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BUILDING INFORMATION MODELING
bei der Ambrosia FM Compliance &
Services GmbH so: „Der bisherige Fokus
bei der Begrifflichkeit BIM wird nahezu
immer mit Bauphasen verbunden. Doch
viel wichtiger für die praktische Umset-
zung sind alphanumerische Grundla-
gen mit Standards zum Datenaustausch.
Dazu zählt insbesondere das eigens dafür
entwickelte CAFM-Connect, ein Daten-
austauschformat für alphanumerische
Stammdaten von Flächen, technischer
Gebäudeausstattung und Dokumente
Mit diesem Baustein wird in ,BIM-
Sprache‘ auch für Bestandsgebäude die
Inventarisierung, die technische Due Di-
ligence, mögliche Transaktionen und vor
allem das Einhalten der Betreiberpflich-
ten für alle Beteiligten sicherer. Je um-
fassender das Immobilienportfolio oder
je komplexer dessen technische Ausstat-
tung, desto eher rechnet sich BIM auch
kaufmännisch. Entscheidend ist dabei
der Zugewinn an Qualität und Entschei-
dungssicherheit.“ (siehe auch:
cafmring.de/cafm-connect/).
NICHT ERST AUF NEUBAUTEN WARTEN
Doch
ob die Methoden von BIM nun auch auf
operativer Ebene Bedeutung erlangenwer-
den, wird von Ralf Bergerhoff noch eher
skeptisch gesehen. Der Geschäftsführer
der IHM Instandhaltungs-Management
AG beobachtet, dass mittlerweise zwar
diemeistenMarktteilnehmer dieMöglich-
keiten von BIM zur Kenntnis genommen
hätten, jedoch eher als eine Vision und als
schöne heile Welt, die per Knopfdruck zu
steuern sei. Er zieht einen Vergleich zu In-
dustrie 4.0: „Alle wollen die digitale Trans-
formation in der Industrie, nur wartet das
eine auf das andere Unternehmen, um zu
sehen, welche Fehler man nicht begehen
sollte. Ohne validen Business Case in-
klusive Kosten-Nutzen-Darstellung wird
sich die Durchsetzung von BIM schwer-
tun. Genau dies macht es so schwierig.
BIM tangiert Bereiche wie beispielswei-
se Immobilien-Management-Strategie,
Informations-Management und erzeugt
im Zusammenspiel einen Gesamtnutzen.
Diese Bereiche müssen erst harmonisiert
werden, um von einer nutzbringenden
BIM-Einführung zu sprechen.“ Die bei-
den u.a. für BIM zuständigen Berater bei
der Heidelberger pit - cup GmbH, Ralf
Rieckhof und Enis Kansoy, sehen den
aktuellen Stand von BIM ebenfalls ambi-
valent: „Für das Immobilienmanagement
bedeutet dessen Einsatz, dass die für die
Dokumentation und den Betrieb notwen-
digen Informationen aus Planen und Bau-
en von Spezialisten eingepflegt und eine
aufwändige Nachbearbeitung der Daten
mit Fehlerpotenzial vermieden würde“,
so Enis Kansoy. Das sei an sich schon ein
nennenswerter Beitrag. Doch was vor
allem benötigt würde, sei der Wille zum
Handeln, zumWirken in die gleiche Rich-
tung der Beteiligten. Noch gebe es mehr
BIM-Veranstaltungen in Deutschland als
reale BIM-Projekte. Und auch Ralf Rieck-
hof meint: „BIM in den kommenden drei
Jahren einzuschätzen, ist schwierig. Die
Technik könnte das Notwendige schon
lange leisten. Rahmenbedingungen wer-
den auch bereits durch die öffentlichen
Auftraggeber gesetzt, hier sind die ersten
Weichen gestellt.“ Doch manch einer
verweise auf noch ausstehende Normen
der deutschen Richtliniengeber (DIN,
VDI, GEFMA) und warte deswegen ab.
Das aber lasse er nicht gelten, denn der
heutige Stand sei bereits weitführend.
„Vielmehr geht es nun um Aus- und Wei-
terbildung, die notwendig ist, um BIM zu
beflügeln. Generell geht es um den Faktor
Mensch in einer effizienteren Immobili-
enwirtschaft.“
TATSÄCHLICH
zeichnet sich der Einsatz
von BIM als fachdisziplin- und phasen-
übergreifende Methode durch eine damit
einhergehende neue Kultur des kollabo-
rativen Arbeitens und Wirkens aus. Nur
durch Kooperation und abgestimmtes
Vorgehen wird Building Information
Modeling zu einem Nutzen bringenden
Werkzeug für die gesamte Immobilien-
wirtschaft werden können. Und da waren
sich die Teilnehmer an besagter Umfra-
ge zu einhundert Prozent einig: Zu den
Verlierern werden vor allem diejenigen
Unternehmen gehören, die bei BIMnicht
mitmachen oder ihr eigenes Vorgehen
weiterhin als Betriebsgeheimnis verste-
hen.
«
Ralf Stefan Golinski, CAFM Ring, Wuppertal
Experten
„BIM in den kommenden
drei Jahren einzuschätzen,
ist schwierig. Die Technik
könnte das Notwendige
schon lange leisten. Rah-
menbedingungen werden
auch bereits durch die
öffentlichen Auftraggeber
gesetzt. Hier sind die ers
ten Weichen gestellt.“
Ralf Rieckhof,
Dozent und CAFM-Consultant
pit - cup GmbH
„Alle wollen die digitale
Transformation in der
Industrie. Nur wartet das
eine auf das andere Un-
ternehmen, um zu sehen,
welche Fehler man nicht
begehen sollte. Ohne vali-
den Business-Case inklusive
Kosten-Nutzen-Darstellung
wird sich BIM nur schwer
durchsetzen.“
Ralf Bergerhoff,
Geschäftsführer der IHM Instand-
haltungs-Management AG
Foto: IHM Instandhaltungs-Management AG