MBA Kompendium 2017/2018 - page 10

Interview
10
mba kompendium
2017/18
Berufsbegleitende Master-Studiengänge ermögli-
chen eine Weiterqualifizierung im Job. Wie gut ist
das zweistufige Studiensystem mit dem Bache-
lor- und Masterabschluss denn überhaupt schon
in den Unternehmen bekannt. Wird es überhaupt
angenommen?
Christian Jost:
Wir hängen in Deutschland schon
noch immer stark unseren alten Bildungswegen
nach. Das gilt für Personalmanager ebenso wie
für die Studierenden. Die meisten Bachelor-Ab-
solventen setzen gleich noch ein Master-Studium
drauf und es gilt noch immer: Was man studiert,
bestimmt auch stark die Berufswahl. Die Möglich-
keiten, die das Bologna-Konzept mit dem berufs-
begleitenden Master oder MBA bietet, werden da
häufig noch nicht ausgeschöpft.
Aber den MBA gibt es schon lange. Dennoch hat
man das Gefühl, dass viele Personaler damit nichts
anfangen können.
Jost:
Das ist sicher noch ein Thema, bei dem Per-
sonalmanager sich deutlich intensiver mit dem un-
übersichtlichen Angebot auseinandersetzen müs-
sen. Wer sich nicht eingehender damit beschäftigt
hat, kennt auch den Unterschied zwischen einem
MBA von einer Topschule in London und einem
Master aus Hintertupfingen nicht. Auch bei Hays
waren wir zunächst einmal überrannt von der Viel-
falt des Master-Angebots für unsere internen Mit-
arbeiter.
Mitarbeiter, die ein berufsbegleitendes Master- oder MBA-Studium absolvieren, sollten bereits im
Vorfeld mit der Personalabteilung über ihre Erwartungen sprechen. „Sonst ist der Frust vorprogram-
miert“, warnt Christian Jost, Head of People Management beim Recruiting-Spezialisten Hays.
Und was haben Sie gemacht?
Jost:
Erst haben wir überlegt, ein eigenes firmenin-
ternes Programm mit einer Hochschule zu entwi-
ckeln. Aber da brauchen Sie 15 bis 20 Teilnehmer
pro Jahr und ein Studienplatz kostet 20.000 bis
30.000 Euro. Das ist viel Geld. Und dann haben wir
das Problem, dass manche Mitarbeiter den Master
nur deshalb machen, weil er eben bezahlt wird.
Also haben wir davon wieder Abstand genommen
und das Stipendienprogramm „Support for Growth“
gestartet. Dabei zahlen wir zehn Mitarbeitern pro
Jahr maximal 5.000 Euro für die Studiengebühren.
Zudem bekommen sie noch zehn Tage Sonderur-
laub.
Haben Sie nicht befürchtet, dass Sie mit Bewerbun-
gen überrannt werden?
Jost:
Am Anfang schon, aber wir haben gedacht,
wenig ist besser als nichts. Jetzt haben wir das
Programm seit vier Jahren und bekommen rund 20
Bewerbungen pro Jahr. Das heißt, dass wir etwa
jeden Zweiten fördern. Der Großteil will dabei ein
Master-Studium beginnen, aber es gibt auch Mitar-
beiter, die ein Bachelor-Studium oder eine zertifi-
zierte Coaching-Ausbildung machen.
Ist das Master-Studium für Sie ein Instrument der
Mitarbeiterbindung?
Jost:
Natürlich wollen wir den Mitarbeiter damit
auch an uns binden, zumindest für die Dauer der
Personalchef setzt auf berufs-
begleitenden MBA und Master
1,2,3,4,5,6,7,8,9 11,12,13,14,15,16,17,18,19,20,...68
Powered by FlippingBook