Softwareguide Real Estate 2018 - page 75

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DATAROOMS
DER RÜCKSTAND
Kein Geheimnis ist je-
doch, dass die Immobilienbranche im
Hinblick auf ihre Produktivität noch
starken Aufholbedarf im Vergleich etwa
mit der Automobil- oder Chemieindu-
strie hat. Je mehr die Prozessdigitalisie-
rung Einzug in die Branche hält, umso
stärker wird auch im Branchenalltag
die Nachfrage nach Datenräumen zu-
nehmen. Peter Moog, CEO des ambi-
tionierten Start-ups Evana, betrachtet
Dokumente lediglich als Datenträger.
Seine Firma filtert die Daten aus den
Dokumenten und legt Wert auf die Fest-
stellung, dass sie erst auf diese Weise
„aus dem unkorrekt als Datenraum be-
titelten Dokumentenraum einen echten
Datenraum“ machten. Denn die in den
Dokumenten zugrunde liegenden Daten
stellten „das Bindeglied zwischen den
unterschiedlichen Bereichen und somit
die Basis für digitalen Austausch dar“.
Drooms-CEO Grellier sieht auf mittlere
Sicht Datenräume auch als Konkurrenz
für Portfoliomanagementsysteme und
ERP-Lösungen: „Ein sehr spannendes
Thema für uns! Drooms hat aktuell das
FinTech DealMarket gekauft. Das Schwei-
zer Unternehmen hat eine Cloud-Lösung
für das Prozessmanagement entwickelt.
Wir sehen die Zukunft des Marktes in
der Abbildung des gesamten Lebenszyklus
eines Assets.“
DIE DATENSICHERHEIT
Der Bundestag
wurde gehackt, Yahoo und andere Unter-
nehmen ebenso. Es scheint, dass Hacker
überall aktiv sind. Die Datenrauman-
bieter versichern unisono, dass die sen-
siblen Daten ihrer Kunden nicht gehackt
werden können. „Wir speichern unsere
Daten ausschließlich in europäischen
zertifizierten Rechenzentren. Somit un-
terliegen wir den starken Datenschutz-
bestimmungen“, versichert exemplarisch
Grellier. „Außerdem unterhalten wir ein
mehrstufiges Firewallsystem und stecken
viel Geld in die Sicherheit unserer Server
vor Hackern.“
Umgekehrt sogar werde ein Schuh
draus, meint Brainloop-Chef Deutsch-
mann: „Das allgemeine Bewusstsein um
den Schutz vertraulicher Informationen
ist deutlich gestiegen. Gleichermaßen
steigt die Akzeptanz zum Einsatz von
SaaS-Lösungen. So hat die Verbreitung
unserer Lösungen in den letztenMonaten
und Jahren stetig zugenommen.“
DIE MARKTVERÄNDERUNGEN
Obwohl
die Digitalisierung in der Immobilien-
branche noch Anlaufschwierigkeiten
hat, nimmt doch ihr Tempo zu. Auch
der hoffähig gewordene Einsatz von Da-
tenräumen vornehmlich bei Transakti-
onen mag ein Anzeichen hierfür sein.
Derzeit gelangen immer neue Prozesse
in die Datenräume. Planen, Bauen und
Nutzen wird zukünftig hoffentlich enger
miteinander verknüpft werden. So wer-
den etwa auch in Deutschland in diesem
Jahr die ersten Daten aus BIM-Projekten
im Bestandsmanagement ankommen.
Hoffentlich finden sie eine effektive und
nutzbringende Verwendung.
«
Jörg Seifert, Freiburg
„Datenräume sind
aktuell nur Dokumen-
tenräume. Das bringt
Effizienzsteigerung. Die
mögliche Wertschöpfung
ist dadurch bei Weitem
noch nicht voll erreicht.“
Peter Moog,
CEO Evana
Dies stellt nun keineswegs eine kardinale
Änderung der Arbeitsweise in der Immo-
bilienbranche dar. Jedoch stellt sie diese
vor neue Herausforderungen. Das ist die
Chance für Datenraumanbieter. Sie kön-
nen somit ihr Scherflein zum Gelingen
nicht bloß einzelner Transaktionsprozesse
beitragen. Zweifelsohne werden sie noch
weitere Datenaufgaben im Immobilien-
lebenszyklus übernehmen. Nicht zuletzt
deshalb werden auch noch weitere Bran-
chensegmente mit ihnen Bekanntschaft
machen.
40
Mio.
Das Marktvolumen für Transakti-
onsdatenräume in der deutschen
Immobilienwirtschaft liegt bei
zirka 40 Millionen Euro. Das gilt
für die Transaktionsdatenräume,
wo Seitenpreise im Vordergrund
stehen. Der lukrative Markt
für Bestandsdatenräume ist in
diese Rechnungen noch gar nicht
eingerechnet.
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