Immobilienwirtschaft 2/2016 - page 14

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MARKT & POLITIK
I
FLÜCHTLINGE
len Flüchtlingen mit Bleibeperspektive
eine gute Unterbringung und schnelle
Integration ermöglichen“, begründet dies
Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für
Stadtentwicklung und Wohnen. Auch die
Hauptstadt Berlin will in den kommen-
den Monaten Flüchtlingsunterkünfte für
tausende von Menschen errichten. Dabei
setzt sie auf eine modulare Bauweise, die
es ermöglichen soll, schnell und kosten-
günstig Wohnraum zu schaffen.
Auf den Bedarf an günstigen, schnell
zu errichtenden Wohnungen reagiert
die Immobilienwirtschaft. Die DSK/Big-
Bau-Unternehmensgruppe bietet ein
Wohnmodul für einen Preis von knapp
900 Euro pro Quadratmeter an – das ist
weniger als die Hälfte der in Deutschland
üblichen Baukosten. Und der Immobili-
enunternehmer Markus Gildner errichtet
in der fränkischenGemeinde Eckental un-
ter der Bezeichnung „The Peoples Project“
Reihenhäuser, die er zunächst als Flücht-
lingsunterkünfte vermietet, nachAbflauen
der Flüchtlingswelle aber dem regulären
Wohnungsmarkt zuführen will.
FEST STEHT, DASS DIE STARKE ZUWANDE-
RUNG
alle noch vor Kurzem geltenden
Wohnraumprognosen über den Haufen
wirft. Axel Gedaschko, der Präsident
des wohnungswirtschaftlichen Dachver-
D
ie Rahmenbedingungen für die
Immobilienbranche ändern sich.
Noch vor wenigen Jahren galt der
Wohnungsleerstand als eine ihrer großen
Herausforderungen. Heute werden Men-
schen in Immobilien untergebracht, die
nie für Wohnzwecke vorgesehen waren:
in Turnhallen und Flugzeughangars, in
ehemaligen Lagerhallen und leerstehen-
den Bürogebäuden.
Der wichtigste Grund für diesen Um-
schwung ist der Zuzug von Flüchtlingen
nach Europa, von dem Deutschland in
besonders hohem Maße betroffen ist. Im
Jahr 2015 kamen rund eineMillion Schutz
suchende Menschen in die Bundesrepu-
blik. Und auchwenn nicht klar ist, ob diese
Zahl in diesem Jahr wieder erreicht wird,
und auch wenn niemand mit Sicherheit
sagen kann, wie viele dieser Menschen
auf Dauer in Deutschland bleiben wer-
den, steht fest: Die deutsche Politik und
die deutsche Immobilienwirtschaft stehen
vor gewaltigen Herausforderungen.
BESONDERS ANGESPANNT IST DIE SITUATION
in Großstädten wie Hamburg, München
und Berlin, in denenWohnraum ohnehin
knapp ist. Hamburg hat deshalb ein Pro-
gramm aufgelegt, mit dembis Ende dieses
Jahres mehrere tausend Wohnungen für
Flüchtlinge entstehen sollen. „Wir wol-
Büroflächen zu Flüchtlingswohnungen
Kaum eine Entwicklung prägt
den deutschen Immobilien-
markt derzeit so sehr wie
die Zuwanderung. Es gibt
inzwischen viele Pläne zur
Integration. Insbesondere
der Immobilienwirtschaft
bieten sich dabei erhebliche
Chancen.
430.000
Wohnungen müssen laut
Institut der deutschen Wirt-
schaft bis 2020 bundesweit
jedes Jahr gebaut werden.
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