MBA Kompendium 2017/2018 - page 9

mba kompendium
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Zertifikat bezahlt und 270 haben sich für den MBA
entschieden. Die neueste Entwicklung ist der kos-
tenfreie Smartly MBA mit 600 Unterrichtsstunden
in neun Fächern. Teilnehmer müssen sich für das
Online-Studium bewerben und es gibt eine stren-
ge Auslese. Sein Geld will die Firma durch Gebüh-
ren für rekrutierende Unternehmen verdienen. Ein
anderer Ansatz sind sogenannte Micromaster der
Plattform edX. Den bekommt, wer mehrere Online-
Kurse absolviert und dafür Credentials erwirbt. Die
kann er sich dann auf ein Master-Programm an
einer Business School anrechnen lassen. Wer zum
Beispiel die vier Kurse des Micromasters in Inter-
national Business Management an der Thunderbird
Graduate School of Management für 996 Dollar er-
folgreich absolviert hat, hat damit bereits 20 Pro-
zent des Masters of Global Management absolviert.
Trend: Neue Führungsansätze
Neue Organisationsformen, immer schnellere Ver-
änderungen und anspruchsvollere Mitarbeiter erfor-
dern neue Führungskompetenzen. Führungskräfte
müssen offen für Neues sein, mit Widersprüchen
umgehen können und ihre eigenen Entscheidungen
infrage stellen. Zwar haben viele Business Schools
schon seit einigen Jahren ihren Fokus auf Leader-
ship geschärft und mehr Wert auf Persönlichkeits-
entwicklung und Coaching gelegt, doch die digitale
Transformation forciert die Entwicklung. Auch in
Deutschland, wo Business Schools traditionell viel
stärker in der Betriebswirtschaft verankert sind und
sich mit „weichen Themen“ wie Persönlichkeitsent-
wicklung und Selbstreflexion eher schwertun, rückt
das Thema stärker in den Vordergrund.
Ob an der WHU Otto Beisheim School of Manage-
ment, der TUM School of Management oder der
Hochschule Kempten – überall gehört die Persön-
lichkeitsentwicklung inzwischen zum Studium.
HHL Leipzig Graduate School of Management
hat vor Kurzem ihr neues Führungsmodell vorge-
stellt. Die Neuausrichtung der Management- und
Führungslehre im Sinne eines interdisziplinären
und praxisorientierten Ansatzes soll auch die im-
mer wichtiger werdenden Bereiche Innovation
und Ethik mit effektivem Management verbinden.
Eine Führungskraft könne heute nur erfolgreich
sein, wenn sie für sich selbst und mit anderen ge-
meinsam einen motivierenden Zweck („Purpose“)
entwickelt, der effektiv, unternehmerisch und ver-
antwortungsvoll angestrebt wird, so HHL-Rektor
Professor Andreas Pinkwart.
Trend: Digitale Transformation
An der digitalen Transformation kommt heute
kein Unternehmen mehr vorbei. Mithilfe neuer
Technologien und Geschäftsmodelle können heute
Start-ups selbst für etablierte Konzerne schnell zur
Bedrohung werden. Unternehmen müssen daher
neben ihren bisherigen Geschäftsmodellen auch
neue kreieren. Immer mehr Unternehmen interes-
sieren sich deshalb auch dafür, wie Start-ups ticken
und Gründer denken und wie sich diese Mentalität
ins Unternehmen integrieren lässt. Auch im MBA-
Studium spielen diese Themen daher verstärkt eine
Rolle.
Die Teilnehmer lernen Ansätze zur Entwicklung
neuer Geschäftsmodelle kennen, sie schreiben
Businesspläne und bearbeiten Projekte. Auch Me-
thoden und Techniken wie Design Thinking oder
Business Model Canvas stehen heute vielfach auf
dem Lehrplan und die Studenten erfahren, welche
organisatorischen Kräfte unternehmerisches und
innovatives Verhalten verhindern und wie sie ein
förderndes Umfeld schaffen können. Bei manchen
Schulen beraten die Teilnehmer Start-ups, andere
haben Studientrips ins Silicon Valley im Programm.
Manche Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeiter
daher auch beim MBA-Programm, damit sie mit ih-
rem neuen Wissen Innovationen vorantreiben.
Bärbel Schwertfeger
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