MBA-Trends
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mba kompendium
2017/18
Trend: Online im Aufwind
Galten Online-Programme einst eher als Billig-
Variante, so bieten inzwischen auch immer mehr
Topschulen Online-MBAs an und die Zahl der Stu-
denten steigt. Laut einem Bericht von US News &
World Report haben sich allein an der Kenan-Flager
Business School zuletzt 1.047 Studenten einge-
schrieben. Vor einem Jahr waren es erst 782. Dabei
sind die Studiengebühren der neuen Online-MBAs
kaum niedriger als beim Vollzeit-MBA. So kostet der
Online-MBA bei Kenan-Flagler stolze 104.610 Dollar.
Mit dem traditionellen E-Learning haben die neuen
Angebote nur wenig gemeinsam. Im Mittelpunkt
stehen interaktive Lernformen wie ein virtuelles
Klassenzimmer, Online-Diskussionen oder die Be-
arbeitung von Lernaufgaben in virtuellen Teams.
Fast immer gehören aber auch kurze Präsenzpha-
sen zum Programm.
Als Vorreiter beim Online-MBA gilt die IE Busi-
ness School in Madrid, deren Online-MBA von
der Financial Times bereits mehrmals zum besten
Online-Programm gekürt wurde. Im vergangenen
Oktober präsentierte die Schule mit ihrem neuen
WOW-Room ihr Klassenzimmer der Zukunft, das
das Beste aus der Pädagogik und Technologie verei-
nen soll und Video-Kollaboration, Simulationen in
Echtzeit und virtuelle Firmenbesuche ermöglicht.
Künstliche Intelligenz und eine Big-Data-Analyse
ermöglichen den Professoren auch, die Wirkung
Wie die globale Wirtschaft, ist auch der MBA-Markt ständig in Bewegung. Die Digitalisierung und
neue Technologien in der Produktion bestimmen die aktuellen Studienausrichtungen, aber auch
politische Entwicklungen haben ihre Auswirkungen.
ihres Unterrichts direkt zu überprüfen und gegebe-
nenfalls zu verbessern. Im nächsten Schritt müssen
die Professoren nicht mehr physisch präsent sein,
sondern werden als Hologramme in den Raum pro-
jiziert und von einem Roboter bewegt, um mit den
Studenten interagieren zu können.
Trend: America last
Mit seiner strikten Einreisepolitik hat US-Präsi-
dent Donald Trump nicht nur am amerikanischen
Selbstverständnis gerüttelt, sondern schadet auch
den amerikanischen Business Schools. Trumps Po-
litik machte sich selbst an den Topschulen schon
schnell negativ bemerkbar, wie Nitin Nohria, Dean
der Harvard Business School und selbst ein Einwan-
derer aus Indien in erster Generation, beschrieb.
Studenten zweifeln an ihren Karrierechancen in
den USA und auch die Nachfrage nach Executive-
Education-Programmen, deren Teilnehmer zu zwei
Dritteln aus dem Ausland kommen, könnte leiden.
Auch wenn sich die langfristigen Folgen noch nicht
abschätzen lassen, werden die USA wohl als Studi-
enland an Attraktivität verlieren.
Was den MBA-Markt angeht, dürfte sein Wahlver-
sprechen „America first“ bei vielen internationalen
MBA-Interessenten eher ins Gegenteil umschlagen.
Gewinner werden auch die europäischen Schulen
sein und auch deutsche Business Schools könnten
neuen Aufwind bekommen. Während es weniger
Die neuesten MBA-Trends
des Jahres 2017
Foto: Leander Baerenz/Westend61 / Corbis