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SOFTWAREGUIDE
REAL ESTATE
2018
I
BUILDING INFORMATION MODELING
RING e.V. und die BIM World MUNICH
im Februar 2017 veröffentlicht haben
man sich gerade jetzt für BIM interessiere,
antworteten mehr als 30 Prozent der Be-
fragten, dassAnfragenundAufträge bereits
vorlägen. Wenn sich Building Information
Modeling durchgesetzt habe, würden vor
allem Bauherren, Auftraggeber und die
Nutzer beziehungsweise Eigentümer von
Immobilien zu den Gewinnern zählen.
Die Nutzenpotenziale von BIM er-
schließen sichdenBeteiligten auf verschie-
dene Weise: Bauherren etwa vermeiden
kosten- und zeitintensive Planungsfehler
dank optimierter Prozess- und Organisa-
tionstransparenz. Planer reduzieren ihre
Bearbeitungszeiten signifikant und stei-
gern zugleich die Qualität ihrer Arbeits-
prozesse, beispielsweise durch fortlaufend
aktualisierte Planableitungen aus dem
Modell. Generalunternehmer minimie-
ren Zeit- und Kostenrisiken durch exakte
Mengenermittlungen und modellgene-
riertes Abnahme-, Gewährleistungs- und
Mängelmanagement.
EIGENTÜMER SIND DIE GEWINNER
Am
größten aber ist der Nutzen in der Be-
triebsphase einer Immobilie mit ihren
technischen Anlagen. Denn während die
Planungs- und Realisierungsphase in Ab-
hängigkeit vom jeweiligen Projekt nach
einem Zeitraum von zwei bis fünf Jahren
abgeschlossen ist, wird sich ihr Betrieb
über 40 bis 60 Jahre erstrecken. Der CEO
des US-Unternehmens HOK, PatrickMac
Leamy, beschreibt, wie für jeden Dollar,
der in der Planung ausgegeben wird, 20
Dollar in der Bauphase und 60 Dollar in
der langen Nutzungsphase ausgegeben
werden (Quelle:
patrick-macleamy).Während der Baupha-
se unterstützt BIMden Hersteller bzw. die
Baufirma bei der Bauablaufkoordination
und Kostenkontrolle. Diese Kosten sind
20-mal höher als jene in der Planungs-
phase. Planer und Ausführende, die BIM
übergreifend verwenden, können bis zu
30 Prozent der Baukosten einsparen. In
der Nutzungsphase kann der Betreiber
BIM verwenden, um mit seinem Daten-
modell die Betriebskosten zu optimieren.
Damit lässt sich z.B. der Energieverbrauch
besser überwachen und steuern oder die
Wartung und Instandhaltung besser pla-
nen. In dieser Phase aber werden Kosten
60-mal höher als in der Planungsphase
verwaltet – und umso größer sei auch das
Einsparpotenzial.
WAS ABER, WENN ES NICHT UM NEUBAUTEN
GEHT?
Müssen Inhaber oder Betreiber von
Immobilien noch 30 oder 40 Jahre warten,
bis die Bestandsimmobilien durch Neu-
bauten ersetzt sind und die Entwicklung
aus der Planung heraus auch bei ihnen an-
kommt? Die Antwort lautet „Nein“. BIM
kann schon heute speziell für den Betrieb
von Gebäuden von großem Nutzen sein
und in der Betriebsphase zu Mehrwerten
gegenüber herkömmlichen Verfahren
führen. Das gilt ganz generell, wenn es um
den Austausch von Bestandsdaten zwi-
schen Eigentümer, Betreiber und Dienst-
leister geht, bei Übergaben von Gebäuden
zwischen Verkäufer und Käufer oder der
Weitergabe vonDaten an Sachverständige
und schließlich im Falle von Umbauten
und Erweiterungen. Das sieht auch Den-
nis Diekmann, Geschäftsbereichsleiter
Nicht erst auf
Neubauten warten:
BIM hilft auch im
Immobilienbestand.