das Fundament vieler
aktueller Diskussionen und Entwicklun-
Von
Marcel Endejan
und
Heiko Weckmüller
gen im Bereich der Agilität liefert aller-
dings das 2001 aufgestellte Manifest der
Vom Deming-Zyklus zu Scrum
Die Idee der iterativen, inkrementellen
und evolutionären Entwicklung ist nicht
neu. Larman und Basili beschreiben
in ihrem 2003 veröffentlichten Artikel
„Iterative and Incremental Develop-
ment: A Brief History“ eindrücklich die
Geschichte und die frühen Erfolge die-
ser Herangehensweise. Erste Ansätze
finden sich im Bereich der Qualitäts-
verbesserung demnach bereits in den
1930er-Jahren mit dem Vorschlag kur-
zer „Plan-Do-Study-Act“-Zyklen (PDSA,
heute bekannt als „Deming-Zyklus“). Als
erste Erfolge des iterativen, inkrementel-
len Vorgehens werden die Entwicklung
des Hyperschall-Flugzeugs X-15 in den
1950ern gesehen sowie die Softwareent-
wicklung im Rahmen des Mercury-Pro-
jekts der Nasa (dem ersten bemannten
Raumfahrtprogramm der USA) Anfang
der 1960er-Jahre – bei dem bereits eini-
ge heutige Praktiken, wie zum Beispiel
Timeboxing und testgetriebene Entwick-
lung, eingesetzt wurden.
In den 1980ern wurden weitere Me-
thoden entwickelt, unter anderem das
Prototyping sowie das Spiralmodell. Das
Vorgehen nach dem Wasserfallmodell
wurde zunehmend als nicht praktikabel
oder gar „falsch“ angesehen. Die 1990er-
Jahre brachten daher eine Vielzahl an
Verfeinerungen und weiteren Methoden,
zum Beispiel die Dynamic Systems De-
velopment Method (DSDM), den Ratio-
nal Unified Process (RUP), das Feature
Driven Development (FDD) sowie das
Extreme Programming (XP). Der aktuell
prominenteste Vertreter ist aber sicher-
lich Scrum, eine von Jeff Sutherland und
Ken Schwaber entwickelte Methode zur
Softwareentwicklung.
Status und Entwicklung
Die Entwicklung agiler Methoden und
Praktiken geht weiter, und deren Ein-
satz breitet sich über die reine Soft-
wareentwicklung vermehrt in andere
Bereiche aus: Die agile Entwicklung
mit regelmäßig auslieferbarer Software
wird um eine sogenannte „Continuous
Integration“ erweitert, ein kontinuierli-
cher Prozess aus Entwicklung, automa-
tisierter Systemintegration und automa-
tisierten Tests, und aus der manuellen
Bereitstellung einer Software für den
Nutzer wird die „Continuous Delivery“,
ein automatisierter oder zumindest teil-
automatisierter Bereitstellungsprozess
Agilität in Unternehmen
STUDIE.
Wie agil sind deutsche Unternehmen? Eine neue Studie zeigt: Die Führung
muss noch optimiert und die Mitarbeiter müssen stärker mitgenommen werden.
Agile Prinzipien mani-
festieren sich an un-
terschiedlichen Stellen
in Unternehmen und
werden zunehmend als
Erfolgsfaktor wahrge-
nommen.