mba kompendium
2017/18
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Unterstützung – bestenfalls natürlich weit darüber
hinaus, vielleicht mit neuen Aufgabenbereichen
oder sogar in einer anderen Position. Mitarbeiter,
die unser Weiterbildungsangebot wahrnehmen,
verpflichten sich vorab, bei einer Eigenkündigung
innerhalb von sechs Monaten nach dem Studienab-
schluss, Geld zurückzuzahlen.
Was tun Sie dagegen, dass sich die Mitarbeiter nach
dem Master-Abschluss einen anderen Job suchen?
Jost:
Bei Hays haben wir ein internes Job-Board, das
von einem Team von Karriereberatern betreut wird
und auch das Stipendienprogramm managt. Das ist
ein geschützter Raum. Hier können sich alle Mitar-
beiter, die sich neuen Herausforderungen widmen
möchten, beraten lassen, ohne dass ihr Vorgesetz-
ter etwas davon erfährt. Unser Career Advice un-
terstützt Interessenten dann, intern einen anderen
Job zu finden.
Nicht jedes Unternehmen bietet solche Möglichkei-
ten. Was raten Sie den Master-Interessenten?
Jost:
Die größte Krux sehe ich darin, wenn Mitar-
beiter von sich aus ein Master-Studium beginnen
und das Unternehmen nichts davon weiß. Wenn
sie dann noch auf einer Stelle sind, wo sie keinen
Master-Abschluss brauchen, ist der Frust meist auf
beiden Seiten vorprogrammiert. Mitarbeiter sollten
sich daher vorher überlegen, ob sie das neu erwor-
bene Wissen überhaupt im Unternehmenskontext
umsetzen können.
Aber für das Unternehmen ist das doch erst mal po-
sitiv. Der Mitarbeiter zeigt Eigeninitiative und bildet
sich – oft auf eigene Kosten – weiter.
Jost:
Natürlich, aber wie jedes Unternehmen sind
auch wir ergebnisorientiert. Für uns macht ein Mas-
ter oder MBA nur Sinn, wenn er die Wertschöp-
fung im Unternehmen erhöht. Bei Hays werden die
Mitarbeiter daher auch nach Stelle und nicht nach
Abschluss bezahlt.
Bachelor- und Master-Absolventen bekommen also
dasselbe Gehalt?
Jost:
Ja, das Gehalt bemisst sich nach der Wert-
schöpfung, die der Mitarbeiter erbringt. Bei jeder
Stelle muss ich mir als Personaler daher überlegen,
welche Anforderungen gibt es, was sind die dafür
notwendigen Qualifikationen und wie trägt der Mit-
arbeiter zur Wertschöpfung bei? Dabei ist ein Mas-
ter oder MBA kein Allzweckmittel.
Bei vielen MBA-Programmen und vor allem in der
Master-Arbeit können die Teilnehmer konkrete Pro-
jekte aus dem eigenen Unternehmen bearbeiten.
Das trägt doch auch zur Wertschöpfung bei.
Jost:
Wenn es das richtige Thema an der richtigen
Stelle ist, kann das sicher sehr wertvoll sein. Aber
wenn jemand einen Master zum Thema Retention
macht und dann mal eben für seine Master-Arbeit
alle Personaldaten auswerten will, wird es schwie-
rig. Wir sind daher gerade dabei, einen Prozess
dazu aufzusetzen, welche Themen in einer Master-
Arbeit abgehandelt werden könnten.
Bärbel Schwertfeger
Foto: Hays
Christian Jost vom Personaldienstleister Hays in Mannheim.
Hays hat allein im D-A-CH-Raum rund 2.200 Mitarbeiter.